Das Amateurfußballportal für Mittelfranken
Partner im
Amateurfußballnetzwerk
Partner im Amateurfußballnetzwerk

HKM-Eklat zwischen Weißenburg und Roth: „Uh-uh-uh“ oder „Uhl-Uhl-Uhl“?

Spielabbruch nach angeblich rassistischer Beleidigung

Das komplizierte Verhältnis zwischen dem TSV 1860 Weißenburg und der TSG 08 Roth hat bei der Endrunde der Hallenkreismeisterschaft Neumarkt/Jura als neue Facette einen Streit um einen Konsonanten bekommen. Die Rother haben das Gruppenspiel gegen Weißenburg abgebrochen, weil TSG-Spieler Kevin Walthier vermeintlich rassistisch beleidigt wurde, Wasser ins Publikum spritzte und dafür die Rote Karte sah.

Die Emotionen kochten in der hitzigen Partie schon vor dem Abbruch teils über. Hier wurde Kevin Walthier vom Schiri nach einem Foul verwarnt.

 / © Giurdanella

Die Stimmung war ohnehin schon am Kochen. Weißenburg musste im letzten Gruppenspiel mit zwei Toren Vorsprung gewinnen, um den Rothern den Platz im Halbfinale wegzunehmen, führte auch schon 2:0 und verwandelte vom Punkt sogar zum 3:0. Als die TSG-Spieler zur Bank gingen, meinten sie aus dem Weißenburger Fan-Block Affenlaute zu hören: Uh-uh-uh! Eine rassistische Schmähung, die Kevin Walthier und andere dunkelhäutige Fußballer immer wieder verfolgt.

Dass sich die Laute als Schmähungen gegen den Spieler gerichtet hätten, stimme nicht, hieß es aus dem Weißenburger Lager. Die Fans hätten - in einer altbekannten Art und Weise, wie ein Sportredakteur des Weißenburger Tagblatts bestätigt, der die 1860er häufig auf dem Platz verfolgt - nur ihren Torwart angefeuert. Der heißt Johannes Uhl und hat damit ein „L“ mehr im Nachnamen. In dieser Version wurde das dann auch mit einer vorsorglichen Entschuldigung des TSV 1860 durchgesagt: Man sei zu der Einsicht gekommen, dass es sich um einen Hörfehler gehandelt habe. 

Ähnlich sah es auch TSV-Coach Markus Vierke: "Diese Uhl-Rufe, wie es auch die Turnierleitung geschildert hat, wurden fehlinterpretiert. Sehr schade, dass es so enden musste. Es war ein Missverständnis." Vierke selbst war emotional in die Auseinandersetzung verwickelt, wie er gegenüber nordbayern Amateure bestätigte. "Meine Kinder waren in dem Block." Auch deshalb fand er die Aktion von Walthier, der mit Wasser spritzte, überzogen - wie auch den von den Rothern forcierten Spielabbruch. "Die Art und Weise wie sie die Halle verlassen haben, war nicht in Ordnung. Es gab ja anscheinend schon letzte Woche Probleme mit der TSG, und auch bei unserem Claus-Wagner-Cup sind sie zum Neunmeterschießen einfach nicht mehr angetreten." Generell sagt Vierke aber: "Der Ton auf dem Fußballplatz wird schon immer rauer. Da musste ich mir auch schon das ein oder andere anhören."

Von einer Ausräumung eines Missverständnisses, wie es vom Hallensprecher kurz nach dem Zwischenfall verkündet wurde, kann in der Nachbetrachtung allerdings nicht die Rede sein. TSG-Trainer Taner Koc, der bei dem Turnier das Tor gehütet hatte, bestätigte gegenüber der Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung, dass die Rother bei ihrer Sicht der Dinge geblieben sind und auch bleiben werden: „Da war nicht nur das ,Uh-uh-uh‘, sondern auch die ganze Gestik. Die Weißenburger Fans haben sich unter den Achseln gekrault.“ Obwohl eigentlich Fan des Hallenfußballs, will Koc künftig von solchen Turnieren Abstand nehmen, auch weil seiner Meinung nach die Schiedsrichter überfordert waren. Fragwürdig blieb bei der ganzen Szenerie, welchen Anlass der TSV-Block in dieser Situation gehabt haben könnte, den eigenen Torwart hochleben zu lassen. Uhl hatte zuvor in dieser Partie zwar stark gehalten, beim Strafstoß stand aber nicht er, sondern sein Gegenüber Taner Koc im Blickpunkt. Koc jedenfalls versprach eine sportliche Antwort auf dem Rasen: „Wir werden das Rückspiel gewinnen und am Ende der Saison vor den Weißenburgern stehen.“ Momentan liegt der TSV noch einen Punkt vorn.

"Die Emotionen kochten schon über"

Auch Spielleiter Markus Hutflesz beschäftigt die Vorkommnisse natürlich, er selbst sei zwar in der Halle gewesen, gehörte aber zu den Menschen, die "von diesem Turnier wohl am wenigsten mitbekommen" hätten. Er sei, als es zum Eklat kam, zum Schlichten aufs Feld gelaufen: "Die Emotionen kochten schon über in diesem Moment, alle haben diskutiert, zu Handgreiflichkeiten kam es aber nicht." Er habe sich aber anschließend mit neutralen Beobachtern in der Halle ausgetauscht, die die Laute nicht als rassistische Schmähung interpretiert hätten: "Aber wenn die Rother es so aufgefasst haben, verstehe ich natürlich, dass sie verärgert reagieren. Soetwas gehört nicht auf den Fußballplatz." Ob es nun aber eine harmlose Anfeuerung war oder eine rassistische Schmähung, oder aber eine harmlose Anfeuerung, die zu einer rassistischen Schmähung wurde: "Wir werden da wohl nicht hinter die Wahrheit kommen."

Kontakt mit Rother Funktionären gab es im Nachhinein bereits, ein Gespräch steht aber noch aus. "Ich nehme mir natürlich die Zeit. Am besten ist, wir setzen uns an einem Tisch zusammen und reden drüber." Zudem wird sich wohl auch das Sportgericht mit dem Fall befassen, die Rother hätten sich dort bereits gemeldet.

In einer ursprünglichen Version fehlte ein Teil der Aussagen von TSG-Trainer Taner Koc. Wir haben den Artikel am Dienstag, den 15.01. um 09.45 Uhr aktualisiert.

Mehr zum Thema