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Marco Ried: "Du kannst dir keinen Stillstand erlauben"

Der neue Trainer der Kleeblatt-U-19 spricht über seine Arbeit in der Bayernliga

Am Sonntag (14 Uhr) bestreiten die A-Jugend-Fußballer der SpVgg Greuther Fürth ihr viertes Saisonspiel in der U-19-Bayernliga beim TSV Ismaning. Trainer des Kleeblatt Nachwuchses ist seit diesem Sommer Marco Ried, der von der eigenen C-Jugend in die wichtigste Ausbildungsmannschaft des Vereins aufgerückt ist. Im Interview mit den FN spricht der werdende Grundschullehrer über Talente, die sich nicht schinden wollen, seine Handschrift als Trainer und zwölf Knie-OPs.

Soll die Kleeblatt-U-19 zurück in die Bundesliga führen: Marco Ried, der seit Sommer die A-Jugend der Fürther trainiert.

 / © Sportfoto Zink

Herr Ried, zählt für Fürth in dieser Saison nur der Aufstieg?

Marco Ried: Der Verein, die Spieler und wir im Trainerteam verfolgen mit viel Akribie dieses Ziel. Auch die Mannschaft will den Abstieg korrigieren. Mit 1860 München und Unterhaching haben wir zwei starke Konkurrenten. Wir haben den Jungs von Anfang an klar gemacht, dass die Bayernliga kein Selbstläufer ist. Wer das glaubt, wird sich gewaltig irren.

Sie sind mit 28 Jahren schon seit elf Jahren Trainer in Fürth. Wie kam es dazu?

Ried: Ich musste in der U 16 bei der SpVgg nach einer weiteren Knieverletzung aufhören. Die Ärzte haben mir nahegelegt, mit dem aktiven Fußball aufzuhören. Mittlerweile habe ich zwölf Eingriffe am Knie hinter mir. Ich hatte damals erst einmal die Nase voll von Fußball. Nach einem Jahr bin ich dann als Trainer wieder beim Kleeblatt eingestiegen.

Machen Sie den Job als U-19-Trainer hauptberuflich?

Ried: Nein. Ich habe Lehramt auf Gymnasium studiert, mache jetzt noch den Abschluss für die Grundschule. Mit Stellen für Lehrer in Bayern ist es nicht so einfach und mit der zweiten Ausbildung bin ich dann abgesichert.

Nach drei Jahren als Trainer der U 15 hat man Sie zum U-19-Trainer befördert, was war die Begründung?

Ried: Mein Weg sollte mit dem 2002er-Jahrgang erst einmal Richtung U 16 führen, aber mit Perspektive nach oben. Nach den Veränderungen im Nachwuchsleistungszentrum in diesem Sommer hat Mirko Reichel dann angerufen. In seinem Konzept hat er mich als Trainer der U 19 gesehen.

Mussten Sie lange überlegen?

Ried: Ich bin seit elf Jahren bei der SpVgg als Trainer dabei. Wenn man so eine Chance erhält, muss man sie nutzen. Mit Achim Beierlorzer, Thomas Kleine und vielen anderen hatte ich hier in Fürth in meinen Zeiten als Co-Trainer Top-Leute um mich, von denen ich viel Input bekommen habe.

Inhaltlich ist eine U 19 mit den Trainingsmethoden bei einer U 15 nicht zu vergleichen.

Ried: Wir haben in der Regel fünf Trainingseinheiten in der Woche. Es geht viel um Individualisierung. Wir machen neben dem Mannschaftstraining gezielt Individual- und Gruppentraining, zum Beispiel für die Defensive und Offensive. Das athletische und technisch-taktische Niveau ist wesentlich höher als in der U 15. Wir müssen auch im Hinterkopf haben, dass 17- bis 18-jährige Spieler heutzutage bereits im Herrenbereich eingesetzt werden. Lucas Zahaczewski, Tom Scheuchenpflug, Tom Schulz und Patrick Ort sind bereits jetzt Bestandteil des U-23-Kaders, Maximilian Bauer war schon bei den Profis im Einsatz.

Jeder Trainer hat neben der des Vereins auch eine eigene Philosophie. Wie sieht Ihre aus?

Ried: In erster Linie hängt es davon ab, aus welchen Spielern sich der Kader zusammensetzt. Ich bin ein Trainer, der auf die Tugenden von früher achtet, unter anderem auf eine gute Zweikampfführung. Das Positionsspiel sowie eine mutige Spielweise sind weitere Schwerpunkte meiner Philosophie. In der Bayernliga sind wir nun natürlich in einer anderen Position als bislang in der Bundesliga. Es wird mehr um Ballbesitz gehen, weil sich viele Gegner hinten reinstellen werden. Landshut hat am Wochenende gegen uns teilweise sogar mit einer Sechserkette agiert und da muss man dann erst mal Lösungen finden.

Wie eng ist Ihr Konzept mit dem der Profis verknüpft?

Ried: Wir sollen mit Viererkette spielen, weil es bei den Profis so praktiziert wird. Auf den jeweiligen Positionen sollen die Jungs vom Profil so ausgebildet werden, dass sie sich beim Übergang in den Profibereich schnell zurecht finden.

Sie haben eine Mannschaft übernommen, die in der Vorsaison abgestiegen ist. Wie gehen die Jungs damit um?

Ried: Zunächst musste ich mir mit meinem Co-Trainer erst einmal einen Überblick verschaffen und wir haben viele Einzelgespräche geführt. Beim Auftakt gegen Unterhaching war die erste Halbzeit richtig gut, doch nach dem ersten Gegentreffer haben wir eine starke Verunsicherung gesehen. Das Selbstvertrauen ist noch nicht so groß, was aber auch normal ist. Die Jungs aus der letztjährigen U 19 wollen den Makel der Absteiger unbedingt wettmachen.

Ist der Umgang mit den Jungs bisweilen schwierig? Jeder von ihnen träumt in diesem Alter davon, Profi zu werden.

Ried: Da einige Spieler schon bei der U 23 oder sogar bei den Profis im Einsatz sind, kann es natürlich sein, dass unter Umständen ein Spieler auf die Bank muss, der eigentlich spielen sollte. Ich habe diese Thematik vor der Saison mit den Jungs klar und ehrlich kommuniziert, wie es laufen kann. Ich würde mich auch als kommunikativen Trainer sehen, der anderen nicht nur seine Meinung reindrückt. Talent haben alle unsere Spieler, nur geht es darum, das Potenzial dauerhaft abzurufen, wissbegierig zu sein und nach einem verlorenen Zweikampf die richtige Reaktion zu zeigen und sich weiterentwickeln zu wollen. Die Spieler müssen immer versuchen, über ihre Grenzen zu gehen und gewisse Dinge akzeptieren, wenn sie den Schritt nach oben weitergehen wollen.

Talent alleine reicht also nicht aus?

Ried: Nein. Es gibt viele hochtalentierte Spieler, die sich dann aber vielleicht zu sehr auf ihrem Talent ausgeruht haben und nicht mehr die notwendige Einstellung und Leidenschaft gezeigt haben. Du kannst dir als Jungprofi kaum einen Stillstand mehr erlauben. Dafür sind zu viele gute Jungs in zu vielen Vereinen unterwegs, die dann in die Lücke springen.

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