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FSV Bruck: Ein Abstieg der Abschiede

Nach der Relegations-Pleite

In der Relegation zur Bayernliga hat der FSV Bruck auch das Rückspiel gegen Sand mit 1:5 verloren. Erfahrene Spieler wie Bastian Lunz und Oliver Seybold müssen sich mit der denkbar größten Niederlage verabschieden. Es ist ein trauriger Tag.

Überraschend kam der Abstieg für den FSV Bruck nach dem 1:5 im Hinspiel nicht, weh tat er trotzdem: Nach dem Schlusspfiff saß Adem Selmani traurig auf dem Rasen.

 / © Thomas Hahn/ Sportfoto Zink

Die Sander waren angerückt, um zu feiern. Schon vor dem Spiel merkte man das. Fünf Minuten standen sie alleine auf dem Rasen, angefeuert von den mitgereisten Fans, allen voran den Spielerfrauen in Bataillonsstärke. Die Brucker hingegen kamen erst kurz vor dem Anpfiff aus der Kabine, ganz so, als wollten sie am liebsten gar nicht raus. Vorneweg marschierte Trainer Normann Wagner. Nach dem 1:5 im Hinspiel war es ein schwerer Gang. Wer einigermaßen rechnen konnte, machte sich keine besonders großen Hoffnungen. Viele Erlanger waren so auch gar nicht erst zum Relegationsspiel an die Tennenloher Straße gekommen, 203 Zuschauer waren es insgesamt. Die Anhänger des 1. FC Sand mitgerechnet. Beim FSV Bruck ahnten viele schon, dass sie den Kampf um den Klassenverbleib bereits verloren hatten.

Das Dauer-Problem dabei: die eigenen individuellen Fehler, beim 1:5 in Sand waren es vier. „Das hat uns die ganze Saison so viele Punkte gekostet“, sagt Bastian Lunz. Während die Brucker fleißig Geschenke verteilten, leisteten sich die Gegner derartige Aufmerksamkeiten nicht. Hinzu kam die magere Chancenverwertung. Vor dem Rückspiel brachte es der Kapitän daher auf den Punkt: „Das Schwierige ist, dass wir unbedingt Tore schießen müssen. Aber noch wichtiger ist, erst einmal keines zu kriegen.“

„Emotional ist es sehr schwierig“

Zu Beginn klappte das am Samstag erstaunlich gut. Oliver Seybold hatte sogar früh die Riesenchance zum 1:0. Doch der erfahrene Stürmer schoss unbedrängt weit übers Tor. „Wenn ich den mache“, sagt er später, „läuft es vielleicht anders.“ Nach 30 Minuten hatte Sand die eigene Defensive stabilisiert, Dominik Schmitt erzielte den Führungstreffer. Der FSV aber gab nicht auf. Aus dem Strafraum-Gewimmel heraus hämmerte Lunz den Ball nach dem Seitenwechsel in die Maschen, kurz darauf hätte er per Elfmeter auf 2:1 erhöhen müssen. Sein Versuch, zu zentral angesetzt, parierte Sands Keeper Stefan Klemm. „Wir haben unsere Chancen“, sagt Coach Normann Wagner, „wieder nicht genutzt.“ Stattdessen trafen die Gäste, zunächst per Doppelschlag in der 72. und 75. Minute, dann noch in der Schlussphase. 

Schon nach dem 1:3 hatte sich Normann Wagner geschlagen auf die Bank gesetzt. Ein seltenes Bild. Es war die Kapitulation. Am Ende war Bruck erneut mit 1:5 untergegangen. Und abgestiegen. „Emotional ist der Abstieg sehr schwierig“, sagt der Vereinspräsident Reinhard Heydenreich. „Doch ein Sportleben ist ein Auf und Ab.“ Vor zwei Jahren noch hatten die Brucker über den überraschenden Aufstieg gejubelt, nun trauerten sie. „Wir sind verdient nicht in der Bayernliga geblieben“, meint Wagner. „Wir hatten seit Winter einige Endspiele, wie in Neumarkt, doch die haben wir nicht gewonnen.“ Nun müssen die Planungen für die Landesliga beginnen. „Es tut uns sehr weh“, sagt Heydenreich. „Doch wir haben schon die Weichen gestellt für den Neuanfang.“ Mit dem Trainerteam will sich der Präsident noch zusammensetzen. Wagner und sein Assistent Besnik Avdiji haben für eine weitere Saison unterschrieben. Trotzdem werden wohl alle überlegen, ob und wie sie weitermachen wollen. Viel Zeit bleibt nicht, in ein paar Wochen startet die Mannschaft schon wieder in die Vorbereitung. „Es ist eine Chance für junge Spieler“, sagt Wagner, der Ur-Brucker, als Spieler und Trainer seit vielen Jahren im Verein, noch. Ein FSV Bruck ohne ihn ist für viele unvorstellbar.

„Es dauert lange, das zu verkraften“

Für Bastian Lunz und Oliver Seybold ist beim FSV hingegen erst einmal Schluss, beide wechseln als Spielertrainer beziehungsweise als spielender Co-Trainer zur DJK Weingarts. „Mein Problem war auch, dass ich in der Rückrunde nicht mehr so helfen konnte, wie ich es mir vorgestellt habe“, sagt Lunz. Immer wieder fehlte der 34-Jährige wegen Rückenschmerzen und Verletzungen. „Das hat mich rausgeworfen. Das ärgert mich fast noch mehr, dass ich die Mannschaft nicht so unterstützen konnte, wie ich wollte.“ Der Abstieg, für Lunz ist es der erste überhaupt, trifft beide daher besonders hart. Seybold konnte nach dem Spiel kaum sprechen, fassungslos, sich so aus Bruck zu verabschieden. „Schade, nach so einer Karriere mit einem Abstieg ins Trainergeschäft einzusteigen“, sagt der 32-Jährige. „Es dauert lange, das zu verkraften.“ Auch andere Spieler verlassen den Verein, die Torhüter Nicolas Herzig, der zum ASV Neumarkt geht, und Mathias Beck, den es beruflich in die USA zieht. Für die beiden Lehrer Thomas Roas und Rafael Hinrichs, die diesmal sogar in der Startelf standen, wird der Spagat zwischen Berufsleben in München und Fußball in Bruck wohl auch beendet sein.

Irgendwann in den nächsten Tagen wird man merken, dass es vorbei ist beim FSV Bruck, meint Lunz. Wobei ganz vorbei, sagt er auch, sei es ja nicht. „Ich war ja schon lange in Bruck, bin jetzt wieder ein paar Jahre da, spiele hier auch Tennis und bin mit dem Verein sicherlich weiterhin verbunden.“ Eine Rückkehr könne man nicht ausschließen. Erst einmal aber geht es zur DJK Weingarts.

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