Das Amateurfußballportal für Mittelfranken
Partner im
Amateurfußballnetzwerk
Partner im Amateurfußballnetzwerk

Marco Nerreter: Jeder Moment ist plötzlich wertvoll

Bezirksliga Nord

Lange war Marco Nerreter wegen eines Skiunfalls ausgefallen, seit dieser Saison kann er endlich wieder Fußball spielen. Das 2:1 des 1. FC Kalchreuth gegen die SpVgg Erlangen war bereits sein fünfter Einsatz in dieser Bezirksliga-Runde.

Ist endlich wieder auf dem Alm dabei: Marco Nerreter (links) vom FCK.

 / © Sportfoto Zink

Zurück auf der Alm. Es ist ein harmonischer Anblick: Eltern mit Kinderwagen suchen sich Plätze, Kleinkinder tollen am Spielfeldrand, auf der Terrasse unterhalten sich Männer und Frauen fröhlich. Neben dem Platz ist ein Grill aufgebaut, bei dem sich Hungrige mit heißen Bratwürstchen versorgen. Hier in Kalchreuth kennt man sich, und alle kommen wundervoll miteinander aus. Was für ein Fußball-Idyll.

Nicht so harmonisch ging es auf dem Platz zu: In einer umkämpften Partie, die Schiedsrichter Jonas Lux mit einer strikten Linie leitete, setzte sich der Tabellenachte aus Kalchreuth gegen die direkten Konkurrenten vom neunten Tabellenplatz, die SpVgg Erlangen, mit 2:1 durch. Dabei waren die Gäste in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft, die sich ein Chancenplus erarbeiten konnte, während sich der FCK schwer tat. Passend zu diesem Spielverlauf traf Tim Basener in der 18. Minute nach einem Konter zur Führung. In der zweiten Halbzeit zeigte sich Kalchreuth dann, scheinbar angestachelt durch eine Pausenansprache von Trainer Joao Oliveira und mit zwei frischen Spielern, deutlich aktiver, die Hausherren setzten die "Spieli" direkt unter Druck.

Zwingende Torchancen konnte sich Kalchreuth erst durch Erlanger Mithilfe erarbeiten. Sebastian Fischer und Timur Zenginer mussten frühzeitig runter. Kalchreuth setzte sich in der gegnerischen Hälfte fest und drückte immer weiter auf den Ausgleich, der in der 82. Minute auch gelang. Von da an spielte nur noch die Heimmannschaft. Der FCK nutzte die Überzahl gut aus, in der vierten Minute der Nachspielzeit erzielte Rene Schmitt noch den Siegtreffer einer ruppigen Partie, in der Schiedsrichter Lux insgesamt zehn Gelbe Karten, zweimal Gelb-Rot sowie einmal glatt Rot gezogen hatte.

Diese Menge an Gelben Karten störte Joachim Müller, den Trainer der Erlanger, da diese bei den Spielern eine Unsicherheit hervorgerufen habe. Trotz der knappen Niederlage sei er stolz auf seine Mannschaft, die das Spiel seiner Meinung ohne die Platzverweise eindeutig gewonnen hätte. Obwohl seine Mannschaft den vierten Sieg gegen die Spielvereinigung in Folge einheimst, ist Joao Oliveira, Trainer des 1. FC Kalchreuth, weit davon entfernt, die "Spieli" als Lieblingsgegner zu bezeichnen, die Erlanger seien „wirklich ein sehr unangenehmer Gegner“. Oliveira hat nach dem Spiel Lob für die „richtig gute Truppe“ der Gegner übrig, spart aber auch nicht an Lob für seine eigene Mannschaft, die im nächsten halben Jahr ohne ihn auskommen muss, da er beruflich nach Amerika reist. Sorgen diesbezüglich mache er sich nicht, er vertraue „zu Tausend Prozent“ seinem Co-Trainer und seinem Team, die sich sehr gut untereinander organisieren.

Wieder da ist dafür Marco Nerreter. Der Kalchreuther feierte nach langer Verletzungspause sein Comeback in der Bezirksliga. Gegen die "Spieli" kam er in der 48. Minute und war gleich an einigen guten Chancen beteiligt. Richtig zurück meint er, sei er jedoch noch nicht, er bräuchte wahrscheinlich zunächst ein erstes Tor, bevor es wieder los gehen könne. Beim FCK ist es bereits seine vierte Saison, zuvor spielte der 29-Jährige beim SC Eltersdorf.

"Als feststand, dass ich überlebe, habe ich wirklich viel für den Körper getan"

Gesundheitlich geht es Nerreter, der wegen eines Skiunfalls lange ausfiel, nun wieder weitestgehend gut, sein Unfall habe glücklicherweise keine bleibenden Schäden hinterlassen, seine Krankenhauszeit ist endlich beendet. Und das, obwohl viel kaputt war, „neun Rippen, Lunge gequetscht, Leber“, zählt Nerreter auf. „Ab dem ersten Tag, an dem feststand, dass ich überleben werde, habe ich wirklich viel für den Körper getan.“ Durch die Zeit seiner Verletzung haben ihm vor allem seine Freundin und Freunde unterstützt, doch auch besorgte Fans, „die einen wie eigene Kinder aufnehmen“, die ihm während seines Klinikaufenthalts geschrieben und ihm Bilder von Spielen seiner Mannschaft geschickt haben. Auf Unterstützung vom Team konnte er besonders zählen, zwei Tage, nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, standen bei ihm schon „drei mit Weißwurst“ vor der Tür und haben mit ihm „erst einmal Weißwurstfrühschoppen gemacht – noch alkoholfrei – und Fifa gezockt“.Nach seinem Unfall versucht Nerreter nun, „viel mehr den Moment zu genießen, wo man früher einfach zu viel in den Alltag gefallen ist“.

Schöne Momente wie den Sieg gegen die Spielvereinigung genieße er jetzt deutlich bewusster, auf Sachen wie die Ernährung, die für ihn vorher keine große Rolle gespielt hat, legt er deutlich mehr wert, um seinen Körper wirklich gesund zu halten. Damit er noch viele Tore auf der Alm schießen kann.

Mehr zum Thema