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Marc Weiler trifft mitten ins Fußball-Herz

Nach dem 3:1-Sieg in Erlenbach

Der Baiersdorfer SV sichert sich mit einem Treffer in der Nachspielzeit ein weiteres Jahr Landesliga, Coach Thomas Luckner übergibt mit einem Klassenerhalt an seinen Nachfolger. Doch ein Umbruch steht bevor: Den Torschützen etwa zieht es nach Adelsdorf.

Markierte den entscheidenden Treffer in Erlenbach: Marc Weiler.

 / © Zink / WoZi

Die entscheidende Szene, die haben sie auf Video. Wie der Ball in dieser 92. Minute Marc Weiler vor die Füße springt, wie er abzieht, wie Erlenbachs Torhüter, dem die Sicht leicht verdeckt war, springt, wie er sich streckt – vergeblich. Und wie er letztlich einschlägt, der Ball, zum alles entscheidenden 2:0. Wie sie alle aufspringen auf der Wechselbank, wie die Mitspieler, vorher regelrecht auf dem Zahnfleisch gehend, plötzlich einen irren Energieschub bekommen und ihn erst einfangen und dann unter sich begraben, den Marc Weiler. Und wie letztlich sogar alle, die nicht auf dem Spielberichtsbogen standen, aber mitgefahren waren nach Erlenbach zum Relegations-Rückspiel im angemieteten Bus, das Spielfeld stürmen, um der Mannschaft zu gratulieren – oder einfach nur ihrem Glück über den Klassenverbleib in der Landesliga buchstäblich in allerletzter Sekunde freien Lauf lassen.

„Gänsehaut“, sagt Thomas Luckner, der Trainer, bekommt er, wann immer das Video irgendwo läuft. Erst gestern hat er es sich noch einmal angesehen. „Es ist eben so emotional“, sagt Luckner fast entschuldigend. Denn es geht ja nicht nur um den Klassenerhalt, um ein weiteres Jahr Landesliga, das sich der Baiersdorfer SV in vier Nervenspielen nach Abschluss der Punkterunde noch erzwang mit viel Kampf, noch mehr Leidenschaft und Zusammenhalt. „Für mich“, sagt Luckner, „geht es ja zu Ende.“ 15 Jahre war er zuletzt im Fußballgeschäft, jetzt, das hat er schon zur Winterpause angekündigt, ist erstmal Schluss. Vor allem Radfahren will der 40-Jährige dann, sein neues Hobby, aber in erster Linie Zeit verbringen, die bislang für den Amateurfußball reserviert war. „Mal nicht nach dem Spielplan leben“, sagt Luckner, das kommt jetzt auf ihn zu. Er freut sich darauf und er freut sich besonders, dass er den BSV nicht als Absteiger an René Ebert, zuletzt Co-Trainer beim SC Eltersdorf, übergeben muss. „Das Feld ist bestellt“, sagt Luckner, auch wenn es, wie mehrfach berichtet, einen größeren Umbruch im Team geben wird. Auch Marc Weiler, der Relegationsheld, der schon gegen Gochsheim in der ersten Runde das wichtige 2:1 erzielte, und der aus der Baiersdorfer Jugend stammt, wird den Klub verlassen Richtung Adelsdorf, wo sein Bruder Dennis Weiler Spielertrainer ist.

„Wir sind alle sehr erleichtert“, sagt Thomas Luckner, „unser großes Ziel war der Nichtabstieg, das haben wir jetzt geschafft.“ Hochdramatisch zwar, aber geschafft: Nach dem 0:1 im Hinspiel standen die Zeichen nicht gut für den BSV. In Erlenbach dann vergab Nico Geier freistehend in Halbzeit eins die Riesenchance zum 1:0 für überlegene Gäste, Erlenbach begnügte sich damit, die knappe Führung aus dem Hinspiel zu verwalten. „Wir mussten aber auf der Hut vor den langen Bällen bleiben“, so Luckner.

Kurz nach Wiederanpfiff sprang ein Verteidiger dann Fabian Schwab ins Kreuz, den fälligen Strafstoß verwandelte Lars Reinhardt mit Tonnenlast auf den Schultern zum verdienten 1:0 (48.). Neun Minuten später wäre Erlenbach beinahe der Ausgleich geglückt, aber gleich zwei Angreifer schafften es nicht, den Ball im leeren Tor unterzubringen. Auf der Gegenseite hatte Nicolas Schwab die Möglichkeit zum zweiten Baiersdorfer Treffer. Max Zelder im Erlenbacher Tor konnte aber gerade noch die Hände hochreißen. Es spielten fast nur noch die Gäste, denen allerdings die letzte Konsequenz fehlte. „Als jeder schon sicher war, dass es Verlängerung gibt“, sagt Thomas Luckner, landete der Ball bei Marc Weiler, der schoss ihn im Nachschuss in der 91. Spielminute Erlenbach mitten ins Fußball-Herz.

Den Feierlichkeiten auf dem Platz folgte eine Kabinenparty, die feuchtfröhliche Busfahrt nach Baiersdorf dauerte bis 22 Uhr. Im Sportheim wurde weitergetanzt und gejubelt, die Dramatik, die Erleichterung, der Druckabfall – all das setzte nach Spielschluss neue Kräfte frei. Auch bei Thomas Luckner: „Ich war erst um 4.30 Uhr im Bett.“ Und damit war der Trainer an diesem besonderen Abend ganz sicher nicht der letzte.

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