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Wirrwarr zum Re-Start? "Mickey Mouse und Max Mustermann sind schon da"

Re-Start

Neun Seiten umfasst das vom Bayerischen Fußballverband am Freitag final vorgelegte Corona-Hygienekonzept zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Die Vereine bringen die Vorgaben ordentlich ins Schwitzen. Denn das Hygienekonzept ist alles, nur nicht leicht umsetzbar.

Name, Adresse und Telefonnummer angeben: Was aus der Gastronomie bekannt ist, wird nun auch im Amateurfußball umgesetzt. „Max Mustermann und Mickey Mouse“ waren schon da, kalauert Kalchreuths Peter Höfler bei der Einlasskontrolle.

 / © Heidi Huber

Beim Tuspo Heroldsberg waren am Freitag Entscheidungen gefragt. Stundenlang grübelten die fünf Mitglieder des Hygiene-Teams über den Vorgaben. „Es ist ein großer Wirrwarr. Kleine Vereine wie wir, ohne die passende Infrastruktur, haben Probleme, alles richtig zu machen. Wir müssen auch den Spielplan komplett entzerren und viele Spiele verlegen. Sonst können wir das gar nicht umsetzen“, erklärt Fußball- Abteilungsleiter Björn Wilke. Der 2,04-Meter Hüne steht beim B-Jugendspiel am Eingang des Kunstrasenplatzes und kontrolliert, wer das Spielfeld betreten darf, Zuschauer müssen ihre Kontaktdaten angeben.

Das Spielfeld ist die Zone 1, der Hochsicherheitsbereich. Nur Spieler, Trainer, Funktionäre, Schiedsrichter, Medienvertreter und Hygienebeauftragte haben Zutritt. Nicht alle sind damit einverstanden. „Wenn die Obrigkeit das sagt – bei anderen Vereinen ist das nicht so. Wenigstens Bänke und Schirme hättet Ihr aufstellen können“, giftet ein Familienvater des Gästeteams. Am Ende trollt er sich maulend und nimmt außerhalb des eingezäunten Feldes Platz.

Wilke bleibt gelassen. „Die ganze Situation ist schwierig, und wir haben es uns nicht ausgedacht. Notfalls mache ich von unserem Hausrecht Gebrauch und verweise die Leute vom Gelände.“ Soweit kommt es nicht. Mit dem Anpfiff hat sich die Lage beruhigt. Es geht nur noch um Fußball. Die Kicker auf dem Platz halten sich an die Regeln. Es wird nur dezent gejubelt, auf den Auswechselbänken wird auf Abstand geachtet.

Uwe Linhardt kontrolliert derweil noch einmal die Markierungen. Der Trainer der ersten Mannschaft hat am Vormittag auf dem weitläufigen Gelände Schilder aufgehängt. „Wir haben gemacht, was wir tun können.“ In den Kabinen sind die Sitzplätze abgeklebt, mehr als fünf dürfen in eine nicht rein. Die Duschen sind gesperrt, es wird permanent gelüftet, die Heimmannschaft zieht sich im Freien um, das Hygienekonzept hängt für jeden sichtbar im Schaukasten. „Wir stoßen hier an unsere Grenzen“, sagt Wilke, „der Vorlauf war zu kurz. Aber es geht allein darum, dass die Kinder wieder spielen können, ihre sozialen Kontakte pflegen und wir ihnen ein Stück Heimat vermitteln können.“

Ein paar Kilometer weiter probt der FC Kalchreuth den Ernstfall. Eine Woche vor dem Start in der Bezirksliga testet die „Erste“ gegen Deutenbach. Vorstand Peter Höfler weist jeden Zuschauer auf die Besonderheiten hin. „Bitte Name, Adresseoder Telefonnummer eintragen. Wenn ein Abstand auf dem Gelände unter 1,5 Meter nicht möglich ist, bitte die Maske aufsetzen.“ Rund 100 Zuschauer werden kommen. Höfler bleibt gelassen. „Wir machen das hier seit Juni mit mit den ständig wechselnden Auflagen. Alle drei Tage kommt was Neues.“ Als die nächsten Zuschauer eintreffen, übt er sich in Galgenhumor. „Mickey Mouse und Max Mustermann sind schon da. Bitte die richtigen Daten angeben.“

Auch in Kalchreuth haben sie sich strecken müssen. Maximal fünf Leute pro Umkleidekabine, getrennte Laufwege für Heim- und Gastmannschaft sowie die Besucher der Vereinsgaststätte. Maximal 200 Zuschauer werden in Kalchreuth ab nächster Woche reingelassen. „Wenn die Anwesenheitsliste voll ist, ist sie voll. Dann gehen alle anderen wieder nach Hause“, sagt Höfler. Eine fünfstellige Summe habe der FCK durch Corona verloren. „Keine Sportlerkärwa, keine Kirschenkärwa, keine Trainingscamps – das tut uns schon weh. Aber es ist eben so“, sagt Höfler. Verärgert sind sowohl der 55-Jährige als auch Wilke über die Bundesliga: „Die sitzen ohne Mundschutz auf den Tribünen, auf dem Platz wird munter abgeklatscht und sich umarmt. Mit Vorbildfunktion hat das nichts zu tun. Und wir müssen versuchen, jede Vorgabe penibel umzusetzen.“ So ist sie, die schöne heile Fußballwelt. Zumindest ganz oben.

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