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"Den anderen um Welten voraus": Der Weg von Benedikt Willert

Regionalliga

Eltern, Trainer und ehemalige Teamkollegen haben beim Profi-Debüt von Benedikt Willert mitgefiebert. Bevor er zum 1. FC Nürnberg wechselte, spielte er beim FSV Bruck und in Effeltrich. Dort sind alle sehr stolz. Aber keinesfalls überrascht.

Begrüßt vor seinem ersten Zweitliga-Spiel überhaupt die Zuschauer: Benedikt Willert durfte am Montagabend im Bochumer Ruhrstadion von Beginn an spielen.

 / © Daniel Marr/ Zink

Montagabend saß Simone Vogler bei den Willerts zu Hause. „Um sie zu beruhigen“, wie die Erlanger Fußballtrainerin sagt. Im Familienhaus herrschte große Aufregung, erstmals überhaupt spielte der Sprössling Benedikt in der zweiten Liga. Weil sich beim 1. FC Nürnberg alle etatmäßigen Torhüter verletzt hatten, gab der 18-Jährige sein Debüt im Profi-Fußball.

Simone Vogler war deshalb selbst „fertig mit den Nerven“. Die 31-Jährige kennt Benedikt Willert, seitdem er ein kleiner Junge war. Mit seinen Eltern ist sie befreundet. Vor allem aber ist die Erlangerin Schuld daran, dass Willert vom Feld ins Tor wechselte. Von seinem Heimatverein, der Spielvereinigung Effeltrich, kam Willert als Neunjähriger zum FSV Bruck. Vogler hatte da gerade seinen Jahrgang übernommen.

„Bene war immer der Größte“, sagt sie. „Er kam als Stürmer zu uns.“ Im Training aber zeigte er auch gute Reflexe, Koordination und Sprungtechnik. „Als unser etatmäßger Torwart bei einem U11-Turnier in München ausfiel, habe ich Bene ins Tor gestellt. Am Ende wurde er als bester Torwart des Turniers ausgezeichnet.“ Für seine Trainerin war das keine Überraschung. „Er war den anderen um Welten voraus.“ Tim Hentschel erinnert sich ebenfalls daran, gemeinsam mit Willert spielte er fünf Jahre lang beim FSV. „Bei gefühlt jedem zweiten Turnier hat Bene die Auszeichnung für den besten Torhüter bekommen“, sagt der 18-Jährige, der mittlerweile in der Brucker A-Jugend spielt. „Er war Kapitän, emotional, ein super Typ.“ Bei Gegentoren aber sei der Keeper immer schlecht drauf gewesen, „egal wie hoch wir gewonnen haben“.

Von der U12 an spielte Willert als Stammtorwart, schon damals hatte die Spielvereinigung Greuther Fürth erstmals angefragt. „Sein Papa war zuerst schockiert, dass Bene Torwart wird“, sagt Vogler. „Ihm selbst war das schnell klar. Er hat so viele positive Rückmeldungen bekommen.“ Doch Talent alleine reicht nicht. Vogler organisierte daher einen Torwarttrainer, seither betreut Christian Krüger den Keeper. „Er hat viel mit ihm trainiert und immer an ihn geglaubt.“ Krüger ging 2015 auch mit ins Nachwuchsleistungszentrum des 1. FC Nürnberg, am Montag ist er nach Bochum gefahren. Simone Vogler wollte zuerst mit, blieb dann aber doch in Effeltrich. „Ich habe Bene geschrieben, dass er den Moment genießen soll“, sagt sie. Zurück kam ein „Danke“ mit drei Ausrufezeichen.

Dass nun ein ehemaliger Teamkollege in der zweiten Liga spielt, „war sehr krass“, sagt Tim Hentschel. Er ist Club-Fan, diesmal aber sah er die Partie „aus einer anderen Perspektive“. In Effeltrich ging es vielen so. „Es gab zahlreiche WhatsApp-Nachrichten“, sagt Uwe Brechelmacher, der zweite Vorsitzende des örtlichen Sportvereins. Von 2006 bis 2009 trug Willert das Effeltricher Trikot. „Er hatte damals schon Wille und Einsatz“, erinnert sich der Funktionär.

„Wenn es ehemalige Jugendspieler so weit bringen, haben wir zumindest ein bisschen was richtig gemacht.“ Doch ob es Willert dauerhaft nach ganz oben schafft, müsse man abwarten. Eigentlich spielt der Keeper ja noch in der A-Jugend. Simone Vogler ist überzeugt: „Er macht seinen Weg“. Es könnte also noch viele aufregende Abende im Wohnzimmer der Willerts geben.

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