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Bauernschmitt: "Man geht mit Stolz in die Halle"

Brucker Dreikönigsturnier

Beim Brucker Dreikönigsturnier treffen sich Alt und Jung in der Halle, um Fußball zu spielen und zu sehen. So wie es immer war. Keine Veranstaltung hat mehr Tradition als die inoffizielle Erlanger Stadtmeisterschaft. Ist es der letzte Ort, an dem noch alles so schön ist wie früher? Das Interview mit Holger Müller (SpVgg Erlangen) und Maximilian Bauernschmitt (FSV Erlangen-Bruck) bemüht sich um Aufklärung.

Mit EN-Sportredakteurin Katharina Tontsch im Bild: Holger Müller (56, rechts) ist Fußball-Abteilungsleiter bei der Spielvereinigung Erlangen. Bei der Premiere des Dreikönigsturnier im Jahr 1993 gewann er mit der Spieli. Maximilian Bauernschmitt (29) kehrte vor drei Jahren zum FSV Bruck zurück, aktuell ist er auch Kapitän des Landesliga-Teams. Zuvor stand er sechs Jahre für Jahn Forchheim auf dem Platz.

 / © Katharina Tontsch

Hier geht's zur Turnierübersicht.

Früher war alles besser, der Fußball ehrlicher und die Liebe zum Verein größer. Auf allen Fußballplätzen der Stadt war das schon einmal zu hören. Doch ist das wirklich wahr? Und wenn es wahr ist, wie viel Tradition steckt dann noch im großen Erlanger Hallenturnier am Dreikönigstag? Holger Müller und Maximilian Bauernschmitt geben einige Antworten. Ein Gespräch über unterschiedliche Fußball-Generationen, Stolz und selbstgebackenen Kuchen.

Früher war alles besser, oder, Herr Müller?

Holger Müller: In der Halle dürfte es kein großer Unterschied sein. Man versucht als Trainer, die bestmöglichsten Spieler zu bringen. Allgemein ist der Fußball schneller und athletischer geworden.

Es fallen auch mehr Tore: 1993 waren es 72 insgesamt, 2019 waren es 130.

Müller: Ich war Strafraum-Spieler, dort, wo es weh getan hat. Auch im Training hatte ich harte Gegenspieler. Das waren andere Kaliber. Da ist es schon zur Sache gegangen.

Geht es jetzt noch zur Sache?

Maximilian Bauernschmitt: Ja, auf jeden Fall. Auch wenn früher schon härter gespielt wurde. Junge Spieler müssen heute da erst hineinfinden. Das dauert jetzt einfach, es wird mehr Rücksicht genommen.

Sind alle verweichlicht?

Bauernschmitt: Nein, das würde ich nicht sagen. Der Prozess, um sich an die Härte und das Zweikampfspiel zu gewöhnen, dauert einfach länger.

Ist das Brucker Dreikönigsturnier überhaupt noch eine Erlanger Stadtmeisterschaft? Viele, die mitmachen, sind ja gar keine Erlanger mehr.

Bauernschmitt: Ja, das ist tatsächlich so. Doch für mich ist es trotzdem eine Stadtmeisterschaft. Die Begehrlichkeit der Spieler, dabei sein zu können, ist bei uns hoch. Die Vorfreude ist sehr groß. Es ist ein Prestige-Turnier, es kann alles passieren. Ein, zwei Mannschaften haben immer einen Lauf. Und sehr viele Menschen sind dort, die man kennt.

Früher haben bestimmt alle darum gestritten, mitmachen zu dürfen.

Müller: Zu unserer Zeit schon, auch wenn es von Verein zu Verein unterschiedlich ist. In Eltersdorf ist es schwer, aus der Jugend in die erste Mannschaft reinzurutschen. Bei der Spieli haben wir eine sehr gute Jugendarbeit, wir haben beim Turnier fünf Mann dabei, die aus dem eigenen Stall kommen.

Der Trainer muss nicht betteln, damit die besten Spieler dabei sind? Einige Spieler gehen sicher lieber Skifahren.

Müller: Es hält sich in Grenzen. Wir müssen mit den Spielern reden, sie werden gerne angesprochen. Mir ist es wichtig, dass wir eine sehr gute Mannschaft stellen.

Man muss keine extra Prämien verteilen?

Bauernschmitt: Dazu kann ich das sagen: Bei uns bringt jeder Spieler einen Kuchen mit, wir bauen am Sonntag die ganzen Banden und alles auf. Der Verein hilft zusammen, das machen wir auch gerne.

Müller: Ich genieße dann ein gutes Leberkäs-Brötchen, schaue zu, trinke ein Bier und esse den guten Kuchen. (lacht)

Die echte Erlanger Tradition findet sich nur auf der Tribüne, wo die Altherren-Fußballer in Erinnerungen schwelgen.

Bauernschmitt: Teils, teils. Auch bei uns in der Mannschaft gibt es den ein oder anderen, der das Turnier schon mehrmals gespielt hat. Irgendwo beginnt ja eine Tradition. Mein erstes Turnier war vor zehn Jahren, das ist eine lange Zeit. Die größte Tradition sitzt zwar auf der Tribüne, doch es kommt auch etwas nach.

Um was geht es? Ruhm und Ehre?

Bauernschmitt: Auf jeden Fall. Fußball ist bei uns Leistungssport, die Menschen verfolgen das. Man möchte sich bestmöglich präsentieren. Irgendwann will man sehen, was man in seiner Karriere erreicht hat. Auch bei den Derbys, gerade haben wir in der Landesliga wieder sehr viele, geht es in diese Richtung.

Früher ging es nur um Ruhm und Ehre?

Müller: Das sind schwierige Begriffe. Doch auf Tradition lege ich sehr viel Wert. Wir sind der dienstälteste Fußballverein Erlangens. Da haben wir eine Vorbildfunktion. Alle anderen Vereine in Erlangen sind unsere Kinder. Tradition und Werte muss man leben. So ein Turnier wie das Dreikönigsturnier könnte ja nicht existieren, wenn kein Interesse, kein Fieber dabei wäre. Das geben Väter auch ihren Söhnen mit.

Bauernschmitt: Es ist ein echtes Hallenturnier, bei dem es zur Sache geht, nicht alles abgepfiffen wird, mit Rundum-Bande. Kein Futsal.

Müller: So schaut’s aus. Man muss da auch intelligent spielen.

Erfolgreichste Mannschaft ist der FSV Bruck mit 13 Turniersiegen. Macht Sie das stolz, Herr Bauernschmitt?

Bauernschmitt: In gewisser Weise schon. Ich bin ja ein alter Brucker. Mein Heimatverein ist aus der Fränkkischen, die DJK Weingarts. Dann bin ich zu Bruck gekommen. Eine Zeit lang war ich beim Club, erste Anlaufstelle danach war der FSV. Und auch nach der langen Zeit in Forchheim bin ich wieder nach Bruck. Da schlägt mein Herz im Erlanger Sport. Ich habe das Turnier auch schon gewonnen. Daher geht man mit einem gewissen Stolz in die Halle.

Die Spieli hat die Premiere gewonnen. Erinnern Sie sich noch daran, Herr Müller?

Müller: Wir hatten damals nicht so viele Hallenturniere. Der FSV Bruck hatte uns eingeladen, wir waren damals die zweithöchste Mannschaft nach dem BSC. Es war mein letztes großes Turnier für die Spieli, ich war knapp 30 Jahre alt. Ich wollte unbedingt dabei sein! Meine Tochter ist acht Tage später auf die Welt gekommen.

Das heißt Ihre Frau war sehr begeistert, dass Sie zum Hallenfußball gehen?

Müller: Natürlich nicht. Wir wussten nicht, ob meine Tochter schon an dem Wochenende kommt oder später. (lacht) Meine Frau hat dann gesagt: "Die Jana bleibt noch, mach’ mit". Ich war Feuer und Flamme. Für uns gab es ein Pokal und auch ein Brucker Handtuch.

Wie haben Sie gefeiert?

Müller: Das ist schon 27 Jahre her.

Dann war's nicht so berauschend, wenn Sie sich nicht erinnern können.

Müller. Doch, schon. Die Priorität nach dem Turnier bei mir war dann doch eher meine Frau.

Herr Bauernschmitt, wie haben Sie gefeiert?

Bauernschmitt: Der letzte Sieg ist bei mir schon lange her, ich war 2019 nicht dabei. Wir waren damals im Sportheim. Doch das Bier hat mir noch nicht so gut geschmeckt, ich musste auch aufpassen, weil ich erst frisch den Führerschein hatte. Wenn wir jetzt gewinnen, würde man schon anders feiern. Siege müssen gefeiert werden!

Wer darf am Montag feiern?

Bauernschmitt: Ich hoffe wir. Titelverteidigung ist das große Ziel.

Müller: Es dürfen alle feiern, wenn die Spieli gewinnt.

Der Erlanger Lokalsport-Podcast:

Das ganze Gespräch können Sie im Lokalsportcast - dem Sport-Podcast der Erlanger Nachrichten - hören.

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