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Tekdemir: "Namen gewinnen keine Spiele"

Interview

Seit dieser Saison tritt Angreifer Okcan Tekdemir für Cagrispor wieder als Spieler in Erscheinung - ganz lassen kann er aber nicht von der Trainerrolle. Ein Interview über seinen Einstand beim Bezirksligisten.

Okcan Tekdemir (am Ball) läuft seit dieser Saison für Cagrispor auf.

 / © Zink

Am Sonntag ging das Spiel gegen Kellerkind ASV Fürth mit 0:2 verloren. Was war da los?

Okcan Tekdemir: Das war gar nichts, von uns allen nicht. Da nehm ich mich auch nicht davon aus. Wir haben uns keine Chancen erarbeitet, die Abstände waren zu weit, wir hatten keine Spielidee. Es war einfach schlecht von eins bis elf. Und solche Spiele beschäftigen mich einfach, es war in der Woche zuvor gegen Neunkirchen schon nicht gut (1:0 für Cagri, d.Red.). Wir müssen einfach schauen, dass wir im Training wieder das Tempo höher halten, denn so wie wir trainieren, so spielen wir auch. Generell muss man aber auch sagen: Verlieren gehört dazu. Wie die Mannschaft so etwas aufnimmt, wie sie damit umgeht - das ist Teil eines Reifeprozesses.

Es hat sich mit Michael Ün auch noch einer eurer jungen Leistungsträger verletzt...

Tekdemir: Ja, er hat einen Bänderriss, hatte heute schon einen MRT-Termin. Bald wissen wir mehr. 

Abgesehen von der letzten Partie: Für dich persönlich läuft es ja ganz ordentlich, oder? Acht Spiele, sechs Tore ist nicht die schlechteste Bilanz...

Tekdemir: Ja, ich hab' ab und an mal getroffen, aber das liegt daran, dass ich von meinen Hinterleuten mit den jungen Sechsern (Samuel Arapoglu und Michael Ün, d. Red.) und von den Außenbahnspielern viele Bälle vorbereitet bekomme und ich es nicht schwer habe, den Punch zu landen. Ich finde, die Mannschaft hat in den Anfangswochen richtig gut nach vorne gespielt, das hat es mir leicht gemacht, mich schnell einzugewöhnen. 

Bei Cagri klappte der für türkische Mannschaften ja so häufig beschwerliche Saisonstart ganz annehmbar - euer Stadtrivale Türkspor hingegen hat Probleme...

Tekdemir: Türkspor ist eine qualitativ gute Mannschaft, die sich finden muss, um eine Einheit zu werden. Ich finde, sie haben Spieler mit sehr hoher Qualität, das sind Top-Namen - aber Namen gewinnen keine Spiele. Gegen Stadeln haben sie aber gezeigt, dass sie auch gegen Teams, die oben mitspielen, gewinnen können. Ich glaube, sie haben den Bock jetzt umgestoßen.

"Fußball findet nicht nur auf dem Platz statt"

Es gab ja auch Unmut über die Begleitumstände deines Wechsels zu Cagri - du hattest ja bereits beim Henger SV als Spielertrainer zugesagt...

Tekdemir: Ich habe mich einfach dagegen entschieden, die weiten Fahrten auf mich zu nehmen. Zudem ich auch zwei kleine Töchter habe, die ich einfach öfters sehen möchte. 

Der Wechsel zu Cagrispor war in gewisser Weise ja auch ein Rückschritt für dich. Zuvor warst du auch als Trainer verantwortlich für den SC 04 Schwabach II, jetzt bist du wieder "nur noch" Spieler... 

Tekdemir: Ich fungiere ja auch bei Cagri zusammen mit Ahmet Aydin als eine Art "spielender Co-Trainer", habe ja auch Turgay Karali zu Beginn der Saison vertreten, als der im Urlaub war.

Wie geht man an so etwas ran? Bekommt man da klare Instruktionen, denen man folgt? Hält man sich zurück mit eigenen Ansätzen - obwohl man vielleicht schon eine eigene Vorstellung entwickelt hat?

Tekdemir: Man hat schon ein anderes Selbstbewusstsein. Kapitän Ahmet Aydin, Keeper Bechloul Memet und mir war bewusst, dass wir ein Zeichen setzen mussten: Wir hatten bis dato aus zwei Spielen nur einen Punkt geholt, das war zu wenig, außerdem mussten 15 Neue integriert werden. Deswegen haben wir das Training auf drei Einheiten erweitert, haben den Montag eingebaut, an dem wir das Spiel analysiert haben, auf Szenen eingegangen sind und versucht haben, gleich eine Idee reinzubringen.

Und, zufrieden mit dem Erreichten?

Tekdemir: Fußball findet nicht nur auf dem Platz statt, da gehört noch viel mehr dazu. Das Menschliche darf nie zu kurz kommen. Ja, wir haben aus zwei Partien sechs Punkte geholt, acht Tore geschossen. Ahmet Aydin, der erfahrene Berkay Gök und ich haben aber auch sehr viele Gespräche geführt, den Kontakt zu den Jungs gesucht. Das waren schon sehr zeitintensive zwei Wochen, in denen wir uns alle kennengelernt haben.

Also keine wirkliche Auszeit vom Trainerdasein...

Tekdemir: Nein, eigentlich nicht. Ich bin in der nächsten Woche erstmal in München, um mich auf meine Trainerlizenz vorzubereiten. Anschließend hospitiere ich bei einem Champions-League-Teilnehmer für sechs Tage. Die Referenz dafür habe ich von Torsten Frings bekommen, bei dem ich letztes Jahr in Darmstadt hospitiert habe.

Dann willst du das Gelernte sicher bald wieder in der Praxis umsetzen...

Tekdemir: Mein Fokus liegt aktuell darauf, Cagrispor so gut wie möglich zu unterstützen. Mittelfristig ist das Ziel die A-Lizenz und ein eigenes Team mit Perspektive.

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