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Lucas Markert: "Ich habe noch lange nichts erreicht"

Bayernliga Nord

Der Erlanger Lucas Markert wechselt im Sommer zu Drittligist SpVgg Unterhaching. Seine Familie unterstützt ihn und ist auch sonst ziemlich fußballverrückt.

Ab Sommer im Trikot der SpVgg Unterhaching zu sehen: Lucas Markert (rot).

 / © Sportfoto Zink

Eine Mama hat es auch nicht immer leicht. Vor allem, wenn die drei Söhne mit ihrem Vater mal wieder die Blumenkübel im Garten kaputt schießen. Doch Regina Markert hatte sich daran gewöhnt. Mittlerweile zocken ihre Kinder auch lieber an der Playstation als auf der Wiese. Zumindest zu Hause. Wenn die Jungs Fußball spielen, gehen sie nun zum ATSV Erlangen. Mutter Regina kommt immer mit, ist für ihre Söhne schon durch die halbe Republik gefahren. Und bald wird sie regelmäßig nach Unterhaching gehen.

Bei der Spielvereinigung aus dem Münchener Vorort hat Lucas Markert einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Im Sommer wird der Angreifer zum Drittligisten wechseln. „Seit wir klein waren, vier, fünf Jahre alt, haben wir immer Fußball gespielt“, sagt Lucas Markert. „Wir sind oft zum Bolzplatz um die Ecke.“ Regina Markert hat sie immer unterstützt. „Bei den Spielen bin ich sehr aufgeregt, da muss ich mich zurückhalten“, sagt sie. „Doch ich will das, mir macht es so viel Spaß, egal ob sie gewinnen oder verlieren. Die Jungs sind gute Fußballer.“ Manchmal aber musste sich Regina Markert einiges anhören, wenn sie am Fußballplatz stand. Jörg Markert und der SC Eltersdorf sind im Streit auseinander gegangen, bei manchen hatte die Familie danach einen schlechten Ruf. Ausblenden kann man das nicht immer. „Manchmal wird man schon sauer“, sagt Max Markert, Lucas’ Zwillingsbruder. Doch er könne die Meinung anderer eben nicht ändern. „Ich hatte damit zu kämpfen“, meint die Mutter. Bei einem Jugendspiel vor ein paar Jahren, als Lucas Markert eine Rote Karte gesehen hatte, wurde es richtig übel. Regina Markert wollte den Beleidigungen ausweichen, doch das Gerede war überall zu hören. Mittlerweile aber sei es besser geworden.

Max Markert hat auch Fußball gespielt, zehn Jahre lang beim SC Eltersdorf. Als Vater Jörg Markert den Verein verließ, gingen auch seine Kinder Lucas und Florian mit, Max hörte mit dem Sport auf. Das Verhältnis zwischen den zweieiigen Zwillingen ist eng, auch wenn die Interessen verschieden sind. „Wir erzählen uns viel“, sagt Lucas Markert. „Mit ihm kann ich über alles reden.“ Florian Markert spielt aktuell in der C-Jugend des ATSV. Irgendwann will er so gut werden wie sein Bruder.

Als Neunjähriger wechselte Lucas Markert in das Nachwuchsleistungszentrum der Spielvereinigung Greuther Fürth. „Es war gut“, sagt Jörg Markert, „meine Frau ist durch ganz Deutschland gefahren, er hat viele Turniere, gegen Leverkusen oder Bayern München gespielt. Doch es ist wahnsinnig schwierig, wenn man älter wird und sich der Körper entwickelt.“ Er glaubt, dass sein Sohn viel gelernt hat. Doch als der Trainer in der U15 meinte, dass Lucas Markert zu klein wäre und kaum Spielzeit bekommen würde, ging der Nachwuchsfußballer wieder zurück zum SCE.

Fünf Tore und zehn Vorlagen in 20 Spielen

Schlimm sei das nicht gewesen. „Dort waren viele Freunde.“ Das war wichtiger als alles andere. Als Kind ist das Leben manchmal leichter. So war es auch, als die Familie quasi geschlossen zum ATSV wechselte. „Meine engsten Freunde sind mitgekommen“, sagt Lucas Markert. „Und wir sind nach jedem Training in die Pizzeria.“ Dazu haben die Jugendlichen immer gewonnen und sind aufgestiegen. „Das hat Spaß gemacht.“ Vater Jörg Markert ist Antreiber und Aufpasser, er bremst seinen Sohn, wenn es sein muss, motiviert ihn aber auch. „Ich bin immer der Meinung, dass Spielpraxis in der Jugend mehr ausmacht als die Liga an sich“, sagt der Fußball-Abteilungsleiter des ATSV. „Wichtig ist, dass die jungen Spieler Spaß, Erfolg und oft den Ball haben.“ Als Lucas Markert in der Vorsaison in den Herrenbereich wechselte, spürte er das Vertrauen des Trainers, Shqipran Skeraj, und seines Vaters. 27 Bayernliga-Einsätze hatte er in seiner ersten Spielzeit.

Doch erst in dieser Runde hat sich der 19-Jährige zum Leistungsträger entwickelt. „Ich denke, dass ich das Vertrauen zurückgezahlt habe.“ Auf dem möglichen Weg zum Profi sei er „den einfachen Weg“ gegangen, „mit Spaß und Leidenschaft“. Die Vorurteile, er würde nur spielen, weil er der Sohn des Abteilungsleiters ist, „sind mir egal“. Lucas Markert sagt das mit fester Stimme, er wirkt nicht wie jemand,der zweifelt. „Ich habe in dieser Saison in 20 Spielen fünf Tore und zehn Vorlagen gemacht.“ Wenn er Kritik überhaupt an sich ran lässt, dann nur als Motivation.

„Die Mannschaft spielt eine wichtige Rolle“, sagt Jörg Markert. Erfahrene Spieler wie Ferdinand List oder Hakim Graine hätten seinem Sohn extrem geholfen. „Auch wenn ich meckere, wenn Luci nicht gut spielt“, gibt der Vater zu, „nehmen sie ihn zur Seite und sagen ihm, dass er nicht auf mich hören soll.“ Anfangs sei der Druck beim ATSV sehr groß gewesen. „Ich musste mich beweisen“, sagt Lucas Markert. Sein erstes Herrenspiel war ausgerechnet das Derby gegen Eltersdorf. „Da habe ich schon gedacht: Was geht hier ab?“ Doch auf seinen Armen steht es tätowiert: „Keep the faith“, bewahre den Glauben. Daneben Flügel wie sie auch Leverkusens Profi Karim Bellarabi hat. Er ist ein Vorbild, das größte Vorbild für Lucas Markert aber ist Cristiano Ronaldo, der wohl beste Fußballer der Welt. Der Erlanger hat nun selbst die Chance Profifußballer zu werden.

Die Verantwortlichen aus Unterhaching entdeckten ihn im Pokalspiel vor eineinhalb Jahren. „Danach haben sie öfter zugeschaut“, sagt Regina Markert. Doch erst als ein offizieller Anruf des Drittligisten bei Jörg Markert einging, wurde es der Familie bewusst. Das war im Herbst. „Ich dachte nicht, dass es so schnell geht“, sagt Sohn Lucas. Ende November war er für drei Tage in Unterhaching, eine Woche später noch einmal zwei Tage. „Es lief alles sehr professionell“, sagt Jörg Markert. „Sie sehen in Luci wirklich etwas für die Zukunft.“ Als Lucas Markert das allererste Mal nach Unterhaching fuhr, wollte er die Erfahrung mitnehmen und Profi-Luft schnuppern. Am ersten Tag saß Sercan Sararer neben ihm auf der Bank. Der ehemalige Fürther Aufstiegsheld machte ebenfalls ein Probetraining beim Drittligisten. Angst hatte Lucas Markert nicht. „Ich war sehr aufgeregt, doch alle haben mich gut aufgenommen.“ Die erste Einheit allerdings sei sehr anstrengend gewesen, das Tempo ist viel schneller. „Es ist wirklich ein sehr gutes Niveau.“ In der Wintervorbereitung trainierte der Erlanger immer wieder bei Haching mit, auch im Trainingslager in Cadiz war er dabei.

Jörg Markert: "Fußball ist ein Ergebnissport, die Trainer schauen auch alle auf sich."

Seine Familie hat er jeden Abend angerufen, schließlich haben alle mitgefiebert. „Ich gönne es ihm von ganzem Herzen, er hat es sich verdient“, sagt Regina Markert. Im Sommer zieht Lucas Markert zum ersten Mal von zu Hause aus. Schon jetzt streiten die Brüder um sein Zimmer. Am Ende aber werden die Familie und die beiden großen Hunde Buddy, der jeden Abend bei Lucas Markert im Bett schläft, und Amy ihn vermissen.

„Ich weiß nicht, ob man das als Mutter seinem Sohn wünscht.“ Regina Markert meint das Geschäft Profifußball. „Es ist schwierig, sich da durchzukämpfen.“ Auch Vater Jörg ist das bewusst: „Fußball ist ein Ergebnissport, die Trainer schauen auch alle auf sich. Unterhaching ist da im Vergleich noch familiär.“ Noch viel familiärer geht es an der Paul-Gossen-Straße zu. Nach einer akzeptablen Hinrunde kann der ATSV Erlangen wohl mit einem weiteren Jahr in der Bayernliga planen. Im Trainingslager in Belek hat sich die Mannschaft intensiv vorbereitet. Für Lucas Markert war es das zweite Mal in dieser Winterpause. Für die Restrunde hat er sich vorgenommen, fünf weitere Tore zu schießen. Abheben wird er trotz seines Drittliga-Vertrags nicht. „Ich habe noch lange nichts erreicht.“ Und wenn doch ein paar Star-Allüren drohen, wird es ihm sein Vater schon sagen.

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