Das Amateurfußballportal für Mittelfranken
Partner im
Amateurfußballnetzwerk
Partner im Amateurfußballnetzwerk

Jesus Cooperation: Fußballspielen im Namen des Herrn

HEIMSPIEL

Die Jesus Cooperation belässt es nicht bei einem Stoßgebet vor dem Anpfiff, bei ihr ist der Name Programm. Das Team will den Glauben durch Sport weitergeben. Und ist als Privatmannschaft erfolgreich.

„Bricht ein Teil weg, zerbricht das ganze Gebilde“: Die Jesus Cooperation im Gebet vor dem Spiel.

 / © Eigler

Der Kreis gilt als vollkommen. Alle Punkte seines Umfangs sind in gleichem Maße vom Mittelpunkt entfernt, er ist die Verkörperung einer Einheit. Bricht ein Teil weg, zerbricht das ganze Gebilde. Wenn sich die Fußballer der Jesus Cooperation vor dem Spiel zum Beten versammeln und gemeinsam den Kreis schließen, mögen ihnen andere Dinge als Symbolik durch den Kopf gehen. Dabei ist der Kreis in diesem Moment nicht die einzige Begegnung mit der Vollkommenheit. Sie beten zu Jesus, der als frei von allen Sünden und damit als vollkommen gilt. Genau hier unterscheidet sich die christlich geprägte Mannschaft, die ihre Heimspiele beim DJK Fürth in Oberfürberg austrägt, von anderen Teams. Jesus soll nicht nur für ein kurzes Stoßgebet vor dem Glück herhalten, sondern ist die Identifikationsfigur der Privatmannschaft mit Wurzeln in der Fürther Südstadt.

 Entstanden ist die Jesus Cooperation 2003. „Seit 2000 haben wir in der Südstadt eine übergemeindliche Jugendarbeit, die das Ziel hat, auf interessante Weise, den Jugendlichen den Glauben näher zu bringen“, erzählt Klaus Hartmann, Spieler der ersten Stunde über die Zusammenarbeit zwischen der Freien evangelischen Gemeinde Fürth, St. Paul und der Freien Christengemeinde (Chapel Fürth). Und wie das so ist: wo eine Gruppe junger Menschen zusammen ist, da gibt es oft auch den Drang nach sportlichem Wettkampf. So entstand die „Fun and Sport“-Gruppe, aus der sich schließlich ein Fußballtreff herauskristallisierte. „Innerhalb von wenigen Wochen hatten wir 20 Leute zusammen“, erinnert sich Hartmann.

Schließlich stand 2002 fest: aus dem Fußballtreff sollte eine Freizeitmannschaft werden, die in einer Privatliga antritt. Dafür hatten sich die jungen Männer etwas besonderes vorgenommen: Das christliche Credo soll auch auf dem Platz gelebt werden. Die Jesus Cooperation will „sauber“ spielen und legt Wert auf Fairplay – auch dem Gegner gegenüber. Dass das in einem kampfbetonten Spiel wie dem Fußball manchmal schwerfällt, gibt der Gymnasiallehrer lachend zu: „Wir sind alle nur Menschen! Aber wir wollen auf dem Feld einen gemeinsamen Umgang und ein positives Miteinander.“ Dabei spielt auch die Identifikation eine Rolle. „Wir verbinden unser Hobby Fußball mit dem Glauben und wollen das nach außen zeigen, indem wir Jesus repräsentieren“, so der 48-Jährige. „Durch den Fußball möchten wir den Glauben weitergeben.“

Doch wie ist eigentlich der ungewöhnliche Name entstanden? Klaus Hartmann klärt auf: „Das geht auf die Zeit zurück, als wir die Jugendarbeit zwischen den Gemeinden gestartet haben. Wir haben uns einen passenden Namen für unsere Zusammenarbeit überlegt. Die Idee kam von den Mitarbeitern und hat allen am besten gefallen. Als wir dann unsere Fußballmannschaft gegründet haben, stand für uns fest: das bleibt jetzt so, unser Team heißt Jesus Cooperation.“ Und das startete 2003 zunächst in der „Stolpererliga“. Das Konzept Glauben und Fußball ging auf, 2008 schließlich folgte der nächste Schritt in eine Freizeitliga des Bayerischen Fußballverbands. Eine gute Entscheidung, wie sich schnell herausstellte. „Das war damals noch in eine A-Liga und eine B-Liga unterteilt“, erzählt der Gymnasiallehrer. „Wir haben gleich in der ersten Saison den Aufstieg in die A-Liga geschafft, was für uns eine Überraschung war.“

Das folgende Jahr sollte die Erwartungen nochmal bei weitem toppen. Ausgestattet mit einem Mix aus ehemaligen Vereinsspielern und reinen Hobbykickern sicherte sich die Jesus Cooperation als Aufsteiger den Titel in der A-Liga – gegen etablierte Privatmannschaften. Wenn Klaus Hartmann über die Höhepunkte seines Teams spricht, hallt die Begeisterung über diesen Triumph immer noch nach. Ein weiteres Highlight war der Gewinn des „Doubles“ aus Meisterschaft und Pokal in der Merl-Bau-Runde 2017. 

Nach dem Aus der Privatliga 2018 überlegte man bei der Cooperation, den Sprung ins Verbandssystem zu wagen und in der B-Klasse zu starten. „Wir haben es uns nicht ganz zugetraut“, sagt Hartmann. Das Abwägen der Worte lässt darauf schließen, dass die Überlegung mehr als nur ein vager Gedanke war. „Wir haben aktuell einen Kader mit 30 Mann. Das Leistungsvermögen bei uns ist sehr unterschiedlich. Darum haben wir uns dann dagegen entschieden.“ Auch der Aufwand wäre deutlich größer. Im Moment finanziert sich die Jesus Cooperation ausschließlich durch Mitgliedsbeiträgen. Dazu kommt: Rund die Hälfte des Teams ist in den Gemeinden ehrenamtlich tätig. „Da passt es gut, dass wir jetzt mit der Eichenkreuz-Runde eine Liga gefunden haben, die unter der Woche ihre Spiele austrägt“, betont der 48-Jährige. 

Es ist eine Entscheidung im Sinne der ganzen Mannschaft. Denn der Teamgeist steht bei der Jesus Cooperation im Mittelpunkt. Und das nicht nur beim Beten vor dem Spiel. Fehlt ein Glied, Fehlt ein Glied, ist der Kreis unvollständig

Mehr zum Thema