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Rafael Hinrichs: Ein Neu-Münchner soll Erlangen-Bruck Stabilität verleihen

Münchner Klubs haben ein Auge auf den Lehrer geworfen

Bayernligist FSV Bruck hat das Sechs-Punkte-Spiel für sich entschieden. Beim 3:1 gegen den ASV Neumarkt halfen auch zwei Fußballer mit, die eigentlich weggezogen sind: die beiden Lehrer Rafael Hinrichs und Thomas Roas.

Der Ball ist im Netz: Rafael Hinrichs steigt in der Mitte am höchsten und köpft zum 1:0 ein. "Kopfballtore waren immer meine Spezialität", sagt der Außenverteidiger. Wie gut, dass er noch für die Brucker spielen kann.

 / © Harald Sippel

Natürlich gab es auch eine Schultüte: Rafael Hinrichs hatte vor knapp vier Wochen seinen ersten Schultag. Nicht als Schüler allerdings. Rafael Hinrichs ist Lehrer, am 11. September hat daher auch für ihn eine neue Lebensphase begonnen. Der 30-Jährige musste nach München ziehen, an einer Mittelschule ist er nun Klassenlehrer.

"Ich wurde nach München versetzt, genau wie Thomas Roas, weil dort gerade einfach ein Riesen-Bedarf an Lehrern ist", sagt Hinrichs. "Die Hälfte aller Schüler in Bayern sind tatsächlich in München. Dort gibt es alleine 45 Mittelschulen." An einer arbeitet er nun. "Es ist sehr schön, ich mag den Beruf sehr." Der Erlanger unterrichtet Sport, Mathe, Wirtschaft und GSE (Geschichte, Sozialkunde, Erdkunde). "Es fordert einen natürlich. Man muss morgens sehr ausgeschlafen sein und fit in die Schule kommen, sonst hat man keine Chance gegen die Bande." Eine "gewisse Härte" brauche es am Anfang auch. "Es ist einfacher, die Zügel irgendwann locker zu lassen als anzuziehen. Dann nehmen einen die Schüler nicht mehr ernst." Vor allem die ersten Wochen waren spannend. "Es war sehr, sehr anstrengend, auch Wiesn-bedingt", meint Hinrichs. Als Neu-Münchner kann man sich dem Oktoberfest schließlich nicht entziehen. Gleich zu Beginn bekam Hinrichs zudem direkt eine neunte Klasse, er muss nun Jugendliche auf ihren Abschluss vorbereiten. Trotzdem hat er noch Zeit für Fußball.

"Normann hat mich vor zwei Wochen angerufen, dass die Trainingsbeteiligung aus verschiedenen Gründen nicht so gut war", sagt Hinrichs. Der FSV Bruck hat die Pause vor allem dazu nutzen müssen, grippekranke Spieler auszukurieren. Noch nicht alle waren wieder fit. Und das obwohl das wichtige Spiel gegen Neumarkt anstand, ebenfalls ein Team aus dem Tabellenkeller. "Der Trainer hat gesagt, er braucht Erfahrung und Qualität. Also hat er mich gebeten, heimzufahren am Wochenende." Rafael Hinrichs kam der Bitte nach, gemeinsam mit Thomas Roas. "Wir versuchen uns unter Woche gemeinsam fit zu halten", sagt Hinrichs. Beide gehen ins Fitnessstudio, zu Probetrainings haben sie aber auch schon Münchner Fußballklubs besucht. "Einen festen Verein haben wir noch nicht." Und solange das so ist, bleiben die Fußballer Brucker.

Am Samstag hieß das auch: Abstiegskampf. Gegen die Oberpfälzer musste der FSV gewinnen. Mit dem 3:1 halten die Brucker nun den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze. "Wir sind froh, dass wir etwas zum Sieg beisteuern konnten, insgesamt war es verdient", sagt Hinrichs. Nach einer Ecke von Bastian Lunz netzte der Außenverteidiger per Kopf ein (27.). Nur fünf Minuten später legte Adem Selmani eins drauf, wieder nach Vorarbeit des Kapitäns (32.). "Kopfballtore waren immer meine Spezialität, wenn ich mal Tore gemacht habe, war es immer per Kopf", sagt Hinrichs, "aus der Distanz konnte ich es eigentlich nie." Nach dem Anschlusstreffer durch Christian Schrödl wurden die Brucker nervös, sie hatten Angst, wieder eine Führung zu verspielen, wie schon so häufig. "Man hat gemerkt, dass wir total verunsichert sind", sagt Hinrichs. "Jeder hat gedacht, wir bringen die Führung nicht über die Zeit. Hinten raus schaffen wir es immer, den Gegner wieder einzuladen." Gegen Neumarkt aber setzte der FSV den entscheidenden Konter, Maximilian Bauernschmitt traf zum 3:1.

Die Entscheidung, weiter für den FSV Bruck zu spielen, war Hinrichs leicht gefallen. Vor allem, weil es kaum Zeit zum Entscheiden gab. Erst im August bekamen die beiden Lehrer Bescheid, dass sie in eine andere Stadt versetzt werden. In München sind beide daher noch auf der Suche nach einer festen Wohnung, Hinrichs ist bereits zum zweiten Mal umgezogen. "Der Wohnungsmarkt ist sehr teuer." Langfristig soll es eine Brucker WG geben. "Wir sehen uns sehr häufig, müssen aber auch viel für die Schule vorbereiten. Es ist eine neue Umgebung, wir müssen uns erst einmal einfinden." Trotzdem sagt Hinrichs: "Ich fühle mich in München sehr wohl." Den Fußball, gibt er zu, "vermissen wir aber natürlich schon". Wie gut also, dass Heimat nicht fern ist. "Ich hätte aber nicht gedacht, dass ich hier noch so gebraucht werde. Der Kader ist groß genug, stark genug." Trotzdem wurde der Außenverteidiger gebraucht. "Die Mannschaft hat mich sehr herzlich aufgenommen. Das hätte ich gar nicht gedacht." Zwar spielt Hinrichs schon mit am längsten beim FSV, seit mehr als fünf Jahren, "doch ich trainiere unter der Woche nicht mit." Aber selbst die Zuschauer hätten sich gefreut, "Du bist eben doch ein echter Brucker", meinten manche zum Neu-Münchner. Irgendwann aber wird ein Abschied kommen. Zuerst aber geht es heute wieder in die Schule.

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