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Halilic: „Das sieht ganz ordentlich aus“

Bezirksliga Nord

Beim phasenweise furiosen 3:0 gegen einen starken FC Kalchreuth deutet Türkspor/Cagrispor zum Bezirksliga-Auftakt an, dass es offensichtlich eine gute Idee war, aus zwei Mannschaften eine zu machen.

Zweikampf mit drei Beteiligten: Türkspor und Cagrispor setzen sich am Ende gegen Kalchreuth (rote Trikots) durch.

 / © Sportfoto Zink

Der Sommer hatte gerade begonnen, da hatten sich die Verantwortlichen von Cagrispor und Türkspor dazu entschlossen, aus zwei Vereinen einen zu machen. Es sollte diese Fusion endlich eine Antwort geben auf eine gar nicht so selten gestellte Frage im Nürnberger Amateurfußball: Was könnte ein großer türkischstämmiger Verein erreichen, wenn die vielen kleinen und mittelgroßen Klubs gemeinsame Sache machen würden?

Cagrispor und Türkspor waren die beiden großen der vielen mittelgroßen und kleinen Vereine, beide in der Bezirksliga beheimatet, in der sie nun auch nach dem Zusammenschluss starten. Konkurrenten waren sie bis dahin, aber wenn irgendwem die Beantwortung der Frage zuzutrauen wäre, dann wohl ihnen. Noch wirkt das Projekt etwas unausgegoren. Eine feste Heimat hat der neue Verein ebenso wenig wie seine Vorgänger, weshalb sie die Vorbereitung auf der Deutschherrenwiese absolviert haben, zum ersten Pflichtspiel den 1. FC Kalchreuth in Langwasser auf der Anlage des VfL empfangen und in den nächsten Wochen vielleicht auf einem der Stadionnebenplätze spielen. Auch der Vereinsname „Türkspor/Cagrispor“ kommt noch sehr vorläufig daher, gespielt wird in den Trikots von Türkspor, die zweite Mannschaft trägt in der Kreisliga die alten Hemden von Cagrispor auf.

Aber das mit dem Vereinsnamen, sagen sie bei Türkspor/Cagrispor, hat ja auch noch Zeit. Noch schauen sie, ob sie sich aneinander gewöhnen können oder ob vielleicht noch ein anderer der kleinen und mittelgroßen Vereine mit türkischstämmigen Gründervätern das Konstrukt verstärken will. Nur nichts überstürzen, das haben sie sich vorgenommen. Einzig beim Sport darf es gerne etwas schneller gehen, auch wenn der neue Trainer Jasmin Halilic erst einmal bremst, wenn man sich in den Tagen vor dem Bezirksliga-Start mit ihm über seine neue Mannschaft unterhält. Dass da erst einmal etwas zusammen wachsen soll, sagt Halilic und dass sie erst einmal guten Fußball spielen wollen ohne zu sehr auf die Platzierung in der Tabelle zu schielen.

Nach dem Bezirksligastart dürfte Halilic die Sache mit dem Bremsen etwas schwerer fallen. Gegen den FC Kalchreuth, in der vergangenen Saison eine der Spitzenmannschaften, beantwortet seine Mannschaft die Frage nach dem was da möglich wäre, wenn sie gemeinsame Sache machen, nämlich mit: sehr viel. 3:0 steht es am Ende eines phasenweise hochklassigen Bezirksligaspiels für Türkspor/Cagrispor. Es ist ein überzeugender Sieg für Halilics Mannschaft, ein verdienter dazu und dennoch hatte in den 90 Minuten auch der FC Kalchreuth bewiesen, dass die Spitzenmannschaft aus der vergangenen Saison auch eine in dieser sein könnte.

Kalchreuth beginnt zunächst einmal stärker als die Gastgeber, hat die besseren Torchancen und wirkt – wenig überraschend – eingespielter. Aber Türkspor/Cagrispor hält dagegen und kämpft sich in diese Partie, ehe sie auch spielerisch überzeugen. Für die Führung brauchen sie aber einen umstrittenen Pfiff von Schiedsrichter Kevin Rösch. Dem Pfiff folgt ein Freistoß, den der überzeugende Mustafa Jasarevic über den Umweg gegnerischer Abwehrbeine ins Netz befördert (18.). Der Führungstreffer lässt das Zutrauen ins eigene Können – das nach einer gelungenen Vorbereitung eh schon recht groß ist – weiter steigen. Kurz nach der Pause lupft Majid Salis Jara den Ball erst über Torwart Lukas Mehlig und trifft dann entspannt zum 2:0 (49.).

Der Spaß der Zuschauer

Dass sich die Fusion gelohnt haben könnte, lassen zu diesem Zeitpunkt nicht nur die Torschützen erahnen: Jasarevic stürmte in der vergangenen Saison für Türkspor, Jara für Cagrispor. Auch in der Folge lässt der neue Verein Kalchreuth nicht zurück in die Partie. Jasarevics zweiter Treffer nach feinem Alleingang (63.) bedeutet die Entscheidung, weil Türkspor/Cagrispor nach dem Platzverweis für Ismail Yüce in der 68. Minute beweist, dass es auch seriös verteidigen kann.

Kalchreuth hat in der Schlussphase in Überzahl mehr vom Spiel, ist aber zu wenig zwingend vor dem gegnerischen Tor. Wirklich unzufrieden will Kalchreuths Trainer Joao Oliveira hinterher trotzdem nicht sein. „Wir hatten keine gute Vorbereitung, ich wusste nicht, was uns erwartet“, sagt Oliveira. Und: „Es waren zwei Mannschaften, bei denen es Spaß macht zuzuschauen.“ Etwas mehr Spaß hatte beim Zuschauen allerdings der Trainer des Siegers. Trotzdem lobt Halilic erst einmal Kalchreuth. „Ein Topgegner“, sagt er, „das Ergebnis ist zumindest um ein Tor zu hoch ausgefallen.“ Er gibt sich große Mühe, weiterhin angemessen tiefzustapeln und muss dann doch noch loben: „Das sieht ganz ordentlich aus.“ Sehr ordentlich sieht das sogar aus. Es scheint, als sei das eine gute Idee gewesen, aus zwei Mannschaften eine zu machen.

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