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Eltersdorfer Mini-Chance auf Relegation: "Insgeheim glaubt jeder dran"

Bayernliga Nord

Calvin Sengül ist der beste Sprinter des SC Eltersdorf. Das bekam auch die DJK Don Bosco Bamberg beim 0:2 am Samstag zu spüren.

Der Schnellste im Quecken-Team: Calvin Sengül (rechts) holt sich nach seinem Tor zum 1:0 die Glückwünsche der Mannschaftskollegen ab.

 / © Harald Sippel

Morgens vor der Arbeit geht Calvin Sengül immer mit „Zwölf“ spazieren. Ganz gemütlich natürlich. Den kleinen Knuddel-Hund der Rasse Shih Tzu hat der Fußballer vor mehr als zehn Jahren zum zwölften Geburtstag bekommen. Wenn Sengül auf dem Fußballplatz ist, läuft er hingegen oft ziemlich schnell. Kommt ein Gegenspieler nicht hinterher – und selbst in der Bayernliga ist das häufig der Fall – machen seine Teamkollegen „Meep Meep“, wie der Road Runner. Innerhalb der Mannschaft ist der Vergleich mit der Zeichentrick-Figur längst ein Running Gag.

Bis nach Bamberg hatte es sich eigentlich auch schon herumgesprochen, dass Calvin Sengül ein extrem schneller Sprinter ist. Schließlich hatte die DJK zwei Jahre selbst davon profitiert, ehe der gebürtige Bamberger zu Saisonbeginn zum SC Eltersdorf gewechselt war. „Aber der Torwart kennt mich nicht. Er weiß nicht, dass ich recht flott auf den Beinen bin“, sagt Sengül. Am Samstag im Spiel gegen seinen Ex-Verein war das ein entscheidender Faktor.

Beim 1:0 hatte Keeper Michael Edemodu die Schnelligkeit des Angreifers unterschätzt und ihm die Kugel direkt in die Füße gespielt, Sengül bedankte sich mit seinem siebten Saisontreffer. „Das erste Tor war ein Geschenk. Ich hatte Glück, dass ich noch hingekommen bin“, sagt er. Glück oder eben schnelle Beine. Der Jubel viel gegen die alten Kollegen dem Fußballer-Knigge entsprechend gemäßigt aus, „innerlich habe ich mich aber schon gefreut“. Viele aus dem Bamberger Team kennt Sengül noch aus der gemeinsam Zeit, mit Marc Eckstein spielt ein sehr guter Kumpel mit.

Eine gute Viertelstunde nach dem 1:0 trafen Stürmer und Torwart wieder aufeinander. SCE-Schlussmann Tugay Akbakla schickte Sengül mit einem weiten Abschlag, Edemodu kam weit außerhalb des Strafraums gegen den schnellen Eltersdorfer zu spät und musste mit Rot vom Platz. „Ich bin auf gut Glück durchgelaufen“, beschreibt Sengül die Szene und damit auch ganz generell eine seiner Aufgaben im Team. Immer wieder spekuliert der 23-Jährige auf gegnerische Abspielfehler, in der ersten Reihe läuft er die Abwehrspieler an, sehen die Quecken eine Chance zum Kontern, schicken sie Sengül. Das alles ist natürlich mit enorm großer Laufbereitschaft verbunden. „Man läuft oft sinnlos, ja. Doch wenn es klappt, ist es schön. Man will für die Mannschaft alles geben.“ Gegen Bamberg machte sich die Überzahl vor allem anfangs der zweiten Halbzeit bemerkbar, die Hausherren kamen zu einigen gut herausgespielten Chancen. Nach und nach jedoch verloren die Quecken die Zielstrebigkeit in ihren Aktionen. „Wir hatten Glück, dass wir dann noch das zweite Tor machen. Es war ein Arbeitssieg“, sagt Sengül. Zunächst traf Sebastian Schäferlein den Pfosten, im Anschluss vollstreckte Tobias Herzner zum 2:0-Endstand.

Insgesamt bleibt aber auch nach diesem Spiel wieder der Eindruck: Würden es die Eltersdorfer mal richtig durchziehen, könnten sie zu den Spitzenteams der Liga gehören. Platz zwei, meint Sengül, wäre drin gewesen. „Wir nutzen viele Möglichkeiten nicht. Daran müssen wir arbeiten in der nächsten Saison.“ Noch gibt es in dieser Runde eine Mini-Chance, wenn auch nur Shih-Tzu-groß. „Insgeheim glaubt aber jeder dran.“ Mit seiner Entscheidung, an die Langenaustraße zu wechseln, ist der Versicherungskaufmann-Azubi dennoch zufrieden. „Ich bin wirklich glücklich. Im Vergleich zu Bamberg ist es fußballerisch eine Klasse besser, alle haben so viel Erfahrung, man lernt immer etwas dazu. Und alle haben mich gut aufgenommen.“ Gemeinsam mit Thomas Dotterweich und Maximilian Göbhardt fährt er immer nach Erlangen. In der kommenden Saison wird die Eltersdorfer Bayernliga-Mannschaft jünger werden, auch Sengül wird mehr Verantwortung übernehmen. Könnte alles also sehr schnell gehen dann.

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