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Mettin Copier: "Ab und zu ein Bier ist gar nicht so schlecht"

HEIMSPIEL

Mettin Copier wurde als Fußballer von Louis van Gaal ausgebildet, war Profi in den Niederlanden und in den USA. Dort war er mit einer berühmten TV-Moderatorin liiert. Dann kam er zum ASV Fürth in die Bezirksliga.

„Ich war es gewöhnt, in den Nachrichten zu sein“: Mettin Copier mit seiner Ex-Freundin Zuri Hall bei einer Gala.

 / © Michael Buckner/afp

Mettin Copier, 30, ist ein Fußballspieler mit österreichischer und niederländischer Staatsbürgerschaft. Der Innenverteidiger wurde beim holländischen Erstligisten AZ Alkmaar unter Louis van Gaal ausgebildet. Der ehemalige Bayern-Trainer verschaffte ihm auch seinen ersten Profivertrag. Der Durchbruch gelang Copier aber nicht, er wurde an die Zweitligisten Telstar und FC Oss verliehen. 2011 wechselte er in die USA zum Dayton Dutch Lions FC (Ohio) in die zweite nordamerikanische Liga. Copier absolvierte zwei U21-Länderspiele für Österreich, wo er unter anderem mit Georg Margreitter und Guido Burgstaller spielte. 2017 ging er zum ASV Fürth in die Bezirksliga, nun spielt er seit Sommer für die SG Quelle Fürth in der Landesliga.

Herr Copier, wie landet ein Ex-Profi aus den Niederlanden im Fürther Amateurfußball?

Mein Job hat mich nach Deutschland verschlagen. Ich saß am Wochenende in meiner Wohnung und kannte niemanden. Ich war immer froh, wenn es wieder Montag war. Ich habe versucht, Leute im Fitnessstudio kennenzulernen. Aber da ist jeder in seiner eigenen Welt. Der ASV Fürth spielt in der Nähe meines Wohnorts. Also habe ich denen eine Mail geschrieben: Ich würde gerne Fußball spielen und kann es auch ein bisschen.

Das war leicht untertrieben.

Natürlich kann ich es etwas besser als nur ein bisschen. Mir ging es aber überhaupt nicht um das Niveau. Klar, sehr schlecht sollte der Fußball jetzt auch nicht sein. Aber eigentlich wollte ich nur soziale Kontakte knüpfen.

Die Antwort fiel bestimmt begeistert aus.

Erstmal kam ein paar Wochen lang keine Reaktion. Da dachte ich, dann eben nicht. Auf einmal hat mich Trainer Wilhelm Satzinger angerufen und gesagt: Komm doch vorbei, könnte klappen. Es war eine sehr liebe Mannschaft mit guten Jungs. Ich wurde super empfangen. Mir hat es weh getan, als Satzinger gegangen ist.

Sie hatten mit dem Fußball vorher schon komplett gebrochen?

Der Gedanke war schon da, nicht mehr Fußball zu spielen. Ich wollte mich eigentlich nur auf meinen Job konzentrieren. Schließlich war es ein neues Land für mich. Holländer und Deutsche ähneln sich zwar ein bisschen in manchen Dingen – in manchen aber auch überhaupt nicht. An die Kultur muss man sich erst gewöhnen.

Und wie unterscheiden sich deutsche und holländische Fußball-Mannschaften?

Ich habe ja auch in Amerika gespielt. Das unterscheidet sich weniger von Deutschland als Holland (lacht). Wenn man zu holländischen Spielern sagt, jetzt laufen wir, heißt es: Muss das wirklich sein? Da zählt das Spielerische mehr. In den USA ist die Reaktion eher: Okay, Coach, wie weit, wie lange, du sagst Stopp und wir laufen noch weiter. In Deutschland liegt es irgendwo dazwischen, der läuferische und der spielerische Aspekt sind wichtig.

Und in der Mannschaft?

Holländer sind sehr direkt. Wenn etwas nicht passt, wird das sofort auf den Tisch gebracht. Auch der Ton sagt dann direkt: Das passt jetzt wirklich nicht. In Deutschland wird es sehr freundlich umschrieben. Das ist sehr nett, aber nicht immer deutlich genug.

Wie war die Umstellung vom Profi- auf den Amateurfußball?

Nicht so schwer. Am Ende meiner Zeit in den USA war ich schon nur noch Semi-Profi, muss ich ehrlich sagen. Deshalb war es ein entspannter Übergang von viel Training zu weniger Training. Obwohl wir bei Quelle Fürth gerade ziemlich viel machen.

Als Sie zum ASV Fürth gekommen sind, war das ein kleines Ereignis. Nicht nur, dass Sie von Louis van Gaal ausgebildet wurden, mit der TV-Moderatorin Zuri Hall hatten Sie seinerzeit noch eine berühmte Freundin. Wie hat sich das angefühlt, mit dem Rummel um die eigene Person in der Bezirksliga anzufangen?

Es war nicht ganz ungewohnt, weil meine Ex-Freundin und ich in den Staaten öfter mal in den Nachrichten waren. Aber ich sehe mich als ganz normal und nicht als Star. Ich führe hier ein normales Leben. Ein bisschen besonders war es deshalb schon, dass das nicht nur in den USA passiert, sondern auch in einem fremden Land der eine oder andere Artikel erscheint.

Gab es Gegenspieler, die versucht haben, gegen einen Innenverteidiger und Ex-Profi besonders gut auszusehen?

Ich habe davon nichts gemerkt. Wir hatten letztes Jahr aber auch genug andere Probleme in der Mannschaft, als dass ich darauf geachtet hätte. Die Leute auf dem Feld, auch die Gegner, sind bisher alle sehr korrekt und nett zu mir.

"Er hat mir in deutlichen Worten erzählt, dass es eine Freude ist, mit der Ersten üben zu dürfen"

Wie war die fußballerische Ausbildung unter dem großen Trainer Louis van Gaal beim AZ Alkmaar?

Ich habe ein paar Mal miterlebt, dass er böse geworden ist. Und dann wird er auch echt böse. Er hat viel Ahnung von dem, was er macht. Aber er ist manchmal genau so, wie er im Fernsehen rüberkommt. Als ich in Alkmaar das erste Mal mit den Profis trainieren sollte, hatte ich gerade schon mit der Jugend trainiert und mich auf einen freien Nachmittag gefreut. Also habe ich an van Gaals Tür geklopft und gesagt: Ich habe gehört, ich muss mittrainieren. Der Ton hat ihm nicht wirklich gepasst. Er hat mir in sehr deutlichen Worten erzählt, dass es kein Muss ist, sondern eine Freude, mit der ersten Mannschaft üben zu dürfen.

Können ein Wilhelm Satzinger oder ein Serdal Gündogan, ihre Trainer beim ASV Fürth und bei Quelle Fürth, auch so ungehalten werden?

Wilhelm Satzinger war ein bisschen Old School, der konnte schon mal mit der Faust auf den Tisch hauen. Was nicht schlecht ist. Serdal kenne ich noch nicht so lange. Der Jugend heutzutage muss man alles erklären. Und das kann er sehr gut, er hat einen Draht zu den vielen jungen Spielern, die wir haben.

Jetzt spielen Sie nochmal Landesliga. Hat Sie der Fußball doch nochmal gepackt?

Man hat früh ahnen können, dass es für den ASV nicht mehr reichen wird. Bezirksliga hat eigentlich gepasst, aber auf die Kreisliga hatte ich nicht so viel Lust. Zumal es beim ASV einen neuen Trainer gab, der sich nie bei mir gemeldet hat. Und bei der Quelle hat alles gepasst, sie waren sehr ehrlich und herzlich. Ich bin jetzt 30 Jahre, vielleicht geht noch was.

Die Ziele mit der Quelle in der Landesliga sind in dieser Saison hoch?

Ja, auf jeden Fall. Ein Spiel wie zuletzt (das 0:5 beim FSV Stadeln am zweiten Spieltag, Anm. d. Red.) darf uns nicht mehr passieren. Wir haben letzte Saison schon gut gespielt und uns nochmal verstärkt. Deshalb wollen wir so lange wie möglich oben mitmischen. Und das heißt für mich: sehr lange.

Von der Profi-Karriere haben Sie sich aber endgültig verabschiedet?

Das habe ich abgehakt, ja. Ich mag meinen Job im Vertrieb sehr. Wofür soll ich noch professionell spielen? Klar, für fünf Millionen würde das vermutlich jeder machen. Aber für realistische Beträge, nein.

Wie kamen Sie aus Holland in die USA?

Ich wollte etwas sehen in meinem Leben. Und hatte das Glück, dafür auch noch bezahlt zu werden. Man kennt Holland ja. Man fährt zwei Stunden und ist schon außerhalb des Landes. Real Madrid und ähnliches war nicht realistisch. Also hat mein Agent eine Verbindung nach Amerika hergestellt. Erst bin ich nach Ohio und dann habe ich mich in eine Frau verliebt. Sie ist dann jobmäßig nach New York und Los Angeles. Ich bin mit ihr mit und habe als Semi-Profi gespielt, eine Liga unter der MLS (nordamerikanische Profi-Liga, d. Red.).

Geht es auf den deutschen Amateurfußballplätzen rauer zu als bei den Profis?

Vielleicht manchmal. In der Landesliga ist es aber schon viel taktischer als in der Bezirksliga, wo jeder drauf gegangen ist und seine Zweikämpfe gewinnen wollte. In Holland lief es weniger über den Kampf.

Haben Sie sich schnell daran gewöhnt, dass in der Bezirksliga auch mal ein Bier nach dem Punktspiel in der Kabine getrunken wird?

Eher mehr als eins. Am Anfang war es ungewohnt, aber ich kann mich da sehr gut daran gewöhnen. So schlimm ist das nicht. Ab und zu ein Bier ist gar nicht so schlecht.

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