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Gordzielik: "Es war eine Bauchentscheidung"

Nach dem 3:3 gegen Würzburg

Der ATSV Erlangen hat in der Bayernliga den ersten Punkt geholt. Gegen den Würzburger FV erzwang der Aufsteiger ein 3:3 (2:1). Im Tor stand überraschend ein neuer Keeper.

Gleich gut beschäftigt: In seinem ersten Spiel für den ATSV Erlangen bekam es Sven Gordzielik (3. von rechts) gleich mit dem Bayernliga-Spitzenteam Würzburger FV zu tun. 

 / © Sippel

Irgendwie ging alles ganz schnell. Mittwoch noch war Sven Gordzielik Torhüter des TSV Buch, Donnerstagabend rief Jörg Markert an, Freitag folgte die Unterschrift beim ATSV. „Ich hatte in Buch 34 Einsätze in der Landesliga. Wir sind leider nicht aufgestiegen“, sagt der Keeper. Die Bayernliga aber war sein Ziel. Als sich die Chance dazu ergab, „habe ich nicht lange überlegt, es war eine Bauchentscheidung.“ Keine 48 Stunden später stand Gordzielik erstmals im ATSV-Trikot auf dem Platz. Der etatmäßige Schlussmann der Erlanger hatte am Mittwoch in Gebenbach die Rote Karte gesehen und fehlte gesperrt, mit Maximilian Glaß stand nur der Keeper der Kreisliga-Mannschaft als Ersatz parat. Der Klub musste handeln, die kurzfristige Verpflichtung von Sven Gordzielik war eine „Reaktion auf die Rote Karte“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Jörg Markert.

„Vor dieser Saison haben wir uns entschieden, nur mit einem Stammkeeper reinzugehen. Nach der Roten Karte und der letztjährigen Erfahrung“ änderten die Vereinsverantwortlichen ihre Meinung. Mit Gordzielik „waren wir letztes Jahr schon im Gespräch“, sagt Markert. „Jetzt ist er als Vertragsamateur zu uns gekommen“. Als Nummer zwei. Michael Kraut kehrt nach seiner Sperre wieder ins Tor zurück.

Dem Neuling ist das bewusst. „Ich möchte den Schritt in die Bayernliga machen und einiges lernen“, sagt der 21-Jährige. „Mit Michi Kraut habe ich einen Torwart neben mir, von dem ich sehr viel profitieren und lernen kann. Das Training bringt einen weiter.“ Und natürlich möchte sich Gordzielik dort auch „für Einsätze empfehlen. Ich bin selbstbewusst und möchte spielen.“ Am Samstag gegen Würzburg hat das schon einmal geklappt. „Dass der Trainer mir gleich das Vertrauen geschenkt hat, zeigt mir auch die Wertschätzung im Verein“, sagt Gordzielik. „Doch die Bayernliga ist natürlich ein anderes Niveau. Leider hat es nicht geklappt mit einem Sieg. Die Jungs hätten es sich verdient gehabt, es war ein super Spiel von uns.“ Die Würzburger Fans hatten gerade ein erstes Mal ihre Gesänge angestimmt und ihre blau-weißen Fahnen aufgehängt, da tankte sich Tim Ruhrseitz auf dem linken Flügel durch, passte scharf nach innen und Klaus Faßold netzte ein (4.). Es war der perfekte Start für den so gebeutelten Aufsteiger, der die ersten zwei Spiele und zudem den Rot-gesperrten Torwart verloren hatte.

Die erste Aktion für den Neu-Erlanger Sven Gordzielik gab es nach einer knappen halben Stunde, ein wenig Ping-Pong vor dem linken Pfosten, plötzlich war Cristian Dan zentral frei. Auf dem nassen Rasen rutschte der Angreifer beim Abschluss aus, Gordzielik warf sich auf den Ball. Das 1:1 fiel nach einer Ecke, plötzlich und unhaltbar. Nur Sekunden später stand der ATSV-Keeper wieder in seinem Strafraum, die Hände auf die Knie gestützt. Auch seine Vorderleute erholten sich schnell, nach einem Einwurf setzte sich Ismail Yüce im Zweikampf hart durch, stand 15 Meter vor dem Tor frei und versenkte trocken. Zwei Minuten nach dem Seitenwechsel fiel der erneute Ausgleich, Gordzielik konnte einen Fernschuss von Adrian Istrefi nicht festhalten, Sebastian Fries staubte ab. „Für mich war in diesem Spiel eine Eingewöhnungsphase nötig“, sagt der junge Erlanger Keeper. Die Innenverteidiger Sebastian Marx und Michael Kammermeyer „haben mir oft geholfen, das hat mir das Spiel erleichtert“.

„Ein richtiger Schritt“

Die beste Chance in der zweiten Halbzeit für den ATSV hatte Yüce nach Flanke von Kulabas und Zuspiel von Faßold, der Würzburger Schlussmann Andre Koob parierte stark. Im direkten Gegenzug erzielten die Gäste das 3:2, die Erlanger waren hinten einen Moment zu offen, schon nutzte das der Tabellendritte der Vorsaison aus. In der Schlussphase merkte man den Hausherren an, wie viel Kraft dieses Spiel, diese erste Bayernliga-Woche gekostet hatte.

Im Nieselregen schleppten sich die meisten über den Rasen. Kulabas brüllte: „Es ist doch nichts verloren!“ Ein paar Minuten später war die Partie dann tatsächlich: nicht verloren. Faßold traf zum 3:3. „Ich habe versucht, das Spiel schnell zu machen über Steini (Stefan Steininger, d. Red.)“, beschreibt Sven Gordzielik den Ausgleich. „Wir haben das Spiel verlagert auf Tim Ruhrseitz, der über eine super Einzelleistung die Flanke rein bringt. Und dann Klaus Faßold: sehr gut getroffen, schönes Tor.“ Der Keeper, der vom anderen Ende des Feldes seine Teamkollegen in eine Jubeltraube hüpfen sah, war zuerst erleichtert. „Mit einem Punktgewinn fällt es mir leichter, zur Mannschaft zu stoßen. Das hat mich schon sehr glücklich gemacht“, sagt Gordzielik. „Der Punkt ist ein Schritt in die richtige Richtung. Spielerisch ist der ATSV eine der besten Mannschaften in der Liga.“ Durch das Unentschieden sei die Mannschaft „in der Liga angekommen“. Wie schnell das gehen kann, hat der Keeper nun auch selbst erlebt.

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