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Kornburgs "Co" Ayala Fanesi bekommt Nachhilfe in Sachen Fußball-Kultur

Landesliga Nordost

Ayala Fanesi verliert als Interims-Cheftrainer in der Landesliga mit dem TSV Kornburg 0:2 gegen den SC Feucht. Mit der deutschen Fußball-Kultur hat der Italiener bislang noch keine Freundschaft schließen können.

Fußball als Gebärdensprache: Ayala Fanesi fällt gegen Feucht aber auch keine gewinnbringende Taktik ein. 

 / © Michael Matejka

Der Liebe wegen ist der Italiener Ayala Fanesi vor ein paar Jahren nach Deutschland gezogen. Er hat diese Entscheidung nicht bereut. Er hat diesen Umzug auch als Chance begriffen, eine neue Kultur kennenzulernen - auch eine neue Fußball-Kultur.

Wie sie so ist, die deutsche Fußballkultur? Er weiß es immer noch nicht, sagt Fanesi, was eine recht freundliche Antwort ist. Bislang war sie nämlich nicht besonders freundlich zu ihm, die deutsche Fußballkultur. Fanesi, Inhaber der A-Lizenz, hat nach seiner Ankunft in Deutschland zum Beispiel den SV Böblingen in der Landesliga Württemberg als Trainer übernommen – und wurde nach zwei Wochen schon wieder rausgeschmissen.

Er hat dann zu Beginn dieser Saison und nach einem Umzug ins mittelfränkische Roth die TSG 08 Roth in der Bezirksliga Süd übernommen – und wurde dort nach zwei Spielen und 1:10 Toren wieder rausgeschmissen. Die deutsche Fußballkultur, sagt er, interessiert ihn trotzdem noch, weil das kann es ja irgendwie nicht sein, dass die Kultur einer Fußball-Nation vor allem darin besteht, einen Trainer aus Italien immer schon nach zwei Wochen wieder rauszuschmeißen.

Beim TSV Kornburg bekommt er derzeit die Gelegenheit, weiter zu forschen. In der kurzen Zeit in Roth hat Fanesi nämlich immerhin Klaus Mösle kennengelernt. Bei einem Testspiel begegnete er dem Trainer des TSV Kornburg, man fand sich sympathisch und als die Sache in Roth vorbei war, hat Fanesi mal angerufen bei Mösle. Man hat sich getroffen, über Fußball geplaudert und weil Mösle eh einen Co-Trainer gesucht hat, wurde Fanesi eben Mösles Assistent.

Am Samstag, als der Landesliga-Tabellenführer aus Feucht in Kornburg vorbeischaut, da ist Fanesi sogar der Chef an der Seitenlinie, was ein Grund ist, warum Mösle derzeit nicht unbedingt gut zu sprechen ist auf die deutsche Fußballkultur.

Im Gegenteil, Mösle schimpft sogar sehr ausführlich über diesen Themengegenstand in den letzten Wochen. Das liegt zum Beispiel daran, dass ihnen der Saisonstart gründlich misslungen ist in Kornburg, weil zu Beginn der Saison zu viele Spieler aus den verschiedensten Gründen gefehlt haben. Mösles Laune hängt aber noch viel mehr mit den Funktionären dieses Fußball-Landes zusammen. Die haben ihn kürzlich gesperrt, weil Mösle angeblich einen Kaugummi nach einem Linienrichter geworfen hat.

Mösle bestreitet das, die Schiedsrichter beharren darauf - das Verbandsgericht glaubt den Schiedsrichtern. All das erzählt Mösle in der Halbzeitpause des Spiels gegen Feucht, das er nur von der Haupttribüne aus verfolgen darf. Und weil er gerade schon dabei ist, die Absurditäten des Systems darzustellen, spricht er noch über dieses Testspiel gegen die Nationalmannschaft Omans.

Die besuchte jüngst die Region im Zuge eines Trainingslagers und war kurzfristig auf der Suche nach einem Testspielgegner. Kornburg hatte Zeit, verpasste es aber trotz einiger Versuche, das Spiel offiziell anzumelden, was wichtig ist in Deutschland, weil da alles seine Ordnung hat.

Sie haben trotzdem gespielt, wurden angezeigt und sollten dann 2000 Euro Strafe zahlen und der Abteilungsleiter, ein Ehrenamtler, sollte ein halbes Jahr keinen Posten mehr ausfüllen dürfen. Mösle schaut angemessen entgeistert, als er das alles erzählt, man fragt ihn besser nicht nach seinem Urteil über die deutsche Fußballkultur.

Ist auch keine Zeit mehr, die zweite Halbzeit beginnt und Mösle muss zurück auf seinen Tribünenplatz. Gesehen hat er von dort aus in der ersten Halbzeit zwei Mannschaften, von denen man schnell sieht, welche oben steht in der Tabelle und welche unten. Der SC Feucht bemüht sich um Spielkontrolle, der TSV um defensive Stabilität.

"Überlegen in allen Belangen"

Weil den einen das eine und den anderen das andere gelingt und zudem Kornburgs Torwart Arthur Ockert nach einer halben Stunde einen Foulelfmeter pariert, geht es mit einem Unentschieden in die Kabine.

Nach der Pause belohnt sich dann aber doch der Favorit für seinen abgeklärten Auftritt gegen tapfere Kornburger. Junior Betsi Mbetssi trifft zur Führung (48.), Noah Mengi besorgt die Entscheidung nach einem Konter (86.). Zwischendrin hat der eingewechselte Pawel Kowal die Gelegenheit zum Ausgleich, vergibt aber.

Wirklich wütend ist in Kornburg später niemand über die Niederlage. "Feucht war uns in allen Belangen überlegen", sagt Fanesi und dass sie jetzt einfach weiter arbeiten wollen. Es gibt noch viele Dinge zu verbessern und er will dabei helfen. Jetzt, nachdem Mösles Sperre abgelaufen ist, wieder nur als Assistent. Da bleibt dann wieder mehr Zeit, um sich der fränkischen Fußballkultur zu widmen.

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