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Die Pechsträhne des SV Raitersaich

Bezirksliga Süd

Personelle Ausfälle und Startschwierigkeiten: Trotz der klaren 1:4-Niederlage in Deutenbach werden sie beim SV Raitersaich nicht unruhig und genießen die Bezirksliga Süd.

Sammy Röder ist spielender Co-Trainer des SV Raitersaich seit diesem Sommer. Dass ihn die Gegenspieler, wie hier in Deutenbach, auf dem Kieker haben, ist für ihn jetzt klar.

 / © Alexander Schlirf / Zink

Franz Hammerschick muss lachen. Denn die Paukenschläge dröhnen gnadenlos über das Spielfeld. Bei jedem Standard der Raitersaicher gibt der Vater des Spielers Paul Maier den Rhythmus vor. „50 bis 100 Fans des SVR reisen immer mit zu den Auswärtsspielen“, erzählt Hammerschick und ein wenig Stolz ist in seiner Stimme zu hören. Zum Derby in der Bezirksliga Süd sind es sogar noch mehr, ein goldener Herbsttag belohnt sie.

Allein, ihre Lieblingsfußballer sind in der zweiten Hälfte völlig aus dem Tritt gekommen, die Zweikämpfe finden ohne sie statt. Hammerschick, der Vorsitzende des SV Raitersaich, steht bei den Ersatzbänken auf dem Deutenbacher Weihersberg und erklärt dem Berichterstatter dieser Zeitung seinen kleinen Verein, der es zur Überraschung vieler bis in die Bezirksliga Süd geschafft hat. 400 Einwohner nur hat Raitersaich, er selbst wohnt im benachbarten Clarsbach, arbeitet aber in Bonn und Berlin für das Verteidigungsministerium. Der 65-Jährige, das stellt sich nach wenigen Sätzen heraus, ist ein unaufdringlicher Typ, aber ein Macher. Beruflich hat er 92 Länder bereist. Ehrenamtlich hat er den SVR, der nur aus der Fußballabteilung besteht, in seinen 18 Jahren als Vorsitzender auf Vordermann gebracht.

„Als ich den Verein übernommen habe, hatten wir eine Wiese. Jetzt haben wir vier Plätze“, erzählt er auf Nachfrage. Und ein Trainerduo wie die Röder-Brüder Sammy und Rico bekommt man zwar nicht ohne Geld, doch eine top Infrastruktur wie zum Beispiel eine Sauna und eine Handvoll umtriebiger Funktionäre, „die jeden unserer Wünsche umzusetzen versuchen“, wie Sammy Röder nach Schlusspfiff erzählt, sind gute Lockmittel für gute Fußballer.

In Hammerschicks Ägide fällt die Sanierung des Sportheims 2003. Am vergangenen Mittwoch feierte die auf LED-Technik umgerüstete Flutlichtanlage Premiere. Der SVR drehte gebührend einen Rückstand in einen 3:1-Sieg. In Deutenbach soll es ihnen aber nun genau andersherum gehen. Nach dem frühen Raitersaicher Führungstreffer des jungen Marvin Jeltsch – er ist mit drei weiteren Talenten aus der eigenen A-Jugend in den Kader der Ersten aufgerückt – lassen sich die Gäste die Butter Stück für Stück vom Brot nehmen. „Die sind in jedem Zweikampf einen Schritt schneller“, beschreibt Hammerschick den Untergang.

„Mehr reden, mehr helfen“, brüllt Mittelfelddirigent Sammy Röder seine Mitspieler an, als die Felle davonzuschwimmen beginnen. Als in der 28. Minute Thomas Bauersachs den Deutenbacher Thomas Brattinger im Strafraum fällt, muss zwar Brattinger, der Bruder des verletzten Kapitäns Markus, mit einer Schulterprellung vom Feld. Doch Alexander Hofmanns Elfmeter zum 1:1 wirkt wie ein Weckruf für die Gastgeber. Der mit seinen fast zwei Metern beeindruckende Dominik Wagner köpft kurz vor der Pause das 2:1, Spiel gedreht. STV-Stadionsprecher Helmut „Hellers“ Porsch bezeichnet den Torschützen als „Dominator“. Diesen Titel verdienen sich nach einer effektiven Kabinenpredigt Zeilmanns fast alle Deutenbacher. Nach einer Stunde macht Luca Schott mit einem Doppelschlag alles klar, er und Wagner verpassen sogar weitere Tore. Der spielende Co-Trainer Sammy Röder lässt jedoch Milde walten, vor allem mit seinen jungen Mitspielern. „Im Training können sie’s.“ Sein Appell „Macht’s doch wie immer“ verhallt, auch weil sie feststellen müssen: „Du spielst halt trotzdem gegen gestandene Männer. Bezirksliga ist mehr Kampf.“

Ausbildung beim Club

Das ist die erste Lehre, die die Röder-Brüder seit dem Wiederbeginn aus der für sie neuen Liga gezogen haben. Dass Sammy schon Bayernliga und Spielertrainer Rico schon Regionalliga gespielt haben, beide beim Club ausgebildet wurden – „das hat sich schnell herumgesprochen. Wir werden schneller zugestellt“, berichtet Sammy. Er, 31, stand zuletzt bei Landesligist Vach auf der Acht, Rico, 29, in den Testspielen auf der Zehn. Eine schwere Knieverletzung stoppte Spielertrainer Rico jedoch jäh, bis zur Winterpause fällt er aus, immerhin ist jetzt klar, dass er nicht operiert werden muss. Gemeinsam sind die beiden mit dem ASV Vach in die Bayernliga aufgestiegen, „das mit meinem Bruder zu schaffen, war das Schönste“, schwärmt Sammy.

In Raitersaich wollen sie nun das nächste Kapitel zusammen schreiben und eine Trainerlaufbahn starten. Die entsprechenden Lizenzen zu machen, sei in Planung. Mit ihrer Zusage im Frühjahr haben sie in Raitersaich Euphorie entfacht. Ein halbes Jahr später ist davon aber nicht mehr viel übrig, das geben Bernd und sein Neffe Daniel Kießling unumwunden zu. „Das haben wir uns ganz anders vorgestellt. Wir sind mit einem positiven Gefühl in den Sommer“, sagt Bernhard Kießling, der Spielleiter des SVR, „und jetzt haben wir eine Pechsträhne.“ Nach Jahren, in denen sie vom Verletzungspech verschont geblieben sind, schlug das jetzt doppelt und dreifach zu. Der Ex-Spielertrainer Dietmar Kusnyarik hatte sich noch bereit erklärt, die Rückrunde zu Ende spielen, riss sich aber vor zwei Wochen die Bänder im Knöchel – Rückkehr frühestens in vier Wochen. Torjäger Florian Müller, der 13 Treffer bis zur Coronapause beisteuerte, ist nicht mehr zu motivieren.

So liegt die Hoffnung im Sturm nun auf dem jungen Noah Zimmermann, der jedoch unter der Woche in der Oberpfalz die Polizeischule besucht. Er erzielte sein erstes Tor gegen Ansbach-Eyb. Mit Florian Schütz und Christopher Uwadia sind zwei weitere Stammspieler verletzt. Unruhig wird beim SVR dennoch keiner. Darüber ist Sammy Röder heilfroh. In der Tabelle brennt wohl nichts mehr groß an, „wir können ohne Druck unsere erste Trainerstation angehen“. Der Kader besteht weitgehend aus Spielern, mit der Kusnyarik den Durchmarsch von der Kreisklasse aus geschafft hat. Nur eben an diesem goldenen Herbsttag in Deutenbach, da zahlt der SVR in der für ihn noch recht neuen Bezirksliga reichlich Lehrgeld.

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