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Simon Adlung will die Saison zu Ende spielen: "... sonst gibt es nur endlose Diskussionen"

Bezirksliga Nord

Peter Straußner (FC Ottensoos) und Simon Adlung (SV Gutenstetten-Steinachgrund) stellen sich zum "Corona-Interview". Bei der Frage, wie es im Amateurfußball weitergehen soll, gehen die Meinungen der beiden Leistungsträger auseinander.

Sehen unterschiedliche Lösungswege bei der Corona-Krise: Ottensoos-Kapitän Peter Straußner (links) und sein Gutenstettener Kollege Simon Adlung

 / © Sportfoto Zink (Montage: nbA)

In der Bezirksliga Nord wären die restlichen Spiele sehr spannend geworden. Gutenstetten rangiert auf dem zweiten Tabellenplatz, hat jedoch ein Spiel weniger auf dem Konto und könnte durch einen Sieg mit Tabellenführer Türkspor/Cagrispor nach Punkten gleichziehen. Aufsteiger Ottensoos steht auf einem direkten Abstiegsplatz, wollte in den verbleibenden Partien nochmal alles für den Klassenerhalt geben. Doch kann die Saison 2019/20 überhaupt noch zu Ende gespielt werden oder wie soll sie gewertet werden? Wir haben Gutenstettens Kapitän Simon Adlung sowie Ottensoos Torjäger Peter Straußner zur aktuellen Situation befragt.

Einige harte Wochen Vorbereitung habt ihr hinter euch gebracht, um dann doch nicht starten zu können. Wie geht ihr in der Mannschaft damit um und wie versucht ihr euch einigermaßen fit zu halten?

Simon Adlung: Ja, das ist natürlich für uns alle sehr blöd gelaufen. Wir als Team haben uns im Trainingslager wirklich gut vorbereitet und bis zuletzt gehofft, doch noch spielen zu können. Es gibt aber natürlich in diesen Tagen Wichtigeres als Fußball. Die Zeit ohne Fußball ist aber trotzdem ungewohnt, und irgendwie vermisst man was. Wir selbst versuchen alles, um uns fit zu halten, jeder individuell mit verschiedenen Läufen und Stabi-Übungen. Es ist logischerweise nicht das gleiche wie im "normalen" Fußballtraining. Die Belastung ist einfach eine andere. Dazu kommt noch, dass ich keinen Fußballer kenne, der ohne Ball gerne laufen geht, aber es gehört leider dazu.

Peter Straußner: Tatsächlich wären wir am 15. März gegen Buckenhofen gerne in die Rückrunde gestartet. Die Vorbereitung unter unserem Interimscoach Andi Dotzler war sehr intensiv, aber wir hatten sehr viel Spaß in der Truppe, wodurch die Trainingsbeteiligung überragend war. Bis zu diesem Wochenende sollte sich jeder erstmal selbst fit halten. Ab Montag wird es auch bei uns eine kleine Lauf-Challenge bis zum 1. Mai geben. Die Mannschaft wurde in drei Teams aufgeteilt, und jeder geht für sich selbst laufen. Unser Coach schreibt die Ergebnisse zusammen, und das Team, dass am 1. Mai die wenigsten Kilometer hat, muss ein Kabinenfest organisieren und bezahlen.

Seit Wochen sind die Sportplätze gesperrt, auch im Fernsehen ist kein Sport mehr zu sehen. Wie verbringt ihr die Zeit zu Hause?

Adlung: Das ist wiederum eine schöne Nebensache, mehr Zeit zu Hause für die Familie und vor allem für die Kinder zu haben. Sonst bleibt ja nicht mehr viel, außer sich von Serie zu Serie zu hangeln, also netflixen.

Straußner: Vorab, es ist sehr langweilig im Moment. In der jetzigen Zeit merken wir erstmal, was uns allen der Fußball und das ganze Drumherum bedeutet. Deshalb sieht mein Tagesablauf auch nicht so spannend aus. Arbeiten (derzeit auch im Homeoffice), Netflix, PlayStation, Essen und ab und zu dann doch mal joggen ...

Was vermisst ihr in dieser Zeit am meisten?

Adlung: Auf gewisse Art und Weise vermisst man schon seine Jungs und vor allem das Spiel am Wochenende, wo man auch danach noch ein wenig zusammen sitzen kann. Dazu kommt, dass man in dieser aktuellen Sondersituation einfach nicht raus kann und eben ein Stück Freiheit verloren hat.

Straußner: Wir haben derzeit eine überragende Kameradschaft in der Truppe, deswegen ganz klar die Jungs. Die Gespräche und das Zusammenhocken mit einem Bierchen nach dem Training in der Kabine fehlt schon extrem. Aber natürlich auch privat das komplette soziale Umfeld, das fehlt auch. Familienbesuche sind beschränkt, mit Freunden was unternehmen und so weiter. Wir können nur hoffen, dass sich die Situation in zwei Wochen wieder etwas entspannt. Wobei die derzeitigen Maßnahmen das einzig Richtige für uns alle sind.

Englische Wochen, aktueller Tabellenstand, Hinrundentabelle, Annullierung der Saison, Playoffs... Im Moment wird natürlich viel diskutiert, wie und ob es überhaupt weitergeht. Ist es möglich, die aktuelle Saison noch zu Ende zu spielen? Was wäre für euch die beste beziehungsweise fairste Lösung?

Adlung: Für uns wäre es wirklich sehr ärgerlich, die Saison nicht zu beenden. Es wird so oder so Härtefälle geben, aber am fairsten, denke ich, wäre es, die Saison irgendwie zu Ende zu bringen. Wie auch immer das aussehen mag. Aus meiner Sicht ist es für alle Beteiligten das Sportlichste, weiter die Saison zu Ende zu spielen. Wir haben nicht die Probleme uns an irgendwelche internationalen Spiele oder Termine zu halten wie in den Profi-Ligen. Von daher sollte man eben die kommende Sommer- beziehungsweise auch die Winterpause ein wenig kürzer halten. Vom Wetter her würde es allemal gehen. Da es ja nur noch knapp zehn Wochen beziehungsweise Spieltage sind, sollte es doch möglich sein. Bei allen anderen Möglichkeiten (annullieren, aktuellen Stand nehmen) gibt es immer viel "hätte hätte hätte" ... und eben nur endlose Diskussionen. Aber bei allen sportlichen Ansichten ist es natürlich das Wichtigste, dass wir durch diese schwere Phase gemeinsam und vor allem gesund kommen. Das ist das absolut Wichtigste! Ich wünsche allen das Beste und dass wir uns bald wieder auf dem Fußballplatz sehen können.

Straußner: Schwierige Frage, ich persönlich denke nicht, dass diese Saison noch zu Ende gespielt werden kann. Wie man beispielsweise diese Woche in den Medien gelesen hat, wurde in England die komplette Saison der Amateurligen annulliert und im Sommer wird nochmal neu mit der Saison begonnen. Für uns wäre das natürlich eine gute Lösung, wobei ich schon sagen muss, dass ich das schier Unmögliche gerne auf dem Sportplatz versucht hätte. Letztendlich wird es bei der Entscheidung immer Gewinner und Verlierer geben. Wir müssen das zum Glück nicht entscheiden und müssen das so hinnehmen, wie es kommt. Im Moment rückt der Fußball aber zu Recht in den Hintergrund, deswegen allen viel Gesundheit und viel Kraft denjenigen, die im Moment leider schon betroffen sind.

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