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Ergebnisse der BFV-Umfrage: So denken die Trainer darüber

Klage nicht wirkungs- bzw. sinnvoll

Bayerns Amateurfußballer drängen mit einer Mehrheit von über 80 Prozent auf einen sehr zeitnahen Re-Start der unterbrochenen Saison 2019/20 und unterstützen damit den Kurs des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV).

Andreas Speer vergeht langsam die Laune. Die aktulle Lage zehrt an seinen und den Nerven seiner Spieler.

 / © Sportfoto Zink

An einer entsprechenden Online-Umfrage beteiligten sich 3069 von 4355 am Spielbetrieb beteiligte Vereine (70 Prozent). Zwei Drittel der Clubvertreter sprachen sich dafür aus, notfalls vor Gericht zu ziehen. Die Umfrageergebnisse hat BFV-Präsident Rainer Koch bereits an Staatsminister Joachim Herrmann übermittelt. Im Fußballkreis Neumarkt/ Jura halten 82 Prozent der Teilnehmer an der Abstimmung die Entscheidung der Staatsregierung, Wettkampfspiele im bayerischen Amateurfußball nach wie vor nicht zu erlauben und auch keine Zuschauer in begrenztem Umfang zuzulassen, für nicht richtig. 84 Prozent sind für die baldmögliche Wiederaufnahme des Wettkampfspielbetrieb. Gegen den Klageweg sind 36 Prozent. Wir haben uns bei einigen Trainern aus umgehört. Eine Klage hält keiner für wirkungs- bzw. sinnvoll.

Alberto Mendez, Trainer TSG 08 Roth

„Ich halte die Entscheidung der Staatsregierung für nicht richtig. Hunderte im Schwimmbad stellen kein Problem dar, 150 Zuschauer, sollten es so viele überhaupt sein, bereiten unüberwindliche Probleme. Wir in Roth haben ein weitläufiges Gelände, wir können locker die Hygienemaßnahmen befolgen. Der BFV sollte alles unternehmen und dafür Sorge tragen, dass gespielt werden kann. Das sind seine Vereine, um die muss er sich zu deren Wohl kümmern. Ich kann aber nicht verstehen, warum man vor einem Gericht die Angelegenheit ausdiskutieren muss. Wir sind doch, und das sollte man meinen, alles vernünftige Leute. Kann man sich da nicht zusammensetzen und die Wünsche der Vereine und des Verbandes besprechen? Einzelne Interessen sind unangebracht.“

Fabian Schäll, Trainer des TV Hilpoltstein

„Ich habe mit mir lange gerungen, aber ich kann es wirklich nicht sagen, ob die Bayerische Staatsregierung richtig oder falsch entscheidet. Hier will man Fußball spielen, dort müssen Schüler Masken tragen. Was ist richtig, was ist falsch? Dazu muss ich feststellen, dass ich durchaus der Meinung bin, dass der BFV alles unternehmen soll, dass die Saison endlich zu Ende gespielt wird. Beim TV Hilpoltstein warten wir sehnsüchtig darauf. Ob dazu ein Gericht eingeschaltet werden muss, kann ich schlecht beurteilen. Dass man sportliche Interessen juristisch androhen wird, ist schon ein gewagter Schritt. Es müsste ja faktisch ein Eilantrag sein, um effektiv zu sein. Ich bezweifle, ob das sinnvoll ist. Firmen kämpfen da um ihre Existenz, das hat aus meiner Sicht Priorität.“

Jürgen Schmid, Trainer des TSV Greding

„Es stimmt schon, dass das Verhalten der Bayerischen Staatsregierung gegenüber dem Amateurfußball nicht verständlich ist. Man kommt nicht umhin, dass auf die anderen Bundesländer gesehen wird, die den Betrieb ja schon aufgenommen haben, wir hinken hinterher. Warum ist das eigentlich so? Ich weiß, dass die Gesundheit über allem steht. Bei Testspielen stehen Zuschauer zwar abgetrennt, aber zusammengedrängt. Ich bin durchaus der Meinung, dass der BFV sich verstärkt dafür einsetzt, dass es los geht. Dieser 14-Tage-Rhythmus ist keine Lösung. Die Spieler wissen nicht, woran sie sind. Eine Entscheidung ist dringend notwendig. Aber nicht in der Form, dass die Vereine entscheiden sollen, ob geklagt werden soll. Das ist für mich ein Witz und lächerlich obendrein.“

Andreas Speer, Trainer FC Wendelstein

„Wenn ich ganz ehrlich bin, kann ich das Ganze nicht mehr hören. Das ist absoluter Mist, es zehrt an den Nerven. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich das alles meinen Leuten vermitteln soll. Beim letzten Testspiel hat man gesehen, dass da irgendwie die Luft raus ist, da beginnt bei mir der Alarm. Uns wird seit längerer Zeit nichts Konkretes übermittelt, man kann sich an nichts orientieren. Wie soll das weitergehen? Es kommt noch so, dass du den Ligapokal in die Tonne treten kannst. Und jetzt noch die tolle Idee, dass man ja vor Gericht gehen kann. Wenn man beim Nachbarn fünf Äpfel klaut, dann landest du auch dort. Es geht hier um Fußball, falls es schon vergessen wurde. Es kommt selten vor, aber so vergeht sogar mir die Laune.“

Michael Brandl, Trainer des TSV Meckenhausen

„Ich finde es nicht nachvollziehbar, dass sich die Regierung noch immer querstellt. Für den TSV Meckenhausen kann ich nur sagen, dass das Gelände genug Platz bietet, um Zuschauer mit der Abstandsregel zuzulassen. Es ist weit und breit kein Corona-Fall bekannt. Wir müssen aber endlich dazu kommen, dass nicht jede Woche Termine verkündet werden. Ich kann nicht acht Wochen den Trainingsbetrieb auf volle Pulle stellen. Es ist immer wieder ein Dämpfer für die Jungs. Ich muss auch sagen, dass dem BFV der Weitblick fehlt. Das ist auf Biegen und Brechen angelegt. Ich glaube nicht, dass das Gericht dem BFV bevorzugt einen Verhandlungstermin gibt. Dort geht es in erster Linie um andere Probleme.

Norbert Satzinger, Trainer der SG Thalmässing/ Eysölden

„Nicht einer Meinung ist man bei der SG Thalmässing/Eysölden, da es sich dabei um zwei Vereine handelt. Während sich die Thalmässinger am liebsten ganz aus der Diskussion heraushalten, hat Christian Kreichauf, Vorstand der Eysöldener, ein Statement vor dem BFV abgegeben. Den Inhalt kenne ich nicht, ich bin für Übungseinheiten zuständig. Ich kann nur sagen, dass es unter bestimmten Voraussetzungen, etwa Ordner, möglich ist, 50 Zuschauer zuzulassen. Das haben wir schon ausgetüftelt. Es könnte auch schon bald in die Praxis umgesetzt werden. Dass der BFV jetzt Klage erheben will, mag durchaus seine Berechtigung haben, er hat genügend Rückendeckung. Wann aber kommt es zur Verhandlung? In ihrer Existenz bedrohte Unternehmer warten auf Urteile, das zählt.“

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