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Kalchreuth: Mit schönem Fußball und etwas Aggressivität zu neuen Erfolgen

Bezirksliga Nord

In seinem dritten Jahr in der Bezirksliga hat sich der FC Kalchreuth zu einer Spitzenmannschaft entwickelt. Das 1:0 gegen den bisherigen Tabellenzweiten Veitsbronn zeigt, warum es derzeit so gut läuft.

„Wir waren häufig zu brav“: Ermin Kojic (links) hat auf seinen Kapitän gehört und setzt sich in dieser Szene drangvoll gegen zwei Veitsbronner durch. 

 / © Jürgen Rauh/Zink

Als die Luft immer kälter wird und leichter Nieselregen einsetzt, da erreicht die Stimmung ihren Siedepunkt. Die Fußballer des FC Kalchreuth liegen sich in den Armen, sie tanzen über den Platz, sie singen von ihren Plänen für einen schönen Abend im Sportheim – und dann von ihren noch viel größeren Träumen. „Irgendwann einmal“ wollen sie international spielen, der Weg bis dahin ist allerdings noch ein weiter.

Im November 2018 ist der FCK ein sehr guter Bezirksligist, wie gut sie sind, das haben sie an diesem Sonntagnachmittag bewiesen. Als der stellenweise überforderte Schiedsrichter das Spitzenspiel zwischen Kalchreuth und dem ASV Veitsbronn-Siegelsdorf abpfeift, trägt der kühle Wind einen lauten Schrei der Erleichterung über den Sportplatz. Ein Tor von Marco Nerreter nach 72 Minuten reicht ihnen schlussendlich für einen 1:0-Erfolg im Spitzenspiel.

Nach der kurzen Feierstunde mit seiner Mannschaft will Joao Oliveira aber nicht vorbehaltlos von dieser schwärmen. „Die erste Halbzeit war nicht gut, da hatte ich andere Erwartungen“, sagt der Kalchreuther Trainer. Mit etwas mehr Glück und individueller Qualität hätte Veitsbronn kurz vor der Pause durchaus in Führung gehen können, nach vorne spielte der FCK zwar ganz ansehnlich, aber nicht wirklich gefährlich. Nach der Pause tauscht Joao Oliveira auf der Außenbahn einmal, vielleicht hat er seinen Spielern aber auch einen Zaubertrank verabreicht. Denn plötzlich hat Veitsbronn kaum mehr etwas vom Spiel, während Kalchreuth dem Führungstreffer mit jeder Minute ein bisschen näher kommt. „Wir waren einfach einen Ticken aggressiver“, sagt der Trainer, sein Kapitän lebt das in jeder Situation vor. Markus Giering wirft sich in Zweikämpfe, er spielt hart, aber nicht unfair, er diskutiert leidenschaftlich mit dem Schiedrichter, als der ihm keinen Freistoß schenkt – und hilft so mit, dass seine Spieler nun plötzlich nichts mehr wollen als das 1:0.

Genau diese Aggressivität, wird Giering später sagen, hat ihnen in der Vergangenheit gefehlt, „wir waren häufig zu brav“, doch damit soll jetzt Schluss sein. Der Kapitän geht auch gegen Veitsbronn mit gutem Beispiel voran, ohne sich für eine ungemütliche, gallige Spielweise eine Gelbe Karte zu holen. 20 Minuten vor Schluss wird es dann plötzlich wild: Erst vergibt Angreifer Leon Siefert frei stehend vor dem Veitsbronner Tor, ein paar Sekunden später retten die Gäste gerade noch auf der Linie. Doch dann drückt der eingewechselte Marco Nerreter seinen Gegenspieler im Laufduell wie einen Jugendspieler weg, läuft noch ein paar Meter und schiebt dann zum erlösenden Führungstreffer ein. Auch danach wird der Tabellenzweite aus dem Fürther Landkreis kaum mehr gefährlich – bis zur 90. Minute. In der letzten Aktion des Spiels stoppt Max Mahler den Angriff mit einem taktischen Foul, der Schiedrichter bewertet das als Notbremse und schickt den Kalchreuther Verteidiger vom Platz.

Der fällige Freistoß aber landet im Fangnetz vor den Tennisplätzen, dann ist Schluss. Und Joao Oliveira soll erklären, warum aus dem FC Kalchreuth in der dritten Saison nach dem Aufstieg mittlerweile eine Spitzenmannschaft geworden ist. Um die Antwort windet sich der 42-Jährige ein bisschen, er ist ja erst seit knapp einem Jahr tätig und hat in der vergangenen Rückrunde selbst erlebt, dass es nicht leicht ist in dieser Liga.

Gemeinsam in die Türkei

Sein Kapitän aber kennt den Verein seit langem, er hat die verpassten Aufstiege in der Kreisliga erlebt und kann die Frage deshalb auch beantworten. Einerseits, sagt er, spielt der Kern der Mannschaft nun schon seit einiger Zeit zusammen und entwickelt sich permanent fort, andererseits haben sie im Sommer auch ganz gezielt nach neuen Spielern Ausschau gehalten, die ihnen weiterhelfen, die ein funktionierendes Kollektiv mit ihren Fähigkeiten gut ergänzen. Der Trainer hat dann noch eine andere Erklärung für den Höhenflug. „Die Jungs haben früher defensiver gespielt, das ist auch normal, wenn man neu ist in der Liga“. sagt er. „Ich will aber offensiver spielen.“ Mit schönem Fußball steht Kalchreuth nun, findet Oliveira, vollkommen verdient auf Rang drei der Tabelle und darf weiter an einem schönen Saisonende arbeiten. Im Winter erfüllt sich aber erst einmal Traum von den internationalen Spielen. Den Feinschliff für die Rückrunde holen sie sich schließlich, wie schon in den Vorjahren, im Trainingslager in der Türkei.

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