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Oliver Ell: "Ich habe schon damals gesagt, dass ich zurückkehren werde"

Nach dem 6:0 gegen Sonnefeld

Für die Kreisklasse war Oliver Ell eigentlich immer zu gut. Nach drei Jahren in Boxdorf spielt der talentierte Angreifer jetzt wieder für den TSV Buch in der Landesliga – und zeigt beim 6:0 gegen Schlusslicht Sonnefeld gleich, wie viel Lust er darauf hat.

Als wäre er nie weg gewesen: Oliver Ell (Mitte) feiert mit seinen neuen alten Kollegen den Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0. 

 / © Zink/WoZi

Natürlich hatte die Geschichte des Tages ein Happy End. Oliver Ell nahm den Ball an, ließ einen Gegner aussteigen, dann einen zweiten, es schien, als würde nichts und niemand den 26 Jahre alten Angreifer des TSV Buch aufhalten können. Einen weiteren Richtungswechsel später hatte er freie Schussbahn, zog mit dem linken Fuß ab, ein paar Sekunden danach überschlug sich die Stimme des Stadionsprechers. „Der Wahnsinn hat einen Namen“, schallte es aus den Boxen – als wahnsinnig würde sich Oliver Ell zwar nicht beschreiben, aber er wusste natürlich auch, dass es nicht irgendein Tor war, dieses 2:0.

Nach 19 Minuten war Ell endgültig in der Landesliga angekommen, der Liga, in der ihn viele Menschen eigentlich sein ganzes Fußballerleben lang schon sehen – auf die Oliver Ell aber nicht immer so viel Lust hatte. Fleißpunkte hat er sich in seiner Karriere jedenfalls eher selten verdient, am fußballerischen Können aber wagte niemand zu zweifeln. Wenn man Oliver Ell auf die Faulheit anspricht, die ihm mancher Beobachter nachsagt, muss er lachen. „Da kann ich nichts dagegen sagen“, antwortet er dann, „es kommt bei mir oft darauf an, wie es läuft“, jetzt aber, da er sich wieder das Trikot des TSV Buch überstreift, da ist er „sehr motiviert“.

Bis 2015 hat er das jede Woche getan, dann aber fühlte er sich nicht mehr so wohl in Buch. Boxdorfs Spielertrainer Alexander Eberlein bemühte sich um Ell und lotste ihn schließlich zum ASC in die Kreisklasse. Das passte Oliver Ell ganz gut, er wurde Vater und wollte es deshalb eh „etwas ruhiger angehen lassen“. Mit Boxdorf stieg er in die Kreisliga auf, dort traf er im vergangenen Jahr 17-mal, doch am Ende stiegen sie nach einem Relegations- Marathon direkt wieder ab.

Schon da reiften Gedanken an eine Rückkehr nach Buch, er wollte aber nicht als Absteiger gehen und verbrachte die Hinrunde noch beim ASC. In der Winterpause aber entschied er sich für einen Schlussstrich unter das Kapitel Boxdorf. Ein paar Kilometer entfernt in Buch kickten inzwischen schließlich beinahe alle fußballinteressierten Verwandten, „ich habe schon damals, als ich gegangen bin, gesagt, dass ich wieder nach Buch zurückkehren werde, wenn die alle in der ersten Mannschaft spielen“.

Mit Bruder und den Cousins

Georg, der eine Cousin, verteidigte beim 6:0 gegen Sonnefeld in der Dreierkette, während Adrian, der andere, im Urlaub weilte, Bruder Christoph sah derweil 90 Minuten von der Bank aus zu, wie sich Oliver Ell langsam wieder an den Fußball drei Ligen weiter oben gewöhnte. „Ich werde bald 27“, sagte er hinterher, „wenn ich es jetzt nicht mache, brauch ich’s nicht mehr machen“, sagte Ell. Das abgeschlagene Schlusslicht war für die Integration jedenfalls ein dankbarer Gegner, in manchem Zweikampf dürfte sich Oliver Ell an seine Zeit in der Kreisklasse zurückerinnert haben.

Dass er dieser Liga, in der Fußball oft mehr gearbeitet als gespielt wird, entflohen ist, darüber ist er sehr froh. Die Lust, gegen manchen Verein zu spielen, hielt sich inzwischen in Grenzen, „drei Jahre haben gereicht“, sagt Oliver Ell. Die Gegner heißen jetzt nicht mehr Megas Alexandros oder ASN Pfeil, sondern Feucht, Bamberg oder Quelle Fürth. Und in all diesen Spielen gegen die hochklassige Konkurrenz wird Oliver Ell dem TSV Buch eine große Stütze sein – davon ist Manuel Bergmüller, sein neuer Trainer, überzeugt.

„Ich oute mich als Oliver-Ell-Fan“, sagt Bergmüller, als sein Liebling ein paar Minuten von sich erzählt hat. „Er bringt eine Dynamik rein, die wir so noch nicht hatten.“ Aus alten Kreisliga- Zeiten in Fischbach ist ihm sein Neuzugang wohlbekannt, „er tut uns auch als Typ gut und bringt eine gewisse Aggressivität ins Training, die uns zuletzt gefehlt hat“.

Denn dort, auf dem Trainingsplatz, ist Oliver Ell derzeit sehr fleißig. Die Wintervorbereitung fand er „nicht so schlimm, weil wir selbstständig daheim laufen durften und auf dem Platz dann fast nur Fußball gespielt haben“ – das erhöhte Pensum tut ihm auch körperlich gut. In Boxdorf hat er einst 94 Kilo gewogen, inzwischen hat er acht Kilo abgenommen, weil er „Angst hatte, sonst nicht so viel zu spielen“. Für ein zweites Happy End sollen noch zwei weitere Kilo runter.

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