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Von "Gehirnwäsche" bis "Vollkatastrophe": Landesligisten gehen mit BFV hart ins Gericht

Landesliga Nordost

Eine bemerkenswerte Stimmungsverstärkung gibt es im Lager der Nordost-Landesligisten zum Saisonabbruch. Ergab das erste Meinungsbild, das der Bayerische Fußball-Verband (BFV) am 19. April einholte, mit 10:8 für einen Saisonabbruch fast ein Unentschieden, zeigt jetzt eine Umfrage unter den 18 Vereinen mit 16:2 ein deutliches Votum. Mit Ausnahme des FSV Stadeln und des TSV Buch senkte das Gros der Vereine den Daumen und plädiert für einen Neustart im September.

Die Saison wird weitergehen - die Teams sind wenig begeistert von der Entscheidung.

 / © Zink

Für den Abbruch plädieren:

Bernd Nürnberger (1. Vorsitzender FC Vorwärts Röslau): „Wenn ich wüsste, dass ab September sicher wieder gespielt werden kann, dann würde ich nach heutigem Kenntnisstand für einen Abbruch stimmen. Wir werden auch nicht in Kleingruppen trainieren, weil das keinen Sinn macht.“

Thorsten Schirmer (Spielleiter TSV Neudrossenfeld): „Bei uns hat sich nichts geändert. Wir hatten schon für Abbruch gestimmt — und das ist auch heute noch unsere Meinung. Es gibt einfach zu viele ungeklärte Fragen bei einer Saisonfortsetzung.“

Uwe Schüttinger (Sportvorstand SpVgg Jahn Forchheim): „Wenn wir die Saison bis Ende August zu Ende gebracht hätten, dann wäre ich prinzipiell fürs Weiterspielen gewesen. Aber ab September weiterzuspielen, ist absoluter Käse. Die Transferregelung ist nicht klar und außerdem ist schon jetzt die Luft raus, weil die meisten Vereine schon seit einem halben Jahr nicht mehr gespielt haben.“

Wolfgang Guttropf (Abteilungsleiter TuS Feuchtwangen): „Meine persönliche Meinung war, wir sollten weitermachen. Aber es gibt zu viele Ungewissheiten, daher bin ich für einen sauberen Schnitt und den gibt es nur bei einem Abbruch.“

Thomas Wagner (Abteilungsleiter Baiersdorfer SV): „Wir würden nach wie vor für Abbruch stimmen. Die Thematik Transfers ist zu komplex, da gibt es keine saubere Lösung. Ich denke auch noch an den Nachwuchsbereich, da werden die Spieler ja auch älter in ihren Altersgruppen.“

Jakob Schleicher (Sportlicher Leiter Kickers Selb): „Ich habe die Saison 2019/20 schon abgehakt. Es gibt nur eines und zwar den sofortigen Abbruch. Alles andere macht doch keinen Sinn. Vielleicht kann ja die neue Saison schon ab August gespielt werden. Die Zuschauer sollte man dann auf 200 pro Spiel begrenzen.“

Roland Eckert (Abteilungsleiter SV Mitterteich): „Wenn man ab September wieder spielen könnte, wäre es prinzipiell besser, diese Saison abzubrechen und dann im September mit einer neuen Saison zu starten. Das wäre der Wunsch, aber wie soll man die jetzige Saison werten? Da sind die verantwortlichen Entscheider nicht zu beneiden...“

Norbert Hofmann (Sportlicher Leiter FSV Erlangen Bruck): „Wir waren und sind für Abbruch. Was da im April bei dem Webinar abgelaufen ist, das war Gehirnwäsche. Der Herr Koch hat sich weit von der Basis entfernt. Weiterspielen ab September macht keinen Sinn. Ab September sollte eine neue Saison gestartet werden.“

Manfred Kreuzer (Manager 1. SC Feucht): „Wir wollten zu Ende spielen, damit wir sportlich den Aufstieg schaffen, denn wir liegen ja deutlich vorne. Wir wollen natürlich das, was wir uns erspielt haben, nicht verlieren. Wenn wir nach jetzigem Stand aufsteigen würden, dann würde ich jetzt für Saisonabbruch stimmen.“

Matthias Roth (Spielleiter SV Schwaig b. Nbg.): „Meiner Meinung nach ist es besser, die Saison abzubrechen. Wir haben doch schon ein halbes Jahr nicht mehr gespielt. Das ist ja dann auch alles eine Frage der Motivation. Ich bin für einen sauberen Strich und einen Start der Saison 2020/21 ab September.“

Dirk Welter (Abteilungsleiter SC Großschwarzenlohe): „Wir sind weiterhin für Abbruch. Es macht doch keinen Sinn mehr, immer noch krampfhaft an einer Fortsetzung der Saison festzuhalten. Langsam wird das peinlich, was da abläuft, und mittlerweile ist Bayern ja einer der wenigen Verbände, der mit Gewalt an einer Fortsetzung festhält.“

Uli Zeitschel (Sportlicher Leiter 1. FC Herzogenaurach): „Wir bleiben bei Abbruch. Wir haben keine Klarheit, wie es weitergehen soll. Es gibt viel zu viele Unwägbarkeiten, und daher macht es keinen Sinn, die Saison noch fortzusetzen.“

Herbert Heidenreich (Sportlicher Berater SC 04 Schwabach): „Wir sind nach wie vor für einen Saisonabbruch. Die Vorzeichen haben sich nicht geändert. Für uns sind nach wie vor viele Fragen offen, denn es hat sich ja in den vergangenen Wochen nichts getan.“

Rainer Nusselt (Abteilungsleiter TSV Kornburg): „Ich finde, es ist eine Vollkatastrophe! Die Saison hätte abgebrochen gehört, einen Kompromiss, wie man es dann regelt, hätte man gefunden. Aber so weiß keiner, wie es weiterläuft. Ich kann es auch nicht verstehen, dass in fast ganz Deutschland abgebrochen wird, auch in den anderen Sportarten — aber wir sollen so weiterspielen.“

Jürgen Walthier (Abteilungsleiter ASV Vach): „Wir würden ganz klar für Abbruch stimmen! Und zwar egal mit welchen Szenarien, ob mit Auf- und Absteiger oder Annullierung. Von der zugesicherten Planungssicherheit kann keine Rede sein, stattdessen steht das Telefon nicht mehr still, Spieler und auch Trainer wissen nicht, woran sie sind. Wir stehen jetzt da ohne irgendetwas! Also bitte beenden – egal wie, aber so schnell wie möglich. Dann lässt sich eine neue Saison planen, auch wenn man noch nicht weiß, wann diese dann letztlich beginnen wird und ob man sie verkürzen müsste.“

Thomas Färber (Sportlicher Leiter SG Quelle Fürth): „Die grundsätzlichen Überlegungen des BFV mögen ja gut sein, aber die Probleme, die sich dadurch ergeben, sind schon enorm. Mein Hauptargument gegen die Fortsetzung ist die mindestens neunmonatige Pause. Die Saison wird nicht mehr die Gleiche sein, der Bezug ist nicht mehr gegeben, die Veränderungen sind viel zu groß.“

Für die Saisonfortsetzung sind:

Joachim Schempp (Vorstand Sport FSV Stadeln): „Die Abstimmung ist ein Thema der Alternative, die war so nicht gegeben. Bei uns ist der Hintergrund für das ,Ja‘ vor allem die dritte Mannschaft, die kurz vor dem Aufstieg steht. Ich persönlich fände es auch nicht richtig, wenn es nur Auf-, aber keine Absteiger geben würde. Letztlich würde ich für uns dann schon wieder zustimmen, muss aber fairerweise dazu sagen, dass wir mit unserem Kader in der Landesliga aktuell auf Rosen gebettet sind.“

Matthias Leibold (Abteilungsleiter TSV Nürnberg- Buch): „Wir sind auch weiterhin für eine Saison-Fortsetzung. Nicht auf Grund unserer Tabellensituation, sondern weil ich keinen wirklichen Vorteil für eine andere Lösung sehe. Denn wenn wir Pech haben, brechen wir eine Saison ab und spielen dann auch die nächste nicht ordentlich zu Ende. Dann wären von dieser Krise gleich zwei Spielzeiten kaputt.“

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