Das Amateurfußballportal für Mittelfranken
Partner im
Amateurfußballnetzwerk
Partner im Amateurfußballnetzwerk

Mintal-Nachfolger Schwarzfischer: Ein Taktikfan mit italienischem Vorbild

U17 Bundesliga Süd/Südwest

Der Trainerwechsel bei den Profis des 1. FC Nürnberg hat Auswirkungen bis ins Nachwuchsleistungszentrum: Da Marek Mintal, bisher Chef-Coach der U17, als Co-Trainer zu den Profis aufrückt, übernimmt sein bisheriger Assistent das Kommando bei den B-Junioren. Sebastian Schwarzfischer ist 29, kam im Sommer von der U19 des ASV Neumarkt und hat „richtig Bock auf die Aufgabe als Cheftrainer“.

Sebastian Schwarzfischer (2.v.r.) kennt sich bestens im Jugendfußball aus. Vor seinem Engagement beim 1. FC Nürnberg trainierte er jahrelang den Nachwuchs des ASV Neumarkt.

 / © Etzold (Archiv)

Schlagzeilen hat Sebastian Schwarzfischer bisher erst einmal gemacht. Sein Wechsel von Neumarkt nach Nürnberg brachte den ASV dazu, den Kooperationsvertrag mit dem Club aufzulösen. Schwarzfischer war vier Tage vor Beginn der Vorbereitung an den Valznerweiher gewechselt. Der Club hatte dabei Neumarkt vor vollendete Tatsachen gestellt. „Ich fand die Aufregung damals übertrieben“, sagt der Trainer heute und fügt hinzu: „Ich hatte keinen Vertrag in Neumarkt und dort wusste jeder, dass es mein Ziel war, einmal im NLZ eines Bundesligisten zu arbeiten.“ Dafür, dass er dieses Ziel so schnell erreicht hat, macht Schwarzfischer nicht zuletzt Marek Mintal verantwortlich: „Wir hatten ein langes Gespräch und haben festgestellt, dass wir in vielen Sachen einer Meinung sind und eine ähnliche Vorstellung von Fußball haben. Anfangs hatte ich noch gehörig Respekt vor ihm, weil ich ihn ja nur als Spieler kannte, aber durch seine Art hat sich das ganz schnell relativiert. Wir hatten sofort ein sehr, sehr gutes Verhältnis. Ich denke auch deshalb hat sich Marek für mich als Co-Trainer entschieden.“ In dieser Funktion durfte Schwarzfischer in den letzten Monaten schon öfter das Training leiten, immer dann, wenn Mintal in der Slowakei weilte, um seine Ausbildung zum Fußballlehrer voranzutreiben.

Lesestoff für die Spieler

So weit ist Schwarzfischer, dessen Spielerkarriere durch einen Kreuzbandriss früh beendet wurde, selbst noch nicht in der Trainerausbildung. Derzeit hat er die Elite Jugendlizenz des DFB, darf also nur mit Sondergenehmigung das Cheftraineramt ausüben. Nächstes Ziel ist daher auch die A-Lizenz. Auch ohne Trainerlehrgänge bildet sich Schwarzfischer immer weiter, liest viel auf Seiten wie spielverlagerung.de und konzeptfussballberlin.de, folgt Taktikexperten auf Twitter. Als Cheftrainer der U19 in Neumarkt nutzte er die Internetseiten auch, um seinen Spielern Lesestoff zu geben und sie taktisch zu schulen: „Man darf die Taktik nicht überbewerten, es stehen immer noch Menschen auf dem Platz, sie ist dennoch ein kleines aber wichtiges Rädchen im Spiel.“ Daher will er in seiner Zeit als U17-Cheftrainer auch noch mehr Augenmerk auf die Taktik legen, dabei eines aber nicht vernachlässigen: „Marek Mintals wichtigstes Prinzip war immer, dass das Training Spaß machen muss. Das will ich beibehalten.“ Spaß macht Schwarzfischer beim Zuschauen vor allem Fußball, wie ihn Maurizio Sarri in Neapel spielen ließ. Letzte Saison fuhr er deshalb eigens nach Leipzig, um die Napolitaner in der Europa League spielen zu sehen und sich am „Sarriball“ zu erfreuen.

Einzelne Elemente dieses Fußballs will der Hobby-Triathlet deshalb auch seinen Spielern beibringen, schließlich ist er der Auffassung: „Die wichtigste Eigenschaft als Trainer ist, dass man den Spielern vermitteln kann, was man will. Das geht in der Regel nicht über lange Monologe, sondern indem man die Jungs ausprobieren lässt.“ Dabei legt er viel Wert auf mündige Spieler, freute sich in Neumarkt auch über Feedback zu Übungen und nahm auch schon mal Trainingsformen aus dem Programm, die nicht ankamen.

Auch in Nürnberg durfte er das Training teilweise planen, das ist also nicht neu, seit er Cheftrainer ist. Anders als der Organisationsaufwand. Sitzungen mit den anderen Cheftrainern der Leistungsmannschaften, Besprechungen mit NLZ-Chef Peter Laudenklos oder Meetings mit dem Trainer der U16 musste Schwarzfischer vorher nicht oder kaum wahrnehmen, jetzt gehört es zu seinen Aufgaben. Das alles gilt es neben seinem Job als Ingenieur zu erledigen, doch er beklagt sich nicht: „Der Trainerjob ist Leidenschaft, aber der Beruf gibt mir Rückhalt, ich habe etwas, das mich auffängt.“ Erst einmal muss Schwarzfischer auf nichts zurückfallen, seine Stelle im NLZ des FCN hat er sicher, selbst wenn der Start als Cheftrainer nicht so verlief, wie er sich das gewünscht hatte; seine Mannschaft verlor im ersten Spiel unter seiner Leitung beim SV Wehen-Wiesbaden mit 2:1: „Wir haben unser Potenzial nicht abgerufen, zu viele leichte Fehler gemacht und deshalb verdient verloren.“ Das soll in den kommenden Wochen anders werden, auch wenn sich der neue Chef der U17 kein Punkteziel gesetzt hat und spricht damit schon wie ein erfahrener Jugendtrainer, obwohl er erst seit drei Jahren im Geschäft ist: „Natürlich will ich jedes Spiel gewinnen, aber vor allem geht es darum die Spieler weiterzubringen, sie zu entwickeln.“ Am Samstag um 12 Uhr gegen Unterhaching ist die nächste Gelegenheit für beides.

Mehr zum Thema