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Buch und die Ells: Jedes Spiel, jedes Training ist ein Familientreffen

HEIMSPIEL

Auf dem Sportplatz kommen sie alle zusammen. Georg Ell sitzt an diesem heißen Sommersonntag auf den roten Schalensitzen im Schatten der Tribüne am Bucher Wegfeld, ein paar Reihen weiter haben es sich seine Verwandten zwischen ihren Mannschaftskollegen vom TSV Buch bequem gemacht. Hier, auf dem Sportplatz im Knoblauchsland, sehen sich die Ells, jedes Training, jedes Spiel in der Landesliga ist ein kleines Familientreffen.

Oliver Ell, Georg Ell, Christoph Ell und Adrian Ell (v. l.) spielen für den TSV Buch in der Landesliga.

 / © Fischer

 Oliver, Christoph, Georg und Adrian Ell spielen beim TSV Buch in der ersten Mannschaft Fußball, auch die Schwestern Marina, Laura und Agnes sind im Verein aktiv. Sieben Ells in einem Verein – ob er sich da noch auskennt? Wer wie mit wem verwandt ist? Udo Brehm muss lachen. Nein, selbst der langjährige Angreifer und neue Co-Trainer des TSV könnte keinen Stammbaum der Ells zeichnen. Wem sie das zutrauen? Die vier männlichen Ells überlegen nicht lange, als sie ein paar Wochen später bei einem Spezi im Sportheim sitzen. Nur ihrem Kapitän Stefan Fleischmann würden sie das zutrauen, „wenn jemand Neues in die Mannschaft kommt, kann es schon mal sein, dass der nach einem Vierteljahr fragt, ob der andere Ell eigentlich mein Bruder ist“, erzählt Oliver Ell, mit 27 Jahren älteste der vier.

Und das Vorbild für die anderen drei, zumindest damals, als Kinder. In Neunhof haben sie fast jeden Tag zusammen mit den Nachbarskindern im Hof Fußball gespielt, „das war immer Olli gegen alle“, erinnert sich Adrian Ell. „Er war damals mit Abstand der Beste.“ Doch einer von den Bucher Jungs, wie sie sich selbst auf ihren Trikots nennen, war Oliver Ell nicht. „Ich hatte mit dem TSV lange nichts am Hut“, sagt er. Der Vater war ein Boxdorfer, hat dort Fußball gespielt, also hat es auch der älteste Sohn gemacht, bis es ihn im Herrenbereich doch in die Landesliga nach Buch zog. 2015 ging er aber doch wieder zurück nach Boxdorf, Kreisklasse statt Landesliga, es war schlicht bequemer.

Fleißpunkte hat sich Oliver Ell in seiner Karriere eher selten verdient, am fußballerischen Können aber wagte niemand zu zweifeln. Als Bruder Christoph (21) und die beiden Cousins Adrian (20) und Georg (23) es aus der Bucher Jugend in die erste Mannschaft geschafft hatten, da wollte Oliver Ell eines nochmal erleben: mit allen drei zusammen Fußball zu spielen, so wie damals im Hof. Gemeinsam, im gleichen Trikot, nicht alleine gegen alle. Der Kontakt untereinander war ja ohnehin nie abgerissen. Außer Georg, der im elterlichen Betrieb arbeitet, haben schließlich alle den selben Arbeitgeber, zwei im Büro, einer als Mechaniker.

Mindestens an sechs Tagen pro Woche sehen sich die Ells also. Oder auch an sieben, bei solch großen Familien hat schließlich ständig wer Geburtstag. Die Väter Fußballer, die Kinder Fußballer, egal, ob männlich oder weiblich, das bestimmende Gesprächsthema war da natürlich der Fußball – und mitunter auch der verlorene Ell in Boxdorf. „Wir haben nicht gebettelt, dass er wieder kommt, ihn aber schon immer wieder drauf angesprochen“, erzählt Georg Ell. Im März kehrte Oliver Ell schließlich zurück – und traf gleich bei seinem ersten Spiel in der Landesliga. 

Seither sehen sie sich noch öfter. Nur dieses eine Gefühl, als vier Ells mehr als ein Drittel der Bucher Mannschaft stellen zu dürfen, das haben sie bislang nicht erleben dürfen. Freuen würden sie sich schon, wenn es irgendwann mal so weit kommen würde, aber allzu wahrscheinlich ist es nicht. Adrian und Oliver spielen auf derselben Position auf Rechtsaußen, Christoph und Georg verteidigen gerne, „wir haben aber auch so zusammen sehr viel Spaß auf Auswärtsfahrten, im Training oder beim Karteln“, erzählt Oliver Ell. Und eigentlich, findet er, ist es sogar ganz gut, dass meistens nur zwei Ells gleichzeitig auf dem Platz stehen, vor allem in Buch, wo gerne auch lauthals geschimpft wird auf der Tribüne. „Wenn wir mit vier Ells verlieren würden, dann würde es heißen: Warum stellt der Trainer die vier Trottel gleichzeitig auf?“

In Zukunft werden die Familientreffen am Bucher Sportplatz noch ein bisschen größer, wird das Training noch ein bisschen Ell-lastiger. Denn in Felix Ell vom ASN Pfeil ist auch der Sohn des vierten Vater Ell nach Buch gewechselt. Auf dem Sportplatz, ja, da kommen sie tatsächlich alle zusammen. Irgendwann.

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