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Die Top-Elf von Andreas Speer: Eine Crème de la Crème von den 80ern bis heute

Bezirksliga Süd

Das Ganze läuft nicht ohne großartige Anekdoten ab: Der heutige Trainer des FC Wendelstein lässt seine lange Spielerkarriere Revue passieren. Posthum werden auch drei ehemalige Weggefährten geehrt.

Er hat unzählige Anekdoten auf Lager: Andreas Speer, den vor allem die Zeit beim SC Eltersdorf und dem ASV Neumarkt geprägt hat.

 / © Sportfoto Zink

Andreas Speer ist heute 56 Jahre alt und hat in seinem Leben, das bis heute vom Fußball geprägt ist, alles erlebt. Er verkörpert einen der letzten Typen der alten Generation und wurde in der vergangenen Wintersaison in der Halle gar noch zum besten Keeper des Bezirks-Endturniers gewählt. Seine Top-Elf kann sich geehrt fühlen, denn sie ist die Crème de la Crème aus etwa 40 Jahren Amateur-Fußball.

Torwart:

Martin Tschinkel (SC Eltersdorf, FC Wendelstein): Klar fällt Speer die Nominierung eines Keepers schwer, denn letztendlich hat er nie wirklich mit einem zusammengespielt. "Ohne, dass es arrogant wirkt: Ich war ja immer Nummer 1", sagt er mit seinem über die Region hinaus bekannten Lacher. Böse Zungen behaupten gar, dass er seine potenziellen Konkurrenten zur Not stets gefressen hätte. "Martin Tschinkel ist schon eine Beachtung wert, denn als Eltersdorfer Trainer war ich auf der Suche nach einem jungen Keeper, und er war mit 18 Jahren Torwart in Diepersdorf. Ich habe ihn beobachtet, er war saunervös und hat noch sechs eingeschenkt bekommen! Danach sagte ich zu Joachim Uhsemann (Anm. d. Red.: damals und heute Manager des SC Eltersdorf): Den holen wir trotzdem, der hat heute einen Strich in der Hose. Mein damaliger Co-Trainer Bernd Weiss - auch er ein super Torwart - und ich formten einen positiv verrückten Keeper auf meiner Wellenlänge, was er bis heute noch vorlebt. Zum Schluss seiner Laufbahn vor drei Jahren habe ich ihn zum FC Wendelstein geholt. Er hat auch einen großen Anteil am Erfolg hier in Wendelstein. Er kommt mit Hodenschutz und gepolstert ins Training, und wenn wir das '4-gegen-4-plus-4' trainieren, bin ich auch in der Kiste - und keiner will verlieren. Da schütteln meine Jungs öfters mal den Kopf", bekennt er.

Abwehr:

Andreas Fuchs (SC Eltersdorf): "Ein Abwehrspieler alter Schule, hat aber nie eine Rote Karte bekommen, weil er das Tackling aus dem Effeff beherrschte und in der Luft eine Macht war", lobt Speer, der damals Spielertrainer in Eltersdorf war. Er gibt sogar eine kleine Schwäche zu: "Meine Stärke war nicht unbedingt, bei hohen Bällen meinen Fünfer zu verlassen." Fuchs "war auch ein super Kapitän und hat mir in Eltersdorf sehr viel geholfen, nach der Entlassung des damaligen Trainer Günther Drews, als ich ins kalte Wasser geworfen wurde und null Erfahrung als Trainer hatte und wir viele Entscheidungen zusammen getroffen haben." Dann erzählt Speer ein bisschen aus dem Nähkästchen. "Legendär auch seine Ängste, wenn wir Samstag früh in den Bus gestiegen sind mit dem Ziel Cham-Kötzting-Vilzing-Schalding und so weiter. Er hat gesagt: 'Hüter', bin gespannt was heute wieder für eine Kante als Stürmer aufläuft mit Bayrischem-Wald-Blut in den Adern."

Kuno Kessler (SC Eltersdorf): "Der Name sagt alles aus über Kuno. Er kam von Germania Nürnberg nach Eltersdorf." Nicht zu vergessen: "Seine 40-Meter-Einwürfe, als wir 15 Tore in einer Saison gemacht haben. Es war jedes Mal Alarm im Strafraum, wenn 'Kessl' sich zum Einwurf aufstellte. So war auch sein Spiel: Volle Lotte von hinten nach vorne, egal ob hinten rechts oder links, er war beidfüßig und seine Waden waren dicker als so mancher Oberschenkel. Gerd Klaus sagte mal nach einem Spiel 'Wo habt ihr den ausgegraben, brutal!', spricht Speer heute noch in höchsten Tönen von seinem Universalaußenverteidiger zu Eltersdorfer Zeiten: "'Kessl' halt!"

Manuel Bergmüller (SC Eltersdorf): Mit Manuel Bergmüller, dem heutigen Trainer des TSV Buch, verbindet Speer bis heute eine enge Freundschaft. "Er ist schon ein langer Weggefährte und auch ein Freund von mir. Wir pflegen einen engen Kontakt. Manu verkörperte durch seine geile Einstellung den Vollblutfußballer, der immer alles reingeworfen hat. Auch wenn er gegen einen Bullen gespielt hat, zermürbte er ihn und wich keinen Millimeter von seiner Seite. Das hat ihm im Spiel oft einen Satz eingebracht: 'Leck mich Fett, gehst du mir auf die Eier!'. Aber Manu hat immer nur gelächelt und war noch enger dran. Hab' mit ihm in Altenfurt gespielt, mit Erich Tauchmann als Trainer, und ihn danach nach Eltersdorf gelockt. Er hat auch als Trainer seine Tugenden in Fischbach oder recht erfolgreich beim TSV Buch eingeimpft."

Mittelfeld / Sturm:

Jürgen Schaller (links, ASV Neumarkt): Freilich darf in Speers Top-Elf auch der ASV Neumarkt nicht fehlen, für den er jahrelang aktiv war. "Mit ihm spielte ich sehr lange in Neumarkt zusammen, er hatte eine sehr feine Technik, aber nur einen linken Fuß, mit dem er alles beherrschte: Dribbeln, Flanken, Grätschen, aus dem Lauf einen Vollspann auf das Tor jagen. Jürgen erweckte nach einem Pokalspiel auch die Aufmerksamkeit des damaligen Trainer der SpVgg Fürth, Günther Gerling, der ihn nach Fürth holte. Dort hat er nicht so recht Fuß gefasst, und eine tückische Darmkrankheit hat ihn lange außer Gefecht gesetzt. Aber durch seinen Willen und seine positive Art hat er sich wieder zurückgekämpft und ist zu seiner Liebe, dem ASV Neumarkt, zurückgekehrt. Und wir sind 1989 nochmal in die Landesliga aufgestiegen. Jetzt lebt er für Siemens in Hongkong. Auch schön."

Peter Wießmeier (ASV Neumarkt): Der Vater von Ex-Club-Jugendspieler Julian Wießmeier ist die erste leider bereits verstorbene Nominierung Speers. "Der für mich perfekte Außenbahnspieler. Wahnsinn, wie Peter mit seiner Leichtfüßigkeit die Gegner überlaufen hat und aus vollem Lauf punktgenau flankte. Von 50 sind 45 wie an der Schnur angekommen, bei den fünf anderen schimpfte er immer auf den Ball, dass keine Luft drin ist", kann Speer heute lachen. "Er hat mich immer 'Speerla' genannt, und bei Gegentoren schimpfte er hinter: 'Hältst du a amol an?' Peter war ein so feiner, lustiger und ehrlicher Mensch. Dem konntest gar nicht böse sein. Er liebte Spezi vor dem Spiel, in der Halbzeit und danach, und er hält den Duschrekord: In vier Minuten war alles erledigt." Mit Wießmeier hat Speer quasi alles mitgemacht: "Bin mit Peter in Neumarkt aufgestiegen, war auf seinem Polterabend mit Eisbein und Sauerkraut im Holzfass (danach 'Sauerkrautkoma'), bin auf seiner Hochzeit Spalier gestanden und war auf seiner Beerdigung."

Ercan Dedeoglu (SC Eltersdorf). "'Dede' war der eleganteste Stürmer. Er war immer in der Box, ob ein Abstauber, ob ein Torwart den Ball nicht unter Kontrolle brachte, ob Abspielfehler vom Gegner - er war wie ein Phantom, immer da!" Klingt fast wie der Marek Mintal des SC Eltersdorf. "Und gefürchtet waren seine kurzen Antritte, die engen Dribblings, auch noch im Fünfer. Er hat keine Tore mit strammen Schüssen gemacht, fast alles mit der Innenseite, so hat er mich beim Torschuss immer zum Wahnsinn getrieben. Du wusstest es, aber er hat das perfekt gekonnt, die Kugel reinzuschlenzen." Wenn man den Ehrgeiz von Andi Speer kennt, kann man nachvollziehen, wie er sich gefühlt hat. "Ercan habe ich nie sauer gesehen, obwohl ihm oft auf die Hölzer geklopft wurde. Er war fast schon zu brav - nur einmal waren seine Augen tiefschwarz, und ich habe ihn danach zwei Stunden bearbeitet! Es ging um ein Freundschaftsspiel mit Eltersdorf gegen Antalyaspor, die zu Besuch in Nürnberg waren. Es sind viele Zuschauer gekommen, Trainer Drews hat alle türkischen Spieler auf der Bank schmoren lassen, auch 'Dede'. Er wollte aufhören und nicht mehr kommen. Zum Glück hat meine Bearbeitung geholfen."

Manfred Drexler (ASV Neumarkt). Der wohl bekannteste Name in Speers Elf ist Manfred Drexler, der ein Vierteljahrhundert als Adidas-Servicemann für die Deutsche Fußballnationalmannschaft gearbeitet hat und inzwischen leider verstorben ist. "Der Manni ist als Ex-Profi von Schalke zu uns gekommen und wollte eigentlich nicht mehr spielen, denn er sollte nur Trainer beim ASV Neumarkt werden. Aber im Laufe der Saison hat es ihn gejuckt, und seine schwere Verletzung am Knöchel bereitete ihm nur bedingt Probleme. Er spielte den Sechser mit Technik und Robustheit, und er zeigte dem Rest der Truppe seine schlitzohrige Art von vielen Jahren im Profibereich." Da darf natürlich auch eine der vielen Anekdoten Speers nicht fehlen. "Kann mich noch genau an das Spiel in Ebermannstadt erinnern. Das Team vom damaligen Spielertrainer und jetzigen sportlichen Leiter von Erlangen-Bruck, Norbert Hofmann, war eine starke Truppe, beide Mannschaften spielten um den Aufstieg. Manni hat nicht viele Worte gebraucht. Sein Blick und seine Körpersprache sagten alles, was er und wie er es wollte, aber vor dem Spiel merkte er nur an: 'Da spielt der Hofmann mit seiner Dauerwelle, der hat mich schon bei Uerdingen gelangweilt, der gehört mir'. 20 Minuten hat es gedauert, bis es im Mittelfeld gescheppert hat! Das Spiel haben wir gewonnen, aber er war sehr unruhig auf dem Platz. Manni war einer von uns, er hat den Profi nie raushängen lassen und ist ein toller Mensch gewesen. Auch später bei vielen Treffen war er einfach der Manni."

Reinald "Bubi" Herzog (rechts, ASV Neumarkt). Mit dem nächsten Nominierten bleiben wir dem ASV Neumarkt treu. Speer: "'Bubi' war einer der Mittelstürmer, die heute fast nicht mehr zu sehen sind, auch weil Jogi Löw den Käse mit der falschen Neun erfunden hat. Seine Tore, ob im Strafraum, mit links, mit rechts oder mit dem Rücken zum Tor, aus der Drehung, oder seine große Stärke mit dem Kopf (meist nach Flanke vom Peter Wießmeier) haben uns damals in den 80er Jahren beim ASV zur erfolgreichen Mannschaft gemacht. Er war so ein richtiger Lebemensch, der genau wusste, wann es wieder Zeit ist, Gas zu geben und man sein Zigarettchen mal weglässt." Das Talent ist auch dem 1. FC Nürnberg nicht verborgen geblieben. "Fritz Popp von den Club-Amateuren lotste ihn nach Nürnberg, wo er genauso seine Tore gemacht hat, aber das Glück, als Profi reinzurutschen, blieb ihm verwehrt. So kehrte er nach einem Jahr wieder zurück nach Neumarkt. Wir sehen uns immer wieder bei Treffen im Frisörladen seiner Schwester. Bemerkenswert ist auch sein Beruf: Er gibt Sportunterricht und begleitet Drogen- und Alkoholabhängige, die ins normale Leben zurück wollen."

Tarik Akel (SC Eltersdorf). Der nächste aus der Eltersdorfer Fraktion ist Tarik Akel. "Mit ihm spielte ich in Eltersdorf, und sein Spiel passte eigentlich nicht mit dem Typen Tarik zusammen. Ein Frauenschwarm mit langen schwarzen Locken, immer top angezogen, sogar nach dem Training. Er fährt Porsche und Harley, aber am Platz kannte er keine Freunde. Er war immer da, wo es richtig weh tat. Nach dem Spiel ist er einer der charakterstärksten Menschen, die ich kenne. Auch heute noch, wenn ich ihn treffe, selbst an der roten Ampel, steigt er aus und umarmt mich." Schon aufgrund der Tatsache, dass er nach einem Kreuzbandriss nach zwei Monaten wieder spielte, kann Speer immer noch nur mit dem Kopf schütteln. "Er sagte damals zu mir 'Papa, ich spiele ohne weiter, brauch keine, mach ich alles mit Muskeln.' Habe ihn an Ostern getroffen. Der schaut immer noch so aus, der wird nicht älter, der 'Abi'."

Hassan Tahvili (links, ASV Neumarkt). "Der kleinste, aber auch der größte Fußballer, mit dem ich zusammengespielt habe. Obwohl er nur 159 cm groß war, ist er ein klasse und begnadeter Fußballer gewesen. Hassan ist aus dem Iran, damals politisch verfolgt, nach Neumarkt gekommen und war auch Jugendnationalspieler. Er hat sich sehr schnell eingelebt, und die Verantwortlichen haben alles dafür getan, ihn zu unterstützen. Er hat es mit Leistung und seiner offenen und freundlichen Art zurückgezahlt." Nur die Sprachbarriere blieb länger als nötig, denn ihm wurde ein Ur-Oberpfälzer zur Seite gestellt. "Sein kleines Problem war nur, dass er am Anfang mit Josef Kollmann zusammen war und bei seinem Deutsch-Lernprozess öfter nicht so folgen konnte, was der Josef ihm da gerade gesagt hat. Jolly Kollmann ist vom FC Neumarkt-Süd zum ASV gekommen, und dort pflegt man einen eigenen Dialekt. 'Schukener Hund' heißt soviel wie 'sauberer Bursche'. Hassan war noch lange mit seinem Deutschbuch in der Kabine gehockt und hat gesucht, bis er mich fragte: 'Andi, ich finde es nicht im Buch.' Das vergesse ich nie", muss Speer lauthals lachen. "Er spielte den Zehner mit allen Freiheiten nach vorne, doch rückwärts war nicht sein Ding, aber er war ein Flinker. Wie es so schön heißt: 'Der schwanzt dich am Bierdeckel'."

Trainer:

Ferdinand Wenauer (ASV Neumarkt): Freilich hat Speer in seiner langen Karriere viele Trainer kommen und gehen sehen. "Habe viele Trainer gehabt und bin selbst einer geworden. Ob Steff Reisch, Rudi Sturz, Erich Tauchmann, Manni Drexler, Apostolos Bertsos, Günther Drews, Harald David, Ernst Baier, Roland Seitz. Von allen nimmst was mit, ob positiv - oder wie ich es nicht machen würde", kann sich Speer einen Seitenhieb nicht verkneifen. Große Trainernamen sind dabei, aber einer hatte es ihm besonders angetan. "Nandl Wenauer in Neumarkt war schon sehr prägend: Mensch, Vorbild, Freund, Vaterfigur und Respektsperson, ohne dass man vor ihm verkrampft oder unsicher geworden wäre. Torwarttraining bei minus sechs Grad und Schnee, er barfuß in den Fußballschuhen. Oder Heimfahrt nach einem Sieg: Seine Frau ist gefahren, Peter Wießmeier und ich sind hinten eingestiegen, Nandl vorne. Kurz vor Abfahrt sagte er zu seiner Frau, sie soll nochmal aussteigen, er hat seine Finger in der Tür eingeklemmt. Dann hat er bis Katzwang gelacht, uns fränkische Witze erzählt, und Dienstag war Vollgas im Training angesagt. Nandl Wenauer, so war er!" Vergessen möchte er in seiner Aufzählung auch seinen Vater nicht. "Meinen Vater Hartmut Speer hatte ich bis zur C-Jugend in Altenfurt, war auch nicht immer leicht", muss Andi lachen. "Conny Heidner hatte ich in der B-Jugend bei der SpVgg Fürth. Alle von damals haben sich zu seinem 80sten getroffen, ist auch ein super Trainer in meiner Jugend gewesen."

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