Das Amateurfußballportal für Mittelfranken
Partner im
Amateurfußballnetzwerk
Partner im Amateurfußballnetzwerk

Seligenporten-Coach Gerd Klaus: Zwischen Trainingsplänen und Brettspielen

Bayernliga Nord

Die Nachricht ließ Kenner des heimischen Amateurfußballs aufhorchen, als Bayernligist SV Seligenporten bekannt gab, für die Saison 2019/20 Gerd Klaus als neuen Trainer verpflichtet zu haben. Klaus? Die Klosterer? Da war doch was gewesen.

Die Arbeit auf dem Platz ist das Leben von Gerd Klaus. Wann es dort weitergeht, steht in der Sternen.

 / © Sportfoto Zink

„Klar ist es am Anfang ärgerlich, wenn du deinen Vertrag nicht verlängerst, woanders unterschreibst, und sie dich dann entlassen.“ So beschreibt Gerd Klaus die Situation im Februar 2007, als er beim damaligen Bayernligisten SV Seligenporten nach anderthalb Jahren Trainertätigkeit bekannt gegeben hatte, im Sommer darauf zum FSV Bruck zu wechseln. Die Folge: Die Klosterer setzten ihm umgehend den Stuhl vor die Tür. „Es gab aber keinen Groll mehr, wir haben damals nach einer gewissen Zeit wieder telefoniert und seither einige Bierchen miteinander getrunken“, erzählt Klaus. Und: „Es waren ja schöne Jahre in Seligenporten, es war mit die schönste Station, die ich erlebt habe.“ Der SVS war die erste Trainerstation von Klaus gewesen, nachdem der Eckenhaider zunächst in der Jugend beim 1. FC Nürnberg und den Club-Amateuren, danach in der Regionalliga und Bayernliga beim FC Augsburg, TSV Vestenbergsgreuth, SC Weismain, SC Feucht und der SG Quelle Fürth gespielt hatte. Für die angestrebte Profikarriere hatte es – anders als bei seinem Bruder Fred (1. FCN, Hamburger SV, 1. FC Köln, FC St. Pauli) – nicht gereicht.

„Vielleicht war ich technisch zu schlecht und zu langsam“, sieht er heute die Gründe dafür. Größere Erfolge hat er als Trainer vorzuweisen: Mit Bruck (2007 bis 2012) stieg er 2008 in die Bayernliga auf, mit dem FC Schweinfurt 05 (2012 bis 2017) klopfte er in der Regionalliga mehrfach ans Tor der 3. Liga.

Bei den Schnüdeln war der 49-Jährige zuletzt als Sportlicher Leiter tätig, was ihn auf Dauer aber nicht befriedigte. „Der Trainerjob liegt mir mehr, ist mir einfach wie auf den Leib geschnitten, weil ich gerne den Kontakt zu den Spielern habe.“ Als Funktionär habe ihm das Adrenalin während der Spiele gefehlt, ebenso die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. „Es ist ein schlauer Job, macht keinen Stress, es ist irgendwo leicht verdientes Geld“, formuliert er es zugespitzt. „Klar hat man Aufgaben, aber nicht diese wöchentliche Stresssituation mit Gewinnen, Verlieren – egal, ob in der Bayern- oder Regionalliga oder in der Kreisklasse. Diese Anspannung hast du in jeder Klasse.“ Die Adrenalinschübe waren in dieser Saison ausgeprägt, liegt Seligenporten doch in der Bayernliga Nord auf Platz drei mit einem Spiel und einem Punkt weniger als der regionale Rivale SC Eltersdorf als Zweiter. Auf Primus DJK Vilzing fehlen drei Zähler bei einer weniger ausgetragenen Partie. „Und gegen beide spielen wir noch“, ist Klaus durchaus optimistisch. Für den Fall, dass die Saison wirklich zu Ende gebracht werden sollte.

Doch wie seine Kollegen steckt der frühere Offensivakteur in der Corona-Falle, wie er am Telefon erzählt. Seine Spieler versorgt er allwöchentlich mit Trainingsplänen, kann deren Umsetzung per Pulsuhr auch kontrollieren. In seinem Haus in Eckental-Eckenhaid hat er sich einen Fitnessraum eingerichtet, geht mit dem Hund spazieren und kann seiner Frau und den beiden Töchtern mehr Zeit als sonst widmen. „Wir haben Brett- und Kartenspiele wieder hervorgekramt.“ Der digitale Unterricht mit Tochter Charlotte ruht während der Osterferien.

Und er hat Zeit zum Nachdenken. Zwar hat Klaus während seiner Aktivenzeit und in den meisten Trainerjahren nur vom Kicken gelebt, doch der gelernte Kfz-Mechaniker, der mit 32 Jahren auf Industriekaufmann umschulte, war zwischendurch auch sechs Jahre im Einkauf eines fränkischen Unternehmens tätig. Und denkt jetzt ernsthaft darüber nach, neben dem Fußball vielleicht wieder ins Berufsleben einzusteigen: „Es hat mir damals Spaß gemacht – und im Fußball ist man schon sehr abhängig von Erfolg oder Misserfolg.“

Mehr zum Thema