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Häring: "Man muss einfach gegen jeden Gegner 1000 Prozent geben“

Bezirksliga Nord

Das 2:0 gegen Veitsbronn war für den Bezirksligisten FC Kalchreuth der vierte Sieg aus den jüngsten fünf Spielen. Der Erfolg der vergangenen Wochen ist auch auf den vorherigen Misserfolg zurückzuführen.

Ein harmonisches Duo auf den Kalchreuther Trainerstühlen: Thomas Dörsch (links) und Christian Häring kennen sich schon lange. 

 / © Weigert

Als Markus Giering sich daranmachte, die Menschen in Kalchreuth zu verzücken, da jubelte auch ein Mann in den Vereinigten Staaten mit. Joao Oliveira wäre an diesem spätherbstlichen Nachmittag sicher auch gerne auf dem Kalchreuther Sportplatz in der Sonne gestanden und hätte live miterlebt, wie sein Kapitän einige Haken schlug und dann perfekt auf Dominic Stöhr flankte, der nach 39 Minuten artistisch zum 1:0 für den FCK traf.

Stattdessen aber fieberte der Trainer des FC Kalchreuth im US-Bundesstaat Missouri vor dem Laptop mit. Die moderne Technik macht es schließlich möglich, dass man auch in vielen Tausend Kilometern Entfernung zuschauen kann, wie 22 junge Männer in der Bezirksliga Fußball spielen – und dabei Dinge machen, die manchen noch mehr verzücken als 20 Grad Ende Oktober.

Oliveira arbeitet seit September in den USA und wird erst in der Rückrunde wieder nach Deutschland kommen, in Kalchreuth haben sie trotzdem an ihm festgehalten. In der Zeit, in der er seiner Mannschaft nur über das Internet nahe sein kann, hat in Thomas Dörsch der vorherige Co-Trainer noch ein bisschen mehr Verantwortung übernommen – und sich in Christian Häring einen „guten Freund“ dazugeholt, den er einst in der A-Jugend auf dem Kalchreuther Sportplatz trainiert hatte.

Mit einem 2:1 gegen die Spielvereinigung Erlangen verabschiedete sich Oliveira Ende August, danach holte Kalchreuth aus den Spielen gegen die Kellerkinder TV 48 Erlangen und FC Ottensoos nur einen Punkt – doch statt sich deshalb selbst zu zerfleischen, haben sie sich zusammengesetzt, „die Problematiken angesprochen“ und sind dadurch „noch ein bisschen näher zusammengerückt“, wie sich Thomas Dörsch erinnert.

Die Zeit war keine einfache für Kalchreuths Fußballer, die auch in dieser Saison wieder zu den besten der Bezirksliga Nord zählen. Doch erst ging ihr Trainer, wenn auch nur auf Zeit, dann hatten sie immer mehr Verletzte, „als dann noch mal ein paar Urlauber dazukamen, hatten wir plötzlich nur noch drei Auswechselspieler“, sagt der 42-Jährige.

Doch seit sie sich ausgesprochen haben und ihre Verbundenheit noch einmal enger wurde, läuft es wieder. Eine Zauberformel dafür gibt es nicht, findet der 34 Jahre alte Häring, „man muss einfach gegen jeden Gegner unabhängig vom Tabellenplatz 1000 Prozent geben“ – was die Spieler inzwischen zur vollsten Zufriedenheit ihrer Trainer machen. Und schon sehen die Ergebnisse auch wieder viel besser aus.

Als Dörsch und Häring über all das sprechen und die Sonne langsam vom Herbsthimmel verschwindet, leuchtet hinter ihnen ein 2:0 auf der Anzeigetafel. Der Erfolg gegen den ASV Veitsbronn-Siegelsdorf war der vierte Erfolg im fünften Spiel nach der Aussprache. Doch der Weg bis zu diesem 2:0 war ein weiter, das sahen die Menschen in Kalchreuth, aber auch Joao Oliveira in den USA. Thomas Dörsch lacht, als er diese Anekdote erzählt. „Joao hat mir in der Halbzeit geschrieben,was seiner Meinung nach falsch gelaufen ist“, sagt er. „Es war dasselbe, was wir in der Kabine angesprochen haben.“ Die erste Halbzeit war, abgesehen von Gierings verzückender Einlage, tatsächlich keine schöne, im zweiten Durchgang wurde das Spiel flotter, intensiver und ereignisreicher.

Die Kalchreuther waren dem 2:0 zwar immer wieder nahe, doch trotz guter Chancen wollte der Ball einfach nicht ins Veitsbronner Tor. Es brauchte dann eine zweite sehenswerte Aktion, um das Spiel zu entscheiden: Von der Mittellinie kombinierte sich der FCK durch die gegnerische Hälfte, nach einem Hackentrick war Rene Schmitt alleine durch und ließ die Menschen ein zweites Mal jubeln.

„Sehen, wo wir herkommen“

Es war ein am Ende verdienter Sieg für Kalchreuth, das dadurch wieder näher an die Spitzengruppe der Bezirksliga heranrutschte. Sechs Punkte trennen sie von den ersten beiden Plätzen, gegen die Bezeichnung „Spitzenmannschaft“ wehren sie sich trotzdem. „Das wird uns gerne von außen aufgedrückt“, sagt Dörsch, „aber natürlich ist es unser Anspruch, vorne mitzuspielen.“ Wenn es ihnen dann noch gelingt, ein paar junge Spieler weiterzuentwickeln und sie fit zu machen für die Bezirksliga, wäre Dörsch schon zufrieden. Schließlich war er schon in den Jahren als Co-Trainer dabei, in denen der FCK noch ein Kreisligist war, „man muss sehen, wo wir herkommen“, sagt er. Noch dazu in einer so umkämpften Liga, in der mancher Verein viel Geld aufwendet, um die Menschen zu verzücken.

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