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Seligenporten, Adelsdorf und Schalkhausen: In unterschiedlichen Sorgen-Dimensionen

Amateurfußball in Corona-Zeiten

Die Lage im Amateurfußball: Welche Spuren hinterlässt die Zwangspause beim SV Seligenporten, beim SC Adelsdorf und beim SV Schalkhausen?

Danach sehen sich derzeit alle Fußballer: Einfach wieder auf den Platz gehen zu dürfen - so wie hier der SV Seligenporten (rote Trikots) gegen den ATSV Erlangen. 

 / © Roggenthin

Nein, nicht alles ist gerade schlecht. Die Spitze des Bayerischen Fußball-Verbands mit seinen rund 1,6 Millionen Mitgliedern findet, dass die Coronakrise auch positive Seiten hat, etwa für: die Sportplätze. "Zumindest der Rasen profitiert von der geringeren Belastung zur Hauptwachstumszeit" schreibt der Verband auf seiner Internetseite, "ebenso sinkt der Bedarf an Markierfarbe deutlich".

Wieviel jeder der rund 25.000 im BFV zusammengeschlossenen Vereine durch den geringeren Bedarf an Linienweiß einspart, schreibt der BFV nicht, auch beim SV Seligenporten (Kreis Neumarkt/Jura) ist das minimale Plus wohl kaum spürbar. Der ambitionierte Nord-Bayernligist bewegt sich gerade in ganz anderen Sorgen- Dimensionen; seit dem 16. März ist kein Training mehr und das wird in nächster Zeit auch so bleiben. Die semiprofessionellen Strukturen sind trotzdem ein ordentlicher Kostenblock, wenn auch mittlerweile ein etwas kleinerer als noch vor ein paar Wochen.

Die Regionalliga lockt

Die Trainer und Spieler, so viel lässt Geschäftsführer Karl-Heinz Tischer durchblicken, seien zu einem Gehaltsverzicht bereit, "wir sind schon ziemlich weit"; sein SVS, dessen erste Fußballmannschaft vor knapp zwei Jahren den Hauptverein als GmbH verlassen hat, muss gerade trotzdem auf jeden Euro schauen. Richtig teuer zu stehen könnte die "Klosterer" ein möglicher Saison-Abbruch kommen. Die aktuell gute Ausgangsposition in der Tabelle wäre dahin, ein Punkt trennt den Dritten vom Zweiten, drei Punkte sind es bis Platz eins. Bei einem Spiel Rückstand. Die angestrebte, weil durchaus lukrative Rückkehr in die Regionalliga Bayern wäre erst mal auf unbestimmte Zeit verschoben. "Fatal" für seinen Verein wäre es für Tischer, wenn die laufende Runde im September nicht fortgesetzt, sondern eine neue angefangen werden würde. Bis Mittwoch möchte der BFV entschieden haben, nach vorheriger Rücksprache mit den Klub-Verantwortlichen. Wie man hört, tendieren Abstiegskandidaten in den meisten Klassen eher zur sofortigen Beendigung samt Annulierung und Aufstiegskandidaten eher zur Wiederaufnahme. Logisch eigentlich. So oder so brechen beim SV Seligenporten bis Ende Mai die Einnahmen aus fünf Heimspielen weg, selbst bei einem Zuschauerschnitt von nur knapp 300 eine locker fünfstellige Summe. Dass zeitnah sogar die Insolvenz drohen könnte, dementiert Tischer allerdings energisch. "Ich gehe davon aus, dass wir das hinkriegen", er meint die Aufrechterhaltung des Betriebs. Unter anderem mit finanzieller Unterstützung durch den Bayerischen Landessportverband (BLSV). 

Auch der Nord-Bezirksligist SC Adelsdorf (Kreis Erlangen/Pegnitzgrund) hat sämtliche Schäden bereits hochgerechnet und ins digitale Meldesysten des BLSV eingetragen. Fast 1100 Mitgliedern zählt der SCA und bietet laut Internetseite "tolle Sportangebote für Jung und Alt, für Singles und Familien". Also normalerweise. Zurzeit natürlich nicht. Vorstand Volker Höfer fasst die Auswirkungen der Coronakrise wie folgt zusammen: "Der Verein liegt brach, es betrifft ja alle Abteilungen." Und somit nicht nur die Fußballer, die mit 33 Punkten im gesicherten Mittelfeld stehen und wohl weder auf- noch absteigen könnten. Dennoch plädiert Höfer aus Fair-Play-Gründen für einen Restart ab September. "Besser als gar keine Spiele", sagt Höfer, dessen SC Adelsdorf, Stand heute, wirtschaftlich mit einem blauen Auge davonkommen würde. Weil die Sportgaststätte geschlossen ist, könnten eines Tages zwar Mieteinnahmen wegbrechen, auch die Fußballer verursachen laufende Kosten, freilich in vergleichsweise überschaubarer Höhe. Dass der SC Adelsdorf traditionell auf den eigenen Nachwuchs setzt, macht sich jetzt richtig bezahlt. Die Identifikation mit dem Verein ist wahrscheinlich größer als an anderen Standorten, ebenso die Hilfsbereitschaft. "Ich kann mir durchaus vorstellen", sagt Vorstand Höfer, "dass es auch Bezirksligisten gibt, die in nächster Zeit richtige Probleme bekommen könnten." Je weniger Geld im Verein unterwegs ist, umso größer ist selbst mittelfristig die Gelassenheit. 

Beim Kreisklassisten SV Schalkhausen (Kreis Nürnberg/Frankenhöhe), beheimatet in einem Stadtteil von Ansbach, wartet man einfach ab, was die Zukunft so bringt. Weil die "Erste" mit drei Zählern Vorsprung zurzeit Erster ist, geht die Tendenz natürlich eindeutig zur Austragung der verbleibenden zwölf Spieltage ab September. Wenn es anders kommen sollte, würde die Welt auch nicht untergehen. Stattdessen versuchen sie beim SV Schalkhausen, im Frühjahr 2020 vor allem für andere, für Schwächere in der Gesellschaft da zu sein. "Wir können nicht trainieren – aber helfen!", so lautet das Motto, auf Wunsch werden von den Spielern Einkäufe oder andere Botengänge erledigt. An Fußball denkt zurzeit kaum jemand an der Geisengrunder Straße. Kosten verursacht insbesondere der Unterhalt des Sportgeländes; sämtliche Trainer würden in der Auszeit hingegen freiwillig auf ihre Bezüge verzichten, sagt der Vorsitzende Oliver Vogel. Was die Schalkhäuser ein wenig drückt, ist ihr 50-jähriges Gründungsjubiläum. Am 26. und 27. Juni wollten sie das eigentlich gebührend feiern. Vogel erzählt von beträchtlichen Storno-Gebühren, außerdem befürchtet er wegen ausfallender Kurse in anderen Abteilungen einen Mitgliederschwund, aber was soll's. "Jetzt wird uns vielleicht auch bewusst, was einem wirklich wichtig im Leben ist", sagt Vogel, vor allem das Miteinander. Selbst wenn es mal nicht möglich ist. Noch so eine positive Erkenntnis aus der Coronakrise. Neben der eingesparten Markierungsfarbe.

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