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Cagrispor: Video-Schulung für die Straßenkicker

Bezirksliga Nord

Nach 15 Siegen in Serie verliert der SV Schwaig mal wieder ein Fußballspiel. Bei Cagrispor unterliegt die Mannschaft von Trainer Helmut Rahner verdient mit 0:2.

Mitten im Geschehen: Okcan Tekdemir, Cagrispors Trainer und Angreifer.

 / © Stefan Hippel

Ein Glücksfall für Groundhopper ist dieses Spiel zwischen Cagrispor und dem SV Schwaig. Das sagen zumindest die drei Groundhopper, die sich während der Halbzeitpause auf der Laufbahn, die dem Sportplatz an der Deutschherrnwiese einen Rahmen gibt, erst erkennen und dann unterhalten. Groundhopper wollen so viele Fußballspiele wie möglich sehen, da ist es natürlich nett, dass dieses Bezirksligaspiel schon um 11.30 Uhr angepfiffen wird. Können die zwei, die aus Schweinfurt gekommen sind, am Nachmittag noch weiter nach Weisendorf und der aus Schwäbisch Gmünd seinen Heimweg aus Tschechien noch über die Anlage der Bayern Kickers fortsetzen.

Ein interessanter Termin ist dieses Spiel zwischen Cagrispor und Schwaig aber auch für alle anderen Zuschauer. Es spielt da schließlich eine Sensationsmannschaft bei einer, die an diesem Tag eine werden will vor. 15 Spiele in Folge haben die Schwaiger des Trainers Helmut Rahne gewonnen und diese Serie wollen sie natürlich in die Winterpause retten. Der Trainer hat da zwar vor der Partie seine Zweifel, weil offenbar über die vielen Erfolge der ein oder andere seiner Spieler etwas nachlässig geworden ist, aber einmal dürfte das schon noch klappen. Zumal sie mit Cagrispor sowieso noch eine Rechnung offen haben, weil die ihnen die bislang letzte Niederlage beigebracht hatten.

Es klappt dann nicht. Cagri beweist auch im dritten Spiel nach der Trennung von Turgay Karali Wettkampfhärte und verdient sich den 2:0 (0:0)-Erfolg gegen den Immernoch- Spitzenreiter. Aber ist das tatsächlich eine Sensation? Eher nicht. „Es war klar, dass wir mal fällig sind“, sagt Rahner, der trotzdem ein bisschen wütend ist, weil er glaubt, dass ihnen im ersten Durchgang ein „klarer Handelfmeter“ versagt wurde. Weil sie auch Pech haben, als ein Ball am Pfosten landet, ist Rahner aber nicht wirklich böse auf sein Team, dass sich in dieser Partie zwar „reingefetzt hat“, aber in der Offensive doch einmal zu häufig glücklos wirkt.

Anders die Gastgeber, die sich ebenfalls in diese Partie reinfetzen, weshalb wirkliche Torraumszenen auf beiden Seiten eher Mangelware sind. Als dann Celal Ünal den Torraum nach einer Stunde Torraum sein lässt und aus der Distanz schießt, liegt der Ball plötzlich im Tor, noch abgefälscht von einem Schwaiger Abwehrbein. Danach verteidigt Cagri seriös und belohnt sich in der 90. Minute noch mit einem Kontertor. „Was wir gerissen haben, ist trotzdem geil“, sagt Rahner über die lange Siegesserie, die nun ihr Ende gefunden hat.

Okcan Tekdemir, Cagris offiziell beförderter stürmender Spielertrainer, sieht das ähnlich. Er findet allerdings seine Mannschaft auch ganz okay — seine Arbeit übrigens auch. „Wir haben gut trainiert, viel taktisch geändert, ein bisschen Ballwitz reingebracht, einfach eine andere Philosophie“, sagt Tekdemir über die Zeit nach der Trennung von Turgay Karali. Allerdings hat ihnen nicht nur das Training geholfen, aus drei Spielen sieben Punkte zu holen — auch die Zeit hat das ihrige dazu beigetragen.

Im Sommer hatten sie ja einen personellen Umbruch massiver Art zu moderieren, haben praktisch das komplette Team ausgetauscht und das dauert dann eben, bis die Neuen sich nicht mehr fremd sind. „Wir sind jetzt zu einer Mannschaft geworden“, sagt Tekdemir. Zu einer Mannschaft, die mit einem durchwachsenen Start mal wieder alle Möglichkeiten verspielt hat, die Liga im Sommer vielleicht nach oben zu verlassen. Seit Jahren schon steht Cagri immer mal wieder im Verdacht, unter seinen Möglichkeiten zu bleiben.

Videos am Montag

„Ach“, sagt Tekdemir darauf angesprochen, „wir sind eine sehr gute Bezirksliga-Mannschaft, aber wir werden auch nächstes Jahr nicht um den Aufstieg spielen.“ Er will etwas aufbauen bei Cagrispor, will das schöne Spiel pflegen, das man in Ansätzen schon gegen Schwaig gesehen hat.

„Wir haben sehr viele Straßenkicker“, sagt Tekdemir. Diese Straßenkicker genießen nach dem Schlusspfiff ihre Glücksgefühle. Heute werden sie das dann noch einmal machen können. Tekdemir hat für Montag immer eine Video-Taktik-Analyse eingeführt. Die hilft dann auch dem mitspielenden Trainer, der auch nicht immer alles mitbekommt in seinem neuen Job. „Wenn du mitten im Geschehen bist, tust du dich viel schwerer, danach in der Kabine sofort eine Taktik-Analyse zu machen“, sagt Tekdemir. Bislang sind sie trotzdem erfolgreich, die Straßenkicker.

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