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Mini-Fußball: Heftiger Gegenwind für Funino-Pläne des BFV

Reaktionen zur Bekanntgabe des Verbands, Mini-Fußball bayernweit einzuführen

Es war nur eine Mail. Doch die Ende März verschickten Zeilen von Verbands-Jugendleiter Florian Weißmann lösten heftige Reaktionen aus. Der Bayerische Fußballverband (BFV) hat entschieden, in G-, F- und E-Jugend auf Funino, statt auf den klassischen Kleinfeld-Fußball zu setzen. An der Basis regt sich Widerstand.

Funino in Heroldsbach: Die Nachwuchsfußballer können mehr als nur ein gegnerisches Tor ansteuern.

 / © Roland Huber

"Nachdem wir in den letzten Monaten erfolgreich in ganz Bayern Pilotprojekte im Mini-Fußball („FUNino“ bzw. je nach Spieleranzahl auch „Fußball3“ und „Fußball5“ genannt) abgeschlossen haben, werden wir diese kindgerechte Spielform offiziell in der Saison 2019/20 bayernweit starten", schrieb Verbands-Jugendleiter Florian Weißmann Ende März seinen bayerischen Vereinen. Drei gegen drei (bzw. fünf gegen fünf) ohne festen Torhüter auf Minitore, statt wie bisher sieben gegen sieben auf Kleinfeld, diese Spielform hat der BFV für unter Elfjährige in seinen ab 1. Juli gültigen Richtlinien festgeschrieben. Der kicker machte die Neuerung in einem Artikel, der auch auf unserem Portal veröffentlicht wurde, öffentlich. Die Reaktionen darauf fielen teilweise heftig aus. Auch auf Facebook wurde kontrovers diskutiert.

"Realsatire oder einfach zynisch?"

Martin Rauh, Fußball-Abteilungsleiter des SC Eckenhaid, hält nichts von der Neuerung: "Man kann den Sport auch mit Gewalt kaputt machen. Ich frage mich ob die Personen die sowas entscheiden, selbst in einem Verein tätig sind. Der Verlust an Spielern zwischen G- und A-Jugend wird so nicht aufgehalten. Es sind die vielen anderen Verpflichtungen (Schule, etc.) und auch andere attraktiv werdende Sportarten (Football), die für den Schwund sorgen. Und natürlich auch die Einstellung der Kicker selbst. Torhüter phasenweise abzuschaffen, werden wir sehr bald bitter bereuen", schreibt der 36-Jährige unter dem nordbayern Amateure-Artikel auf Facebook.

Auch Uwe Neunsinger, langjähriger Trainer auf Verbandsebene und derzeitiger Coach des TSV Burgfarrnbach, übt Kritik. Er erwarte durch die Funino-Einführung "keinen einzigen zusätzlichen Jugendlichen in den Vereinen." Und auch dass dadurch die hohe Fluktuation unter Fußball spielenden Jugendlichen eingedämmt werden könne, bezweifelt Neunsinger: "Ob die Spieler dann in späteren Jahren zu einer höheren Zahl dem Fußball treu bleiben, halte ich zumindest für fraglich." Auch für den an die Vereine gerichteten Vorschlag von Verbandsjugendleiter Florian Weißmann, die mit der Anschaffung von Minitoren verbundenen Kosten über erhöhte Mitgliedsbeiträge abzufangen, hat er kein Verständnis. "Realsatire oder einfach zynisch?", fragt der 48-Jährige auf Facebook. Sollte sich das als freiwillige weitere Spielform angekündigte Funino nicht durchsetzen, erwartet Neunisnger Zwang von Verbandsseite: "Die Vereine werden mit den Meldungen abstimmen. Und 3:3 wird die Ausnahme bleiben. Und dann wird die Schere angesetzt und das 7:7 wegrationalisiert. So war's beim Hallenfußball und so wird’s auch hier kommen."

Fabian Frühwirth, Kommunikationschef und Pressesprecher des BFV, widerspricht Neunsingers Prophezeiungen auf Nachfrage von nordbayern Amateure"Der Minifußball wurde als zusätzliche Spielform in der Jugendordnung aufgenommen. Eine Abschaffung des bisherigen Spielbetriebs ist nicht geplant. Hier kommt es jetzt auf die Entwicklung in den nächsten Jahren an. Es ist durchaus vorstellbar, dass irgendwann unter weiterer Einbeziehung unserer Vereine eine vollständige Veränderung vollzogen werden kann, sollte sich der Minifußball entsprechend etablieren. Im Moment stehen wir noch am Anfang einer Entwicklung."

Der Großteil der Kommentare auf der Facebookseite unseres Portals schlägt allerdings in die gleiche Kerbe wie Rauh und Neunsinger. Das deckt sich auch mit den Ergebnissen eines Votings auf unserem Portal. 74% von über 1450 Usern sprachen sich in einer Abstimmung auf nordbayern Amateure gegen die neue Spielform ohne Torhüter aus. 19 Prozent der Nutzer stimmten für Funino. Sieben Prozent sind unentschieden. 

"Jetzt tun sie was und jeder regt sich wieder auf"

User Rick Seifert kann die vielen negativen Kommentare zum Thema nicht nachvollziehen. "Das FUNino Prinzip bringt den Spielern unter zehn Jahren sehr viel. Jeder schreit: Fußball muss moderner werden. Jetzt tun sie was und jeder regt sich wieder auf", schreibt er. Auch Frank Preuss, langjähriger Jugendtrainer der DJK Sparta Noris, steht der neuen Spielform nicht verschlossen gegenüber, kommt aber auch nicht gänzlich ohne Kritik auf aus. "Ich lasse das im Training seit nahezu zwei Jahren immer wieder spielen, weil es beim Lernen bestimmter Fähigkeiten unterstützt. Ich sehe es so, wie einige andere hier: Als Trainingsform sehr gut, als Turnierform nett, aber für den 'Betrieb', den wir haben, nicht zielführend. Und die Aussagen (Investitionen, die sein müssen, etc.) zeigen, welche Wertschätzung kleine Vereine durch Verbandsvertreter erfahren", schreibt er.

Einer, der schon Erfahrung mit dem neuen Konzept hat, kann Funino nur noch Positives abgewinnen. Kai Taubenreuther, Jugendtrainer beim TSV Neunkirchen am Brand erklärt gegenüber den Nordbayerischen Nachrichten Forchheim: "Wir haben die Mannschaften bis zur E-Jugend konsequent aus dem regulären Rundenbetrieb genommen und mit anderen Vereinen der Gegend Spielfeste etabliert." Aufgrund fehlender Erfahrung will sich Taubenreuther zwar nicht anmaßen, über die qualitativen Unterschiede zur vorherigen Arbeit am Brandbach zu sprechen, betont aber doch die allgemeine Zufriedenheit im Verein: "Mein Eindruck ist, dass sich die Kinder nachhaltiger für den Fußball begeistern. Der Zulauf ist groß, wir haben mehr Anfänger als vor zwei Jahren." Ähnliches berichtet auch Hans Frank von der SpVgg Heroldsbach/Thurn, obwohl er der Modernisierung zunächst skeptisch gegenüber stand. Frank setzte sich gemeinsam mit dem Vereinsvorsitzenden Bernd Bergner intensiv mit dem Thema auseinander, ehe erste Turnierversuche und die Umsetzung des Modells mit den Kleinfeldmannschaften folgten. Heute sagt er: "Ich bin zu 200 Prozent überzeugt. Die Kinder haben Spaß und gehen mit roten Köpfen nach Hause. Keiner fragt nach Tabellenplatzierungen. Der Zuspruch ist enorm, fast jede Woche stehen ein oder zwei Neulinge auf der Matte."

Irritation über BFV-Angebot

Kritik erfuhr der BFV für die Art und Weise wie er über die Neuerung informierte. Neben der eigentlichen "Message" wirkte die Mail an die bayerischen Vereine beinahe wie eine Werbemail, Mini-Tore doch bei einem dem Verband nahestehenden Sportartikelhändler zu bestellen. Der Link zum Produkt wurde gleich mitgeliefert. Vorwürfen, der BFV wolle an dem Verkauf der Tore mitverdienen, tritt Fabian Frühwirth entschieden entgegen: "Nein", sagt der BFV-Sprecher auf Anfrage von nordbayern Amateure. "Es handelt sich um eine BFV-seitig angebotene Möglichkeit einer Sammelbestellung, die auch in keiner Weise verpflichtend ist. Vielmehr ist es ein Angebot zu Vorzugskonditionen für BFV-Mitgliedsvereine." Die Nutzung dieses Angebots sei freiwillig, betont der Sprecher. Bei dem in der Mail erwähnten Teamsport-Ausrüster handele es sich um einen BFV-Werbepartner, der auf Anfragfe des BFV "den bayerischen Vereinen Sonderkonditionen im Zuge einer Sammelbestellung einräumt", erklärt Frühwirth.

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