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Mösle: "Das Torwartspiel ist das komplexeste Spiel beim Fußball"

Portrait

Das Runde darf nicht ins Eckige: Wie es Klaus Mösle seit 20 Jahren schafft, seine Philosophie vom Torwartspiel in seiner Torwartschule umzusetzen.

"Das Menschliche muss stimmen bei einem Trainer — nur so kannst du auf Dauer erfolgreich sein", glaubt Klaus Mösle.

 / © Zink

Selbstverständlich hat Klaus Mösle das erste Relegationsspiel des 1. FC Nürnberg um den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga gegen den FC Ingolstadt 04 verfolgt. Auf insgesamt 13 Jahre Engagement beim Club hat er es in der Vergangenheit gebracht; als Torhüter, Torwarttrainer und Physiotherapeut. „Natürlich achte ich auch vor dem Fernseher vor allem auf die Leistungen der Torhüter“, ließ er wissen. Wobei beim 2:0-Erfolg im Hinspiel von Club-Torhüter Christian Mathenia so viel nicht zu sehen war. Die Offensivleistung der Ingolstädter sei am Dienstag doch ziemlich überschaubar gewesen, was vor allem aber daran lag, dass die Interimstrainer Michael Wiesinger und Marek Mintal dem Nürnberger Team neues Leben einhauchen konnte: „Das war eine tolle Leistung des Clubs, was Einsatzfreude und Laufbereitschaft angeht!“ Daraus aber einen möglichen Spaziergang des 1. FCN zum Klassenerhalt abzuleiten, könnte durchaus ins Auge gehen. „Es schaut gut aus, aber das ist noch nicht durch“, glaubt Mösle und verweist auf die Relegation zur 1. Bundesliga, als der 1. FC Heidenheim im zweiten Relegationsspiel dem SV Werder Bremen in der Schlussphase doch einiges abverlangt habe. „Genau dieses Spiel sollte Warnung sein“ vor dem Rückspiel, Samstag, 18.15 Uhr, in Ingolstadt. Und für unliebsame Überraschungen sei der Club ja schon immer gut gewesen.

Deutscher Vizemeister

Seit seiner Jugend interessiert sich Klaus Mösle für das Torwartspiel. Zwar war er bei seinem Heimatverein FC Uhldingen am Bodensee zunächst Feldspieler und schaffte es also solcher in die Südbadenauswahl seiner Altersklasse. Auch nach seinem Wechsel zum FC Konstanz in die Südbadische Jugendliga (A- und B-Jugend) kickte er auf dem Feld. Das änderte sich, als er mit dem 1. FC Nürnberg in der A-Jugend-Bayernliga spielte. Hinter der Nummer Eins, seinem Bruder Michael, war Klaus Mösle der zweite Torhüter. Im Club-Team, das damals deutscher Vizemeister der A-Jugend wurde, standen Club-Idole wie Thomas Brunner, Norbert Schlegel oder Alois Reinhardt.

Auch im Herrenbereich zählte Klaus Mösle zu den gefragten Torhütern. Seine weiteren Stationen im höherklassigen Amateurfußball waren TSV Altenfurt (Bezirksliga), FC Herzogenaurach (Landesliga) und Blau Weiß 90 Berlin, wo er hinter Holger Gehrke (u.a. FC Schalke 04 und MSV Duisburg) in der 2. Bundesliga die Nummer Zwei war. Sein damaliger Mentor und Freund Dieter Nüssing empfahl den heute 58-Jährigen seinem Freund Aki Schmidt, der den SSV Jahn Regensburg in der Bayernliga betreute. Zwischen 1991 und 1993 spielte Mösle bei den Oberpfälzern, ehe er wieder die Nähe zu seiner inzwischen fränkischen Heimat suchte und bei der SpVgg Fürth anheuerte.

In Bayern- und Regionalliga hütete Klaus Mösle den Kasten – Roland Kastner löste er damals im Tor ab. Sein Mannschaftskamerad Achim Beierlorzer, der sich später dem SC 04 Schwabach anschloss, betreut aktuell den FSV Mainz 05 in der 1. Bundesliga. Es war eine spannende Zeit, zumal er die letzte Saison der SpVgg Fürth vor der Fusion mit dem TSV Vestenbergsgreuth zu SpVgg Greuther Fürth hautnah miterleben durfte.

Nach einer Zwischenstation als Spielertrainer des damaligen Bezirksligisten TSV Katzwang 05 kehrte Klaus Mösle in der Saison 1996/97 auf Drängen von Coach Günter Gerling zur SpVgg Greuther Fürth zurück. Nicht als Keeper, sondern als Torwart-Trainer. Er kümmerte sich um Günter Reichold und Andreas Menger, der dann zum 1. FC Köln wechselt. Am Ende der Saison stand der Aufstieg in die 2. Bundesliga, wo die Greuther inzwischen ununterbrochen spielen.

Seine wohl spannendste Zeit durfte Mösle zwischen 1997 und 2000 beim 1. FC Nürnberg erleben, als er unter Trainer Felix Magath als Physiotherapeut und Torwart-Trainer arbeite und dabei keinen Geringeren als den Nationalkeeper und aktuellen Torwarttrainer der Nationalmannschaft, Andreas Köpke, unter seinen Fittichen hatte. Sportlicher Höhepunkt war der Aufstieg mit dem Club in die 1. Bundesliga, dem aber der sofortige Abstieg folgte. Die Trainer Willi Reimann, Friedel Rausch und Klaus Augenthaler erlebte Mösle beim Club ebenfalls.

Aufstieg mit den „Urus“

Danach wurde es sportlich ruhiger, während er sich als Physiotherapeut selbstständig machte. Eine Herzensangelegenheit sei ihm aber gewesen, seinem Freund Erwin Söhlmann und dem SV Unterreichenbach zu helfen. Weil sich Keeper Frank Distler schwer verletzt hatte, drohte der anvisierte Aufstieg der „Urus“ in die Kreisliga zu scheitern. Mösle ging ins Tor und hatte großen Anteil daran, dass die „Urus“ im weiteren Saisonverlauf kein Spiel mehr verloren. Der Aufstieg wurde gebührend gefeiert, dann zog es den Trainer Mösle aber weiter: zum FC Azzurri Nürnberg (Aufstieg in die Bezirksliga), zum SV Rednitzhenbach, zum SV 73 Süd Nürnberg, mit dem er den Aufstieg in die Landesliga feierte, und schließlich zum 1. SC Feucht, wo „ich wohl meine schönsten Jahre erlebt habe!“ Insgesamt sieben Jahre arbeitete er als Coach und stiegt mit dem 1. SC von der BOL bis in die Bayernliga auf.

Gutes halbes Jahr

Auch an den TSV Kornburg werde er sich auch in einigen Jahren noch sehr gerne zurück erinnern. An die Saison 2018/19 beispielsweise, als Klaus Mösle die Mannschaft zur Winterpause auf einem Abstiegsplatz in der Landesliga Nordost übernommen und auf Tabellenplatz elf geführt hat. Dass es mit Beginn der aktuellen Saison dann nicht mehr so gut geklappt hatte und er nach dem 15. Spieltag seinen Trainerposten räumen musste, könne allerdings das „gute halbe Jahr davor“ nicht vergessen machen.

Vom Fußball hat der 58-Jährige auch nach dieser letzten Erfahrung noch lange nicht genug. Zwar wolle er sich erst einmal von dem Trainergeschäft zurückziehen, der Fußball hält ihn aber weiterhin auf Trab. Seinner Torwartschule auf dem Sportgelände des SV Rednitzhembach gilt jetzt seine ganz Aufmerksamkeit. Er arbeitet gerne mit jungen Menschen, versucht, sie auf ein gutes Niveau zu bringen.

Vor allem seine große Erfahrung als Torhüter und bei der Arbeit mit talentierten Torhütern während seiner Zeit als Trainer von höherklassigen Clubs macht er sich dabei zu Nutze. Mösle hat bereits Topleute wie Köpke, den ehemaligen Schweizer Nationaltorhüter Andreas Hilfiker (beim 1. FCN) oder Michael Fuchs, Torwart-Trainer der Frauen-Nationalmannschaft, betreut und sich dadurch einen reichhaltigen Erfahrungsschatz angeeignet.

Aber einen wie Manuel Neuer würde er gerne mal trainieren, auch wenn der das gar nicht nötig hätte. „Das Torwartspiel ist das komplexeste Spiel beim Fußball – Manuel vereint alle Qualitäten, die einen guten Torhüter ausmachen, auf sich!“ An Vorbildern wie ihm orientiert sich auch Klaus Mösle in seiner Fußballschule. Wohl wissend, dass es solch einen Ausnahmetorhüter so schnell wohl nicht mehr geben wird. „In erster Linie kommt es auf das Talent an!“ Allerdings könne man die wichtigen Ansätze trainieren. Voraussetzung dafür sei, sich zu Beginn ein Bild von jedem zu machen, der sich für eine Teilnahme an der Fußballschule entscheidet. Diese Einschätzung ist Klaus Mösle und seinen Helfern Matthias Hoffmann, Philipp Keller und Sven Greiser während der gesamten Teilnahme Orientierungshilfe.

Seit 20 Jahren

Seit 20 Jahren gibt es die Torwartschule Mösle inzwischen. 2000 wurde sie gegründet. „Ich habe damals 104 Vereine angeschrieben“, erinnert sich der 58-Jährige an die schwierige Anfangszeit. „Zunächst hatte sich nur einer gemeldet, nämlich der Sohn von Roland Flach, mit dem ich damals beim 1. FC Nürnberg um den Platz im Tor konkurrierte!“ Nun sind ziemlich regelmäßig 15 bis 20 junge Torhüter im Training auf dem Gelände des SV Rednitzhembach.

Diese 20 Jahre wären durchaus ein Grund zu feiern. „Das habe ich auch geplant“, so Mösle, „doch dann ist mir Corona dazwischen gekommen.“ Eine Feier mit Musik und Stargästen wie Darius Kampa oder Günther Reichold sei geplant gewesen. „Daraus wird jetzt nichts — aber vielleicht kann man sie ja nachholen, wenn die Zeiten wieder besser werden!“