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Profi- vs. Amateurfußball: Die dürfen spielen - und wir nicht?!

Unverschämtes Sonderrecht? Meinungen gehen auseinander

Während das ganze Land noch den Corona-Lockdown verkraften muss und Sportplätze gesperrt sind, könnten Fußballer bald schon wieder mittendrin stecken im Bundesliga-Alltag. Vielleicht sogar schon in wenigen Wochen. Ein unverschämtes Sonderrecht? Die Meinungen der Basis gehen auseinander.

Geht es nach den Bundesliga-Vereinen, könnten im Mai für sie schon wieder weitermachen. Auch der 1. FC Nürnberg dürfte dann im Frankenstadion Geisterspiele austragen. 

 / © Sportfoto Zink

Schwindelerregende Summen

„Das ist schon schwer vermittelbar, dass die Fußballprofis alle drei Tage getestet werden sollen und gleichzeitig die Tests für Menschen in Pflegeberufen knapp sind und diese zudem eine Woche lang auf das Ergebnis warten müssen“, findet Jörg Kemmitzer, Trainer des SV Ermreuth aus der Kreisliga Erlangen/Pegnitzgrund 2. Diese Sonderbehandlung könne man den Leuten kaum erklären, zumal man doch davon ausgehen müsse, dass sich die Einschränkungen im täglichen Leben für alle noch länger hinziehen werden. Als Fußballer könne er zwar nachvollziehen, dass die Verantwortlichen der Profivereine alle Möglichkeiten ausschöpfen wollen, um den Betrieb wieder ins Laufen zu bringen. Da gehe es eben um extrem viel Geld. Kemmitzer: „Ich habe gehört, es geht um 750 Millionen Euro, da ist mir schon ganz schwindlig geworden.“ Angesichts dieser Summen suche man natürlich nach Lösungen. Für die Kreisliga sieht er allerdings schwarz: „Ich gehe davon aus, dass die Saison gelaufen ist.“ Das sei auch in Ordnung, auf diesem Niveau habe die Gesundheit einfach Vorrang.

„Da hängt ganz viel dran“

Der Trainer des SC Eltersdorf, Bernd Eigner, war früher selbst Profi. Jetzt ist er mit seinem Team zum Zuschauen verdammt. Trotzdem sagt er: „Bei den Profis hängt ganz viel dran, die Fernsehgelder sind ein Stück weit überlebenswichtig“, sagt Eigner. Geisterspiele seien daher legitim, auch wenn das richtige Fußball-Gefühl dabei nicht aufkommen könne. „Eher müsste man sagen: Wenn es bei Fußballprofis eine Ausnahmegenehmigung gibt, sollte es das nicht auch für Friseure oder andere kleinere Läden geben?“ Nach wochenlangen Ausgangsbeschränkungen sei es wichtig, „ein Stück weit Ablenkung in den Alltag einfließen zu lassen“. Fußball als die schönste Nebensache der Welt, Eigner sehnt sich danach. Mit seinem Bayernliga-Team hat er Chancen auf den Aufstieg, wenn die Saison irgendwann weitergeht. Denn dass es weitergeht, da ist sich Bernd Eigner sicher.

Die Enttäuschung eines Fans

Manfred Schmidt, der langjährige Nachwuchsleiter des ASV Weisendorf, ist seit Kindertagen ein Fußballfan. Aber die Entwicklung im Profibereich gefällt ihm nicht mehr, auch das Agieren in der Corona-Krise enttäuscht ihn. „Die Schere zwischen Profis und Amateurfußball geht immer weiter auseinander“, findet Schmidt. „Wir erleben alle gerade eine große Gesundheitskrise. Für mich ist das keine Vorbildfunktion, tausende von Tests zu verwenden, die man anderswo viel dringender benötigen würde.“ Zumal Spiele ohne Zuschauer, wie sie momentan ab Mai angedacht sind, nichts mit dem Fußball zu tun haben, wie Schmidt ihn sich wünscht. „Zum Fußball gehören Emotionen und Fans. Bei den letzten Geisterspielen im Fernsehen habe ich ausgeschaltet.“ Er glaubt aber nicht, dass es nun schwerer werde, seinen Nachwuchskickern zu erklären, warum sie gerade nicht spielen dürfen, die Profis aber schon: „Enttäuscht werden eher die Väter sein, wenn sie ihre geliebte Bundesliga nicht so sehen können, wie sie es gewohnt sind.“ Im Amateurfußball hofft der Nachwuchsleiter darauf, dass der Verband womöglich eine Gelegenheit nutzt: „Vielleicht sollte man überlegen, ob man den Erwachsenenfußball künftig nicht von März bis November spielen lässt. Momentan spielen wir nicht im Sommer, obwohl die Rahmenbedingungen da am Besten sind.“

Keine Einwände, keine Extrawurst

„Das ist ja deren Arbeit, sie verdienen damit viel Geld“, sagt Mesut Kimiz. Der Teammanager des Landesligisten SpVgg Jahn Forchheim hält es für berechtigt, dass die Profivereine so langsam ihren „Betrieb“ wieder hochfahren. Das sei bei den Profis ja deutlich anders als bei den Amateuren. Diese Topvereine könnten die Spieler individuell besser abschotten und schützen als beispielsweise sein Jahn. Kimiz: „Wenn die in Kleingruppen trainieren und ohne Körperkontakt arbeiten, ist aus medizinischen Gründen nichts dagegen einzuwenden.“ Kritisch sieht er jedoch die Möglichkeiten der Profis, regelmäßig und schnell an Corona-Tests heranzukommen. So lange bundesweit noch Engpässe bestünden, habe es ein „Gschmäckle“, wenn Fußballstars da besser behandelt werden als zum Beispiel Krankenschwestern oder Ärzte. „Gerade jetzt sollten alle Solidarität zeigen – auch die Bundesligaprofis. Die sollten besser darauf verzichten, die Extrawurst gebraten zu bekommen“, findet Mesut Kimiz.

Gesundheit, Arbeitsplätze und dann erst der Sport

Wenn es um die großen Themen im Fußball geht, ist im Fürther Fußballkreis Özcan Gündogan ein dankbarer Ansprechpartner. Der Trainer des TSV Roßtal verfolgt die Bundesliga genauso aufmerksam wie seine Kreisklasse 3. Und so hat er sich bereits vor dem Anruf der Redaktion eine Meinung gebildet zur Sonderstellung des Profifußballs während der Corona-Krise. „Was bleibt hängen? Dass es um sehr viel Geld geht.“ Er gebe jedoch zu, dass er die Forderung, bald wieder zu trainieren, einordnen könne: „Wenn Vereine insolvent gehen sollten, hängen da so viele Arbeitsplätze dran. Ich selbst habe Personalverantwortung für 100 Leute. Ich kenne das Gefühl, einem Vater mit drei Kindern in die Augen zu schauen und seine Angst zu spüren, wie es weitergeht.“ Dennoch finde er es „verwerflich“, über Tests von Bundesligaspielern nachzudenken, während sie derzeit woanders fehlen. Die Prioritäten sind: Gesundheit, Arbeitsplätze und dann erst der Sport. Denn ich vermisse meinen Sport extrem, und er dient auch dem mentalen Ausgleich. Leider rede jedoch in der Krise kaum jemand darüber, dass es auch für Vereinswirte von Amateursportvereinen gerade um die Existenz gehe.

„Auch nach Wochen noch ein bisschen surreal“

Auch nach mehreren Wochen Corona fühlt sich das Leben für Serdar Dinc noch „ein bisschen surreal“ an. Eigentlich hätte er am Sonntag mit seinem SC Germania Nürnberg beim TB Johannis 88 gespielt, nach dem Abstieg aus der Kreisliga im Vorjahr führt Dinc‘ Mannschaft die Kreisklasse 3 derzeit an. Im Winter sind sie sogar ins Trainingslager gefahren, um sich bestmöglich auf die Rückrunde vorzubereiten. Es war, das wissen sie mittlerweile, zwar schön – aber auch unnötig. Denn an Fußball ist nicht zu denken, „es ist eine ganz schwierige Zeit“, sagt Dinc, der versteht, dass der Profifußball so schnell wie möglich weitermachen will. „Jeder Fußballer will raus und kicken, ganz egal ob Profi oder A-Klasse“, so der 44-Jährige. „Zu beurteilen, dass die einen wieder dürfen und die anderen nicht, steht mir aber nicht zu.“ Wann er mit seiner Mannschaft wieder auf den Platz darf, wann (und ob) sie weiter um den Aufstieg kämpfen dürfen, weiß Serdar Dinc natürlich nicht. Es ist allerdings auch nicht das Wichtigste für ihn – zumindest nicht in diesen Tagen. „Wir müssen die ganze Situation in den Griff bekommen, mit so wenig Schaden wie möglich“, sagt er. „Alles andere ist doch einfach nur die schönste Nebensache der Welt.“

Ohne Auswirkung nach unten

Beim TSV Lonnerstadt aus der Kreisliga Erlangen/Pegnitzgrund 1 versuchen sie, auch in der Krise zusammenzuhalten. Der Trainer verzichtet freiwillig auf Gehalt, ansonsten ist Spielleiter Paul Bruckmann froh, dass seine Spieler kein Geld fürs Kicken bekommen. „Wir stehen auf gesunden Beinen“, sagt er – und bemitleidet seine Fußballer, die gerne spielen würden, aber es natürlich nicht tun. „Die sitzen jetzt zuhause und kicken den Ball gegen die Hauswand.“ Dass die Profis ab Mai gerne weiterspielen würden, kann er trotzdem nicht gutheißen. „Klar, geht es um viel Geld, deshalb heißt es ja Profifußball. Aber die ganze Wirtschaft leidet. Und der Fußball bildet sich da Sonderrechte ein, das finde ich nicht okay“, sagt Bruckmann. Er geht dennoch fest davon aus, dass die Bundesligen weitermachen werden – aber ohne große Auswirkungen nach unten. „Ich glaube, da wird es bei Auf- und Abstieg zwei unterschiedliche Systeme geben.“ Doch ganz ohne Schwierigkeiten dürfte auch das nicht ablaufen: „In der Regionalliga geht es dann um den Aufstieg in den Bezahlfußball. Das wird nicht einfach, das zu regeln.“

„Solange es gesundheitlich zulässig ist“

Dem 1. FC Kalchreuth geht es ganz gut, ob und wann die Saison fortgesetzt wird oder nicht - im Tabellenmittelfeld kann man die Ungewissheit leichter aushalten. Markus Giering, Kapitän der Bezirksliga-Mannschaft des FCK, hat daher auch Verständnis für die Profis, die bereits wieder trainieren dürfen. „Am Profifußball hängen viele Jobs, es ist eine Wirtschaftsbranche, die schauen muss, wo sie bleibt.“ Auch die Almkicker machen sich Sorgen um ihre Sponsoren, ums Finanzielle. „Aber in der Regionalliga oder Bayernliga stecken andere Kosten dahinter, bei uns spielt sich alles in niedrigstelligen Summen ab, wir haben keine Spielergehälter.“ Giering vertraut den Experten und Politikern. „Solange es gesundheitlich zulässig ist“, sind Geisterspiele in Ordnung. „Andere Branchen dürfen auch arbeiten.“ Selbst jedenfalls würde sich der Kalchreuther freuen, wenn man wieder Fußballspiele sehen kann. Aktuell macht er den Fernseher gar nicht erst an.

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