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Nico Geyer nimmt eine Auszeit vom Profi-Traum

Bayernliga Nord

Der Adelsdorfer Nico Geyer trug schon das Trikot des 1. FC Nürnberg und der SpVgg Greuther Fürth. Nun tritt er mit 20 Jahren ein bisschen kürzer und beginnt eine Ausbildung.

Eine Liga runter, aber gleich in einer anderen Welt: Nico Geyer, früher beim FCN und Fürth, beginnt eine Ausbildung und lässt es deswegen fußballerisch langsamer angehen.

 / © Sportfoto Zink

Irgendwann einmal bei den Profis spielen - das große Ziel jedes jungen Fußballers. Nico Geyer war sehr nah dran. Der Adelsdorfer war jahrelang in den Nachwuchsmannschaften des 1. FC Nürnberg und der SpVgg Greuther Fürth auf Torjagd. Mit seinem Wechsel zum Bayernligisten Don Bosco Bamberg tritt er aber sportlich erst einmal ein bisschen kürzer. Die Berufsausbildung hat zunächst Vorrang. Ganz aus den Augen verloren hat der 20-Jährige sein Ziel aber noch nicht.

Seine Laufbahn begann schon früh und sehr vielversprechend. Er war gerade elf Jahre alt, da wechselte Klein-Nico vom heimischen SC Adelsdorf zum FSV Erlangen-Bruck. Der Verein galt seinerzeit als Karrieresprungbrett. Dort hielt es ihn nicht lange.

Kaum ein halbes Jahr dabei, spielte er mit der FSV-Jugend bei einem Turnier am Club-Gelände am Valznerweiher in Nürnberg. Der Mittelstürmer erwischte einen guten Tag, schoss einige Tore. Prompt wurden die Talentscouts des FCN auf ihn aufmerksam. Gepackt vom Ehrgeiz und mit einer Profikarriere im Hinterkopf sagte Geyer nicht nein.

"Natürlich hofft man, dass man groß rauskommt. Erst recht, wenn es so schnell gegangen ist, dass man in den Nachwuchs einer Profimannschaft gekommen ist", sagt der 20-Jährige,der Disziplin und Zielstrebigkeit als prägende Eigenschaften für sich in Anspruch nimmt.

Von da an führte er ein anderes Leben als die meisten Gleichaltrigen. In der U17 war vier Mal in der Woche Training angesetzt, dazu ein Punktspiel. "Ohne die Eltern wäre das nicht gegangen", blickt der Adelsdorfer zurück. Mama und Papa chauffierten ihn nicht nur zu jedem Training,sondern waren, wann immer es ging, auch bei den Spielen dabei. Vater Johannes, früher selbst in höherklassigen Amateurmannschaften und danach als Trainer unterwegs, und seine Mutter Maria unterstützten den begabten Sprössling mit Hingabe. Zeit für ein unbeschwertes Lotter-Leben blieb kaum. Trotzdem bereut Nico den Weg nicht, den er eingeschlagen hat. Er hat nichts vermisst. "Am Wochenende die und die Kerwa, das geht halt nicht. Aber ich bin eh nicht der Typ, der ständig feiern muss", sagt der Angreifer.

Den Konkurrenzdruck, dem die Nachwuchsspieler ausgesetzt sind, nahm er hin. Auch die Feedbackgespräche mit den Trainern, die über die weitere Karriere entscheiden. "Alle halbe Jahre wird aussortiert", umschreibt es Geyer unumwunden. "Es reicht halt nicht", bekommen die zu hören, die den Ansprüchen nicht mehr genügen. "Dann ist die Tür offen für den Nächsten", skizziert der jetzt für Don Bosco Bamberg auflaufende Stürmer die Spielregeln.

Er hat gelernt, damit umzugehen. Bei allem Ehrgeiz verspürt Nico Geyer auch so etwas wie eine Leichtigkeit des Seins in sich. "Mit Verbissenheit kann ich nichts anfangen", sagt der junge Mann und vermutet: "Das liegt an meinen griechischen Wurzeln." Seine Mutter stammt von der Insel Korfu. Nach fünf Jahren beim 1. FCN kam der Wechsel zum Lokalrivalen SpVgg Greuther Fürth. Dort spielte er zuletzt in der Regionalligamannschaft, also in der vierten Liga. Die Schraube wurde nochmal angezogen. Sechs bis sieben Trainingseinheiten pro Woche waren angesetzt.

Eine Profikarriere in Aussicht, war Geyer bereit, anderes hintan zu stellen. "Regionalliga und parallel dazu eine Berufsausbildung, das lässt sich nicht machen", sagt er.

Es ging zuletzt nicht mehr so steil nach oben wie zu Beginn. Öfter als dem Torjäger lieb war, musste er mit der Ersatzbank Vorlieb nehmen. Die Regionalligamannschaft der Fürther dient schließlich auch dazu, den Profis, die gerade keinen Stammplatz haben, Spielpraxis zu verschaffen.

Für Nico Geyer ein Grund mehr, die Prioritäten jetzt erstmal anders zu setzen: Seit Sommer läuft er für die DJK Don Bosco Bamberg in der Bayernliga Nord auf. Das ist zwar nur eine Spielklasse tiefer, aber laut Geyer doch "ein Unterschied wie Tag und Nacht." Inwiefern? "Das Körperliche, das Tempo, die Zusammensetzung der Mannschaft", sagt er. Das momentan Wichtigste für den Adelsdorfer: Mit 20 Jahren hat er endlich Zeit für die eigene Berufsausbildung. Erzieher will er werden und beginnt im September in der Kindertagesstätte "Sonnenschein" in seinem Heimatort. Die Einrichtung nennt sich "Bewegte Kita" und hält viel auf ihre sportliche Früherziehung. Genau das Richtige für ihn, ist Nico Geyer überzeugt.

Seit Jahren jobbt er in einem Höchstadter Fitnessstudio, wo er die Kunden an den Geräten unterweist. Und kürzlich hat er sich zum Rettungsschwimmer ausbilden lassen. Die Kinder gehen nämlich regelmäßig ins Hallenbad. Arbeiten im Sozialwesen, der Umgang mit Menschen, das ist es, was dem einst hoffnungsvollen Jungkicker zusagt. "Ich will nicht irgendwas vor dem Computer machen. Ich brauche Bewegung und bin gern mit Menschen in Kontakt", sagt Nico Geyer.

So ganz hat er sich von seinen fußballerischen Zielen freilich noch nicht verabschiedet. Nur so aus Spaß an der Freude zu spielen ist ihm zu wenig. "Ich habe so viele Jahre in den Leistungssport hineingesteckt", sagt Geyer und ist überzeugt: "Nach ein, zwei Jahren mit guten Leistungen in der Bayernliga kann die Welt wieder ganz anders aussehen." So oder so, bereuen mag er seine Jahre in Nürnberg und Fürth kein bisschen. Der angehende Erzieher spielte schon gegen Nachwuchsteams von Manchester United oder des FC Chelsea und schwärmt von prägenden Begegnungen mit Spielerpersönlichkeiten wie beispielsweise Roberto Hilbert. All dies könne ihm niemand mehr nehmen.

Er habe viel gelernt, sowohl fußballerisch wie auch menschlich, resümiert der Sportler, der trotz seiner jungen Jahre erstaunlich gelassen und reflektiert wirkt.

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