Das Amateurfußballportal für Mittelfranken
Partner im
Amateurfußballnetzwerk
Partner im Amateurfußballnetzwerk

Weiterspielen um jeden Preis: "Der BFV gibt keine klaren Antworten"

Corona-Krise

Die Amateurfußballer in Bayern sollen die Saison um jeden Preis zu Ende spielen. Das sorgt zunehmend für Kritik, wie ein Stimmungsbild in Erlangen und Herzogenaurach zeigt.

"Wir wollen Gerechtigkeit": Die SpVgg Erlangen mit Abteilungsleiter Holger Müller unterstützt die Petition des FC Stein, der einen Saisonabbruch fordert.

 / © Sportfoto Zink

Wann sie wieder spielen dürfen, das wissen sie nicht. Das weiß niemand. Eine Pandemie lässt verlässliche Zukunftsprognosen nicht zu. Und doch sucht der Bayerische Fußball-Verband (BFV) nach Lösungen, wie es weitergehen kann. Die Saison 2019/20 will der Verband unbedingt zu Ende spielen lassen, zur Not noch im nächsten Frühjahr. Die Saison 2020/21 wird dafür ausfallen.

Das gefällt nicht allen. Immer mehr Kritiker schließen sich der Online-Petition des FC Stein an, die einen Saisonabbruch fordert. Darunter auch Holger Müller. "Wir wollen Gerechtigkeit. Die Vorschläge der Petition sind sinnvoll." Es brauche einen geregelten Abschluss mit Aufsteigern und Absteigern, meint der Abteilungsleiter der Spielvereinigung Erlangen. "Teams würden ihren sportlichen Lohn erhalten, doch niemand müsste unter der Situation leiden", sagt Müller.

In einer Online-Gesprächsrunde erklärte der BFV am Montag seine Entscheidungen zum Umgang mit der laufenden Spielzeit. "Der BFV gibt keine klaren Antworten", meint Holger Müller dazu. Ihm fehlte eine Reaktion auf die Online-Petition, die schon mehr als 6.000 Unterstützer hat. Doch sie wird wohl verhallen, der Verband hat längst entschieden. Auch die Spieli als Tabellenzwölfter der Bezirksliga Nord wird die Runde wohl fortsetzen müssen.

Noch aber geben die Vereine nicht auf. Der 1. FC Herzogenaurach will die Petition ebenfalls unterstützen. "Schon vor Monaten haben wir für einen Saisonabbruch gestimmt", sagt Teammanager Ulrich Zeitschel. "Das Durcheinander im Verband ist groß, die versprochene Klarheit ist nicht da. Ich sehe nicht, dass in diesem Jahr noch einmal Fußball gespielt werden kann." Das ganze Verhalten der Fußballer, auch im Profi-Bereich, sei für ihn unverständlich. "Man weiß viel zu wenig über diese Krankheit, das Risiko ist zu groß." Und wenn, dann müsse man lieber erst einmal dafür sorgen, die Wirtschaft anzukurbeln. Um sportlichen Wettbewerb also geht es aktuell nicht. "Wir versuchen nur, das Vereinsleben aufrecht zu erhalten", sagt Zeitschel. Das Landesliga-Team trainiert zwar unter Corona-Abstandsregeln, "doch Fußball in dem Sinne ist das nicht".

Markert: "Man braucht Ziele, Aufstiege, Titel"

Über die Fortsetzung der Saison ärgert sich auch Abteilungsleiter Jörg Markert vom ATSV Erlangen, ihm fehlt die sportliche Perspektive für sein Bayernliga-Team. "Wir sind im Mittelfeld der Liga, mit zwei Siegen wären wir aus dem Gröbsten raus gewesen. Wie soll ich die Spieler da noch motivieren?" Traurig sei, dass der Verband der Regionalliga entgegenkomme, dort gibt es einen Aufsteiger, "die Vereine unterhalb aber haben ein Problem".

Der ATSV hat große Pläne, wollte in der neuen Runde oben angreifen. Die alte Saison hätte, wenn es sein muss, zumindest bis Jahresende abgeschlossen sein sollen. "Dann hätte man ab März 2021 neue Aufsteiger in kürzerer Zeit herausspielen können", sagt Markert. "Wir haben viele junge Spieler, die etwas erreichen wollen." Angst, dass nun viele keine Lust mehr haben, hat Markert nicht. Zumindest nicht im höherklassigen Amateurfußball. In unteren Ligen könnten "zehn bis 20 Prozent aufhören", schließlich brauche man "Ziele, Aufstiege oder Titel".

Liga-Konkurrent SC Eltersdorf hat dieses Ziel noch. Als Tabellenzweiter der Bayernliga hoffen die Quecken auf den Aufstieg in die Regionalliga. "Entscheidend ist, dass wir die Saison 2019/20 zu Ende spielen", sagt Teammanager Joachim Uhsemann. "Wir warten ab, bis wir wieder richtig trainieren können. Dann machen wir eine gute Vorbereitung." Die Zeit will der BFV seinen Fußballern geben. "Frühestens vier bis sechs Wochen, nachdem die Staatsregierung Training mit Körperkontakt erlaubt hat, werden Saisonspiele möglich sein", verspricht der Verband.

"Ich bezweifle, dass wir im September weiterspielen können", sagt Thomas Dotterweich, Eltersdorfs Routinier. "Die Spannung kommt nach einer langen Pause trotzdem von alleine, nach einer Vorbereitung sind wir wieder heiß." Der 37-Jährige hält sich weiterhin fit und denkt nicht an ein Corona-bedingtes Karriereende. Dotterweich will noch einmal aufsteigen, auch wenn aktuell nicht klar ist, wann das möglich sein könnte.

Mehr zum Thema