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Steinhöfer: "Mit 33 bin ich schon Fußball-Opa"

Weißenburger spricht über seine Karriere, seine Zukunft und Tipps von Giovanni Trapattoni

Man sieht Markus Steinhöfer zurzeit wieder häufiger in Weißenburg, vor allem aber sieht man ihn lachen. Nach 16 Jahren auf Europa-Tournee ist der Weißenburger, der es als Fußballprofi am weitesten gebracht hat, in seiner Heimatstadt sesshaft geworden und genießt die Zeit mit seiner Familie. Der (ehemalige?) Fußballprofi im großen Interview über die Höhe- und Tiefpunkte seiner Karriere und die Frage, wie die Chancen auf einen Trainer Markus Steinhöfer stehen.

Ausführliches Gespräch: Markus Steinhöfer (links) stellte sich den Fragen von WT-Redakteur Bastian Mühling.

 / © Uwe Mühling

Herr Steinhöfer, dürfen wir Sie schon als Ex-Fußballprofi bezeichnen?

Steinhöfer: Ja, so realistisch genug bin ich. Ich würde aber nicht "Ex" sagen, sondern lieber ehemaliger Fußballprofi. Ich bin nicht so naiv oder blauäugig zu denken: Vielleicht kommt ja nochmal wer und verpflichtet mich. Dafür bin ich zu alt und zu lange aus dem Profi-Geschäft draußen. Wenn man da ein halbes Jahr weg ist, kräht kein Hahn mehr nach einem. Aber das war mir durchaus bewusst, ich habe mich schon im Sommer 2018 mental damit auseinandergesetzt und für mich beschlossen: Okay, das war es jetzt.

Sie lassen Ihre Karriere beim VfB Eichstätt ausklingen. Werden Sie auch in der nächsten Saison dort spielen?

Steinhöfer: Dazu kann ich momentan noch nichts sagen. Es steht schlicht noch nicht fest, wie es da weitergeht.

Aktuell sieht man Sie wieder häufiger in Ihrer Heimatstadt Weißenburg. Wie sieht Ihr neues Leben aus?

Steinhöfer: Ich kann kaum in Worte fassen, wie schön es für mich ist, wieder in Weißenburg sesshaft zu sein. Ich war immer auf dem Sprung, hatte viele Stationen, aber meine Frau Alice und ich haben nie den Bezug nach Weißenburg verloren. Seit knapp einem Jahr bin ich hier sesshaft und genieße es sehr, Zeit mit meiner Familie und unserer neun Monate alten Tochter Giada zu verbringen. Bis auf vier Tage Trainingslager mit dem VfB habe ich keinen Tag in ihrer Entwicklung verpasst. Es ist für mich und uns das größte Geschenk, dass ich mir selbst dieses Sabbat-Jahr einrichten konnte.

Wieso war diese Auszeit notwendig?

Steinhöfer: Am Ende lief es fußballerisch nicht mehr so, wie ich mir das erhofft hatte und irgendwann war auch der Kopf leer. Ich bin mit 16 Jahren aus dem Haus und mit 32 zurückgekehrt. Ich war 16 Jahre unterwegs, obwohl ich immer wieder hier war, aber ich war eben nie sesshaft. Man war daheim, aber nie zu Hause. Deswegen habe ich mir das jetzt eingerichtet. Ich war noch nie glücklicher als im Moment.

Was haben Sie nach dem Sabbat-Jahr vor?

Steinhöfer: Wolfgang Feldner, der Geschäftsführer des Adventure-Campus in Treuchtlingen, hat mich angesprochen. Wir werden dort gemeinsam etwas aufbauen, das auch sehr interessant für den Amateursport ist. Unter anderem geht es um Trainingsforschung, teambildende Maßnahmen und Trainingsbedingungen. In Kürze werden wir die Vereine und Medien dazu informieren.

In der Rückschau Ihrer Profi-Karriere: Wann kam Ihnen erstmals der Gedanke, Profifußballer zu werden?

Steinhöfer: Den Traum hatte ich schon als kleiner Junge. Ich kann mich daran erinnern, dass ich in viele Freundschafts- und Poesiealben geschrieben habe: Fußballprofi oder Tierforscher, warum auch immer (lacht). Dass man es wirklich schaffen kann, wurde mir mit 16 Jahren bewusst, als ich zum FC Bayern München gewechselt bin. Da war ich nah dran am Fußballgeschäft, habe am Bayern-Gelände gewohnt. Da sieht man, was man erreichen kann und wohin man will.

Heute gelten Zwölfjährige fast schon als zu alt für die Nachwuchsleistungszentren. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Steinhöfer: Ich schaue dem Fußball im Moment leider mit Sorgenfalten von außen zu. Ich bin mit 16 zu den Bayern in die B-Jugend, damals war das völlig normal. Heutzutage spielen die mit 16, 17 Jahren in der Bundesliga oder sollten da schon spielen, weil sie sonst keine Talente mehr sind. Heute bin ich mit 33 Jahren schon Fußball-Opa. Ich finde die Entwicklung nicht gut. Zwar ist es gut, auf junge Spieler zu setzen, aber alles hat seine Zeit und es muss nicht sein, dass man mit zwölf oder 13 Jahren von zu Hause auszieht.

Nachwuchstrainer empfehlen ihren Talenten, eine zweite Sportart zu betreiben. Was haben Sie damals als Ausgleich zum Fußball gemacht?

Steinhöfer: Ich habe zwar immer wieder andere Sportarten ausprobiert, mit meinem Bruder oder mit Freunden, aber sportmäßig gab es fast nur den Fußball. Mein Hauptausgleich während der Trainingszeit war das Schlagzeug. Ich habe fünf Jahre Schlagzeug-Unterricht genommen. Das war super für die Koordination. Auch heute ist die Musik eine Leidenschaft für mich. Ich nehme wieder Gitarren-Unterricht und hoffe das ich bald meiner Tochter Lieder vorspielen kann.

Was waren für Sie rückblickend die Höhepunkte Ihrer Karriere?

Steinhöfer: Ganz klar die Champions-League-Spiele. Damals haben wir mit Basel die Gruppenphase erfolgreich bestanden. Es war immer ein Traum von mir, Champions League zu spielen. Als ich in Frankfurt war, damals ein Durchschnittsverein in der Bundesliga, war die Champions League weit weg. Mein Wechsel zu Basel sah im ersten Moment wie ein Rückschritt aus. Aber dann Meister zu werden und Champions League zu spielen – es gibt nichts Größeres für einen Fußballer. Wenn ich an die Hymne denke, zaubert mir das noch heute ein Lächeln ins Gesicht.

Und die Tiefpunkte?

Steinhöfer: Nach Spielen gesehen war es das Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Bayern. Da haben wir mit Basel eine richtige Packung bekommen (0:7, d. Red.), obwohl wir im Hinspiel gewonnen haben. Für mich persönlich war der Wechsel nach Prag ein Tiefpunkt. Dort habe ich mich nicht wohl gefühlt. Meine zehn Stationen waren unter dem Strich vielleicht ein paar zu viel, aber das kann man vorher nicht wissen und manchmal auch nicht beeinflussen.

Welcher Ihrer ehemaligen Vereine liegt Ihnen noch am meisten am Herzen?

Steinhöfer: Es sind die Vereine, bei denen man eine gute Zeit hatte. Und die verfolge ich auch noch, zum Beispiel den FC Basel oder Eintracht Frankfurt. Aber ich hege keinen Groll gegen irgendeine Mannschaft, weil am Ende habe ich die Entscheidung getroffen, dort hinzugehen. So im Großen und Ganzen: Hätte mir damals in München mit 16 jemand gesagt, so läuft deine Karriere, hätte ich das unterschrieben.

Während Ihrer Zeit in Basel haben Sie Tennisstunden bei Stefan Eggmayer vom Weißenburger Tennisclub genommen. Wie kam es dazu?

Steinhöfer: Ich habe damals meinen ehemaligen Mannschaftskollegen Daniel Riel getroffen. Er spielte beim Tennisclub Weißenburg. Irgendwann habe ich ihm erzählt, dass ich ab und zu Tennis spiele. Dann sagt er: Lass uns mal Tennis spielen gehen. Schließlich sind wir an den Platz gegangen und ich wurde gnadenlos fertig gemacht (lacht). Ich dachte, das war Tagesform und habe deswegen ein zweites Match vorgeschlagen, hatte aber wieder keine Chance. Danach war ich so sauer, dass ich mir Tennisstunden genommen habe. Es wurde zwar einen Tick besser, aber schlagen konnte ich ihn trotzdem nicht.

Was waren die interessantesten Begegnungen Ihrer Profi-Zeit?

Steinhöfer: Für mich waren Sportler, die nicht aus dem Bereich Fußball kommen, die interessanteren Begegnungen, weil ich gegen große Fußballer wie Messi oder Neymar auf dem Platz antreten durfte. Ich hatte das Glück, Roger Federer kennenzulernen, der beim FC Basel manchmal bei den Heimspielen war und ab und zu auch in der Kabine. Und mit Dirk Nowitzki durfte ich einmal in einem Benefizspiel in einer Mannschaft spielen.

Welches Trikot ist das wertvollste in Ihrer Sammlung?

Steinhöfer: Die wertvollsten Trikots sind meine eigenen von dem jeweiligen Verein. Das ist für mich ein Andenken. Aber natürlich hat zum Beispiel das Trikot von Neymar einen speziellen Wert. Ich habe zwei Umzug-Kartons voll mit Trikots, bei Gelegenheit muss ich die mal auspacken und durchschauen.

Was würden Sie einem jungen Fußballer mit auf den Weg geben, der davon träumt, einmal gegen Messi oder Neymar zu spielen?

Steinhöfer: Für mich ist der Hauptpunkt, dass man Spaß an der Sache hat. Disziplin, Hartnäckigkeit, Bescheidenheit. Es ist ein Potpourri aus vielen Komponenten. Wenn das alles zusammenkommt, hat man vielleicht das Glück, Profi zu werden. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, hat schon viele Karrieren gepusht. Mutig und frech sein. Heutzutage werden viele "gleiche" Spieler gezüchtet, da ist es bestimmt gut, wenn mal wieder ein Freigeist rumläuft.

Was war das Markanteste, das Ihnen ein Trainer jemals gesagt hat?

Steinhöfer: Das waren zwei Sätze von Giovanni Trapattoni in meinem ersten Jahr in Salzburg. Einer seiner Lieblingssätze war, typisch Catenaccio: Wenn du musst nicht gewinnen, du musst nicht verlieren. Heißt: Er wollte mindestens ein 0:0. Der zweite Satz war ein guter Tipp, auch wenn er ein bisschen anti-journalistisch ist: Tu dir selber einen Gefallen und schau nicht viel in die Zeitung. Das heißt nicht, dass dort immer etwas Negatives steht, aber wenn es super läuft und du Zeitung liest, kannst du abheben und wenn es schlecht läuft, ist es umgekehrt. Ich habe mich weitestgehend an den Rat gehalten. Natürlich fällt einem mal eine Zeitung in die Hand, aber ich war nicht nach jedem guten Spiel an der Tankstelle und habe mir zehn Zeitungen gekauft.

Können Sie sich vorstellen, einmal Trainer zu werden?

Steinhöfer: Auf jeden Fall, allerdings mit einem gewissen Abstand. Ich glaube, es tut auch mal gut, komplett ohne Fußball zu sein. Ich bin es seit 20 Jahren gewohnt, außer im Urlaub, kein freies Wochenende zu haben. Als Trainer wäre das genauso.

Welchen Fußball würde ein Trainer Markus Steinhöfer spielen lassen?

Steinhöfer: Einen sehr offensiven. Ich bin ein Verfechter von attraktivem Offensiv-Fußball und Spektakel. Der Torhüter wäre bei mir vielleicht nicht immer der Glücklichste, weil er vielleicht das ein oder andere Tor mehr kassieren würde, aber dafür würden wir versuchen, immer ein Tor mehr als der Gegner zu schießen.

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