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Daniel Orel: "Ich würde gerne alles aus mir rausholen"

Interview

Der Holzheimer Daniel Orel (25) entschied sich im Sommer zu einem Wechsel vom Heimatklub und Bezirksligisten FC Holzheim zum SC 04 Schwabach in die Landesliga Nordost. Im Interview mit den Neumarkter Nachrichten spricht der Angreifer über seine Vergangenheit, seine sportlichen Ambitionen und seinen neuen Verein.

Im Hinpiel gegen den TSV Neudrossenfeld erzielte Daniel Orel (blau) ausnahmsweise keinen Treffer. Im ersten Spiel nach der Winterpause soll sich das ändern.

 / © Sportfoto Zink

Daniel, waren Sie schon immer der klassische Goalgetter?

Daniel Orel: Tatsächlich nicht (lacht). Früher war ich eher in der Defensive vorzufinden, sprich anfangs Libero und Innenverteidiger. Ich bin damals über meine Freunde zum Fußball gekommen, habe sofort beim FC Holzheim angefangen. Ab der C-Jugend spielte ich dann für die aus den Stadtvereinen gegründete JFG Neumarkt. In Holzheim unter Vahan Yelegen wurde ich dann auf die Sechs nach vorne geschoben, zudem auf dem Flügel mal ausprobiert, was sehr gut funktioniert hat. Letztendlich rutschte ich als „Aushilfe“ mal in den Sturm, anscheinend meine Bestimmung. Durch die verschiedenen gespielten Positionen verstehe ich als Stürmer sehr gut, welche Situationen für einen Verteidiger unangenehm sind. Das ist schon ein Vorteil.

Über fünf Spielzeiten haben Sie im Herrenbereich in Holzheim zumeist Bezirksliga gekickt. Was zeichnet den FCH für Sie aus?

Orel: Natürlich habe ich mich in Holzheim sehr wohl gefühlt. Der FC ist mein Heimatverein und schließlich wohne ich auch hier. Es ist hier sehr freundschaftlich, der Zusammenhalt ist großartig und jeder würde für den anderen durchs Feuer gehen. Mit Vahan Yelegen haben sie einen Trainer, der die Kombination aus Fachwissen und Menschlichkeit perfektioniert. Das sind auch die Gründe, wieso man den FC jedes Jahr wieder in der Bezirksliga vorfinden kann.

In der FCH-Zeit haben Sie sich zu einem Top-Stürmer entwickelt. Im Sommer dann der Wechsel in die Landesliga zum SC 04 Schwabach? Warum nicht zum ASV Neumarkt, der quasi vor der eigenen Haustüre liegt.

Orel: Der Wechsel war für mich der nächste logische Schritt um mich sportlich, aber auch menschlich weiterzuentwickeln. Der Kontakt zum SC 04 ist über die damaligen Schwabacher Trainer, Tobias Ochsenkühn und Johannes Feihl, zustande gekommen. Sie haben mich zum Probetraining eingeladen und danach nicht mehr locker gelassen. Schließlich hat sich dann auch Norbert Hammer, CEO beim SC 04, eingeschaltet und mich lange beackert. Die Gespräche waren mit allen Beteiligten und Spielern super. Dazu hat mir das Konzept und der Plan für die nächsten Jahre zugesagt, sodass ich mich für den SC 04 Schwabach entschieden habe. Das Interesse vom ASV Neumarkt war vorhanden, sie hätten mich auch gerne verpflichtet, allerdings habe ich nach meinem Gefühl entschieden, das mich im Nachhinein nicht getäuscht hat.

Von der Bezirksliga ging es erst mal eine Klasse hoch in die Landesliga. Der richtige Schritt für Ihre Entwicklung als Fußballer?

Orel: Definitiv. Wird sind eine Top-Truppe mit guten Jungs, von denen man immer was lernen kann. Ich bin ja erst seit Juli in Schwabach, aber würde fest behaupten, dass ich schon ein bis zwei Schritte vorangekommen bin.

Vorangekommen, aber auch schon eingelebt im Frankenland? Inwiefern unterscheiden sich die Rahmenbedingungen in Schwabach von denen beim FC Holzheim?

Orel: Eingelebt habe ich mich superschnell. Die Mannschaft, Betreuer, Verantwortlichen und Trainer in Schwabach sind hervorragend. Sie haben mich perfekt aufgenommen, so als hätten wir uns schon zehn Jahre gekannt. Ich glaube, so etwas findet man ganz selten. Beim SC 04 ist natürlich alles größer. Dank unserer vielen Betreuer und unserer Physios ist man auf jedes Training und Spiel top vorbereitet. In Holzheim, wie bei vielen kleineren Vereinen generell, ist dies eben nicht immer der Fall. Allerdings muss ich auch sagen, dass bei beiden Vereinen alles für einen selbst als Spieler getan wird.

In der Landesliga Nordost sind Sie derzeit einer der Top-Scorer. Hätten Sie gedacht, dass Sie gleich so einschlagen?

Orel: Ich weiß natürlich, was ich kann und habe mir natürlich einiges vorgenommen. Dass ich dem Team aber gleich so gut weiterhelfen kann, freut mich umso mehr.

Weiterhelfen würden Sie auch Ihrem Ex-Klub Holzheim (12. Platz), da läuft es bisher noch nicht ganz rund. Verfolgen Sie den FCH noch intensiv und wird da unter Freunden öfters mal gewitzelt: „Daniel, wir brauchen deine Tore?“

Orel: Da viele gute Freunde von mir in Holzheim kicken, versuche ich so oft wie möglich zuzuschauen. Der ein oder andere Spruch ist da schon mal gefallen. Allerdings wissen alle in Holzheim, dass man super Jungs in der Mannschaft hat. Ich bin von einem einstelligen Tabellenplatz am Ende der Saison fest überzeugt.

Die Landesliga und die Bezirksliga im Vergleich: Wo sind da die Unterschiede?

Orel: Natürlich ist das Tempo höher und die körperliche Fitness ist mitentscheidend. Außerdem gibt es mehr Vereine, die versuchen, fußballerische Lösungen zu finden.

Mit dem SC 04 Schwabach sind Sie momentan Dritter. Sieht sich der Klub früher oder später in der Bayernliga? Wie sind da die Erwartungen im Verein?

Orel: Unser Ziel für dieses Jahr ist, unter den ersten Fünf zu landen, womit es bisher ja nicht so schlecht aussieht. Alles weitere wird man am Ende sehen, aber wir nehmen natürlich alles gerne mit. Wir haben einen jungen Kader aus vielen Talenten, mit dem man den Grundstein legen will, um in den nächsten Jahren wieder in der Bayernliga antreten zu können.

Apropos Bayernliga. Die Tabellenkonstellation an der Spitze der Landesliga ist auch ganz interessant, vier Mannschaften haben sich deutlich abgesetzt.

Orel: Die Tabelle ist oben sehr eng. Leider haben wir unsere Top-Spiele allesamt verloren und stehen somit nur auf Rang drei. Dennoch sind es aktuell nur noch vier Punkte auf den Erstplatzierten und somit ist noch alles drin für uns. Der TSV Neudrossenfeld, Eintracht Bamberg und der SC Feucht haben viele erfahrene Kicker in ihren Reihen, dies war bei den Aufeinandertreffen vermutlich auch deren Vorteil. Mittlerweile sehe ich uns auf Augenhöhe und erhoffe mir demnach viel für die Rückspiele.

Wie würden Sie den Trainer Jochen Strobel und die Mannschaft in Schwabach beschreiben?

Orel: Die Mannschaft ist fußballerisch sehr gut veranlagt, und jeder einzelne hat einen tollen Charakter. Wir sind eine richtige Einheit und das merkt man auch, aber auch neben dem Platz. Jochen passt perfekt zu uns. Er besitzt ausgereiftes Fachwissen und hat eine klare Vorstellung von seinem Spiel. Und er bringt als Lehrer natürlich auch Menschenkenntnis mit sich und weiß jederzeit, wie er mit jedem Einzelnen umgehen muss. In Zusammenarbeit mit Co-Trainer Christian Krach und unserem Torwart-Trainer Jürgen Petschner sind wir da sehr ordentlich aufgestellt.

Zu Ihrer Perspektive: Ein Top-Scorer der Landesliga weckt sicherlich auch wieder bei höherklassigen Vereinen Interesse. Ein derzeitiges Thema für Sie?

Orel: Selbstverständlich will man als ehrgeiziger Kicker immer höher spielen. Man wird sehen, wie es sich entwickelt. Derzeit konzentriere ich mich voll auf den SC 04 und unsere Ziele. Wir spielen, um zu gewinnen. Deswegen sehe ich uns am Ende der Saison auf Platz eins.

Aus dem Amateurfußball ins große Fußballgeschäft – und das ohne „hochprofessionelle“ jugendliche Ausbildung beim Club, Fürth, 1860 München etc. Ein Bernd Rosinger machte es schon vor. Mit 25, heutzutage ein utopischer Traum?

Orel: Ich würde gerne alles aus mir rausholen, allerdings verfolge ich nicht strikt den Traum, irgendwann noch Profi zu werden. Sollte es allerdings ein passendes Angebot geben, wäre ich nicht abgeneigt, einen Weg wie „Rose“ einzuschlagen (lacht).

Dazu braucht man natürlich ein besonderes Talent. Womit bestechen Sie am Platz vor allem?

Orel: Meine größte Stärke ist der Abschluss. Gepaart mit Dynamik, Zielstrebigkeit und einem guten Defensivverhalten, versuche ich meiner Mannschaft stets zu helfen.

Wie lässt sich ihre berufliche Zukunft mit dem Zeitaufwand beim SC 04 Schwabach vereinbaren?

Orel: Aktuell schreibe ich meine Bachelor-Arbeit in Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Hochschule Nürnberg, wodurch es eigentlich keine zeitlichen Probleme mit dem Fußball gibt.

Neben der Begeisterung für den Fußball – wie verbringen Sie sonst noch Ihre Freizeit?

Orel: Vor allem mit meiner Freundin und meinen Freunden. Ich treibe generell gerne Sport, da gibt’s zum Fußball schon noch ein paar andere Alternativen.

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