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Kalchreuths Tom Weickmann: Perfekter Einstand mit kleinem Makel

Nach dem 3:3 gegen den TV 48 Erlangen

Der abstiegsbedrohte TV 48 Erlangen hat in der Bezirksliga gegen den 1. FC Kalchreuth einen Punkt geholt. Für beide Teams zu wenig. Dank des späten Ausgleichs brachen die Almkicker dennoch in Jubel aus. Auch dabei: Tom Weickmann. Der neue Angreifer aus der Kreisklasse.

Kalchreuth (in rot) kam schwer in die Partie, am Ende aber stand ein Zähler gegen den TV 48.

 / © Hippel

Stürmisch war es den ganzen Samstagnachmittag auf dem Sportplatz am Kosbacher Weg. Auch die Stimmung war geladen. Die Hausherren führten mit 3:2. Ein nicht geahndetes Handspiel sorgte für ein kurzes Gerangel, durch die Erlanger Coachingzone flog eine Wasserflasche. Der Turnverein hatte die Chance auf das 4:2, das wäre es dann wohl gewesen. Stattdessen gab es weit mehr als fünf Minuten Nachspielzeit, Eckball für den FCK, Durcheinander im Strafraum, plötzlich lag die Kugel im Tor, und alle Kalchreuther stürmten jubelnd umher.

An der Seitenlinie konnte es der bereits ausgewechselte Erlanger Spielertrainer Hannes Decher nicht glauben. „Was mich fast noch mehr ärgert als die Nachspielzeit, die ich überhaupt nicht verstehe, ist das nicht gegebene Handspiel“ — in einer Kontersituation, in der die Hausherren zu zweit Richtung Tor liefen. Es hätte das 4:2 sein können, stattdessen stand es wenig später 3:3.

Mittendrin: Tom Weickmann. Und für Tom Weickmann war das alleine schon die gute, die überraschend gute Nachricht. Der 20-Jährige war erst in der Winterpause zum 1. FC Kalchreuth gekommen, davor spielte er mit dem ASV Herpersdorf in der Kreisklasse. „Das ist eine enorme Umstellung“, sagt er. Plötzlich spielte der Angreifer in der Bezirksliga, sogar direkt von Beginn an. „Damit habe ich nicht gerechnet.“ Gefreut aber hat es Weickmann schon. Und hart gearbeitet hat er dafür auch.

17 Tore hat der Stürmer in der Hinserie geschossen. Doch nicht erst dadurch hatte er die Kalchreuther neugierig gemacht. „Wir hatten im Sommer schon Kontakt“, sagt Weickmann. „In der Winterpause habe ich es gewagt.“ Seit seiner Kindheit spielte er für die Jugendfördergemeinschaft Laufer Land, die Spielgemeinschaft seiner Heimat. „Dort waren meine ganzen Kumpels. Wir sind zusammen in die Schule gegangen.“ Die „Truppe“ zu verlassen, hatte sich Weickmann nicht vorstellen können.

Nach und nach wechselten die Jungendfußballer in den Herrenbereich, die Schulzeit war vorbei. Tom Weickmann begann eine Ausbildung, jetzt arbeitet er und besucht die Abendschule. In Herpersdorf war es schon nicht mehr das Gleiche. „Ich wollte mal etwas anderes probieren, habe gemerkt, dass ich mehr will. Deshalb habe ich mich für Kalchreuth entschieden.“ Auch wenn er nur 15 Minuten auf die Alm fährt, war es der erste Schritt in die große Fußball-Welt.

„Ich kannte vorher niemanden aus der Mannschaft“, sagt Weickmann. „Doch sie haben mich gut aufgenommen.“ In der Winterpause ging es für eine Woche ins Trainingslager nach Belek, das half bei der Integration. „Die Vorbereitung in der Bezirksliga ist ganz anders“, sagt Weickmann. „Wir haben intensivere Einheiten. Ich habe enorm viel dazu gelernt, war zuvor körperlich nicht so fit, dass ich von Anfang an hätte mitspielen können.“ Jetzt, durch das viele Training, ist das anders. Gleich in seinem ersten Einsatz spielte Weickmann durch.

„Wir hatten einige Verletzte“, sagte Joao Oliveira, der Trainer der Kalchreuther. „Er hat ordentlich trainiert und nun auch das Tor gemacht, stand an der richtigen Stelle.“ Ob es immer für die Startelf reichen wird, müsse man sehen. „Doch der Junge macht eine gute Arbeit.“ Das erkennen auch die Teamkollegen an. Ein eigenes Tor ist hilfreich, „ich habe auch in den Vorbereitungsspielen getroffen“, sagt Weickmann. „Das gibt dir ein anderes Gefühl, dass du Teil der Mannschaft bist. Es kommen auch alle her und freuen sich mit einem.“

In Erlangen sah das zu Beginn noch anders aus. „In der ersten Halbzeit war es miserabel“, sagt Weickmann. „Die Mannschaft hat nicht das umgesetzt, was wir in der Vorbereitung besprochen haben. In der zweiten Halbzeit wurde es besser.“ Die erste Halbzeit „war eine Katastrophe“, meint auch Joao Oliveira. Mit 0:1 ging es in die Pause. Und das nicht etwa gegen ein Top Team der Liga, sondern gegen den Turnverein 1848 Erlangen, der weiter um den Klassenverbleib ringt. „Die zweite Halbzeit war okay“, sagt Oliveira, Tom Weickmann sorgte für den 1:1-Ausgleich (52.). „Dann bekommst du zwei Scheiß-Tore“, moniert der Trainer, Florian Söllmann traf für die Hausherren jeweils nach einer Ecke doppelt (54., 60.), „und musst wieder einem Rückstand hinterher rennen“.

Mit dem Remis ist der FCK-Coach daher zufrieden. „Die Moral der Mannschaft verdient ein Riesenkompliment.“ Ein Punkt bei einem Abstiegskandidaten aber ist für die ambitionierten Kalchreuther viel zu wenig. „Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, dass wir unentschieden spielen, wäre ich nicht zufrieden gewesen“, meint Oliveira. Nach diesem Spiel, dem direkten Anschlusstreffer durch Tobias Gressel (63.) und dem glücklichen Ausgleich in der Nachspielzeit durch Leon Siefert (90.+5), erscheint das Ergebnis dennoch versöhnlich. Zumindest für den FCK.

Aus Sicht des Turnvereins ist es nach der gezeigten Leistung zu wenig. „Es war ein gutes Spiel“, sagt Hannes Decher. „Aber wir müssen es gewinnen.“ Knackpunkt: das Handspiel, die Nachspielzeit. „Sonst“, sagt der 27-Jährige, „hat der Schiedsrichter super gepfiffen“. Drei Punkte wären ein Segen im Abstiegskampf gewesen, so blieb es bei einem. „Wenn wir so weiter spielen, steigen wir nicht ab“, ist sich Decher sicher. „Ich hoffe, dass wir die Wut nach dieser Schlussphase in die richtigen Bahnen lenken.“ Auch die Gäste wollen etwas mitnehmen aus der Partie: das Wissen, alles noch umbiegen zu können. „Der Zusammenhalt ist groß in der Mannschaft“, sagt Weickmann. „Du gibst nicht auf, versuchst immer, den nächsten Schritt zu machen. Das ist einfach positiv.“ Damit er beim FCK dabei sein kann, nimmt Weickmann viel auf sich. Mit Training, Arbeit und Abendschule bleibt kaum Freizeit. „Doch ich ziehe das jetzt einfach durch.“ Eine wirklich gute Nachricht für den 1. FC Kalchreuth.

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