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Neunsinger: "Im Süden ist es viel schwerer, die Klasse zu halten"

Der Burgfarrnbach-Coach über seinen erfolgreichen Saisonstart

Die Momentaufnahme ist glänzend: Aufsteiger Burgfarrnbach grüßt vor dem 10. Spieltag von der Spitze. Coach Uwe Neunsinger hat lobende Worte für die neue Liga - und denkt gar nicht daran, die Platzierung zu hoch zu hängen.

Eindringlich hatte sich Uwe Neunsinger Gedanken gemacht über die Schwierigkeit, in denen Aufsteiger - und im besonderen die Relegationsteilnehmer darunter - aufgrund des Rahmenterminplans stecken. Und entsprechend hat er seinen Vorbereitungsplan gestaltet und sein Team nach dem gefeierten Aufstieg sofort wieder auf den Platz gebeten: "Wenn du drei Wochen Pause machst, holt sich ja jeder Spieler nochmal zusätzlich zwei Wochen Urlaub, weil kein Spieler mehr auf die Terminplanung der Vereine schaut. Dann hättest du in den ersten drei Trainingsmonaten, in denen du die Grundlagen legst, Spieler dabei, die fünf Wochen gar nichts machen." Diese Problematik, so glaubt er, bekämen nun etwa Teams wie der ehemalige Relegations-Gegner Wolframs-Eschenbach oder der TSV Buch zu spüren, die in ihren Ligen in hinteren Gefilden zu finden seien. "Wir haben den anderen Ansatz gewählt - dennoch war bei mir ja praktisch jeder Spieler im Urlaub und hat sich da die Erholung geholt", hofft er.

Der Ertrag auch dieser Maßnahme ist aktuell an der Tabelle abzulesen: Burgfarrnbach grüßt von oben - als Aufsteiger. Ist die Liga etwa schwächer als angenommen? "Nein, sie ist sogar stärker als gedacht. Du hast vielleicht in der Spitze nicht so viele Mannschaften, die Top-Fußball spielen - in dem Sinne, was man landläufig darunter versteht. Aber du musst jeden Gegner drei- oder viermal totschlagen, bevor du ihn in den Sarg legen kannst." Als Beispiel zieht er das Spiel in Dinkelsbühl heran: Sein Team lag 3:0 vorne, es hatte 40 Grad - aber der Gegner habe konsequent weitergespielt: "Du gewinnst in dieser Liga kein Spiel leicht - und das ist eine Qualität von allen Mannschaften. Diese Mentalität, dieser Kampfgeist kommt meiner Art - so wie ich Fußball denke - deutlich näher als das, was zum Teil in der Bezirksliga Nord gespielt wird."

Auch sonst kann der Trainer und gut vernetzte Fußballexperte der Liga einiges abgewinnen: "Es ist ein bisschen wie ein Klassentreffen. Egal, wo wir hinfahren, kenne ich Leute." Kürzlich, in Berching, erzählt er, sei er wieder bis 23 Uhr gesessen: "Mir gefällt, dass ich auch mal wieder alte Kontakte auffrischen kann - und die Mannschaften musst du sowieso kennenlernen. Das ist mein Job, für den ich ja bezahlt werde."

"Du kannst nicht auf jeden Spieler Rücksicht nehmen"

Eine weiterer Ansatz Neunsinger war es bekanntlich, mit einem breiten Kader in die Saison zu gehen. Knapp 40 Mann werden aktuell im weiteren Kreis aufgeführt. Ein Problem, die alle bei der Stange zu halten, hat der Coach bislang aber nicht. "Wir hatten schon Spiele, in denen wir ohne zehn Mann gespielt haben. Es kann natürlich zum Problem werden, wenn die Urlaubszeit vorbei ist und alle da sind. Aber da kannst du nicht auf jeden Spieler Rücksicht nehmen; denn wenn du den Kader kleiner machst, damit du keine Jammerei hast, dann spielst du, bis die aus dem Urlaub zurückkommen, gar nicht mehr Fußball - weil du deine Mannschaft abgemeldet hast." In diesem Zwiespalt seien aber alle Vereine, glaubt er: "Dass wir jetzt so dastehen und all die urlaubsbedingten Ausfälle und Verletzungen abfangen haben können, ist ja dem großen Kader geschuldet". Einen Einbruch im Herbst erwartet er nicht: "Wenn die Leute nach und nach aus dem Urlaub kommen und alle gesund bleiben, dann kannst du rotieren. Wir haben auf vielen Positionen gleichwertige Optionen - das haben wir natürlich so geplant, weil wir ja wissen, dass wir 34 Punktspiele haben, dass es in der Tabelle hinten fünf neuralgische Plätze gibt."

Neun der 34 Partien sind bereits absolviert. Trotz der Momentaufnahme Rang eins spielt Neunsinger nicht mit dem Gedanken, das Saisonziel 'Klassenerhalt' zu korrigieren. "Mit 18 Punkten wirst du am Ende absteigen. Wenn man den aktuellen Stand der beiden Bezirksligen vergleicht, ist es im Süden viel schwerer, die Klasse zu halten." Bis zum letzten Wochenende sei sein Team vier Punkte von Abstiegszone entfernt gewesen, die ersten sechs Mannschaften seien aktuell drei Punkte auseinander. "Man sollte in der Situation nicht so dumm sein, zu glauben, du bist schon wer und solltest irgendetwas an deinen Zielen ändern."

"Die Liga ist brutal eng"

Wie schnell es abwärts gehen kann, machte zuletzt der kommende Gegner vor - aus den letzten fünf Partien gab es für Absteiger Ansbach-Eyb nur zwei Punkte: "Eyb ist sehr gut gestartet, jetzt sind sie natürlich in einer kleinen Abwärtsspirale", sagt Neunsinger. "Ich habe sie vor 14 Tagen in Roth gesehen, du merkst natürlich auch, dass ihnen die Relegation in den Knochen steckt. Wenn du sie spielen lässt, haben sie vorwärts Qualität - wenn du sie beschäftigst, haben sie rückwärts ihre Probleme. Aber angeschlagene Boxer sind immer gefährlich, sie werden sich sicherlich rehabilitieren wollen für das 0:5 gegen Marienstein zuletzt." Wie in allen Spielen gelte auch gegen die Eisenbahner, "dein Limit zu erreichen. Wenn du das schaffst, hast du gegen jeden Gegner eine Chance, wenn du das ansatzweise nicht erreichst, haut dich jeder Gegner auseinander. Die Liga ist brutal eng."

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