Das Amateurfußballportal für Mittelfranken
Partner im
Amateurfußballnetzwerk
Partner im Amateurfußballnetzwerk

Lucas Markert: Dieser Typ braucht den Spaß

Regionalliga Bayern

Als spielintelligent, kreativ und technisch versiert galt Lucas Markert schon beim Bayernligisten ATSV Erlangen. Im Sommer wechselte der 20-Jährige zur SpVgg Unterhaching, auflaufen aber wird er vorerst für den TSV 1860 Rosenheim. Der nächste Schritt vor dem großen Sprung?

Beim ATSV Erlangen machte Lucas Markert seine ersten Schritte im Herrenbereich - nun setzt er sich höhere Ziele.

 / © Zink / DaMa

F ußball ist ein Spiel. Freilich, er bedeutet Menschen über den gesamten Erdball hinweg mehr als das. Fußball ist mittlerweile ein hochkomplexer Hochleistungssport. Und er ist auch ein millionenschweres Geschäft. Für Lucas Markert ist er trotzdem in erster Linie ein Spiel.

Ein Spiel, das er seit ersten Juli offiziell professionell betreibt: Im Februar unterzeichnete er einen Kontrakt bei der SpVgg Unterhaching, der Wechsel in den Münchener Vorort sollte ursprünglich allerdings erst im Sommer nach einer bestenfalls erfolgreichen Rückrunde beim ATSV Erlangen vollzogen werden. Ursprünglich. Bekanntlich torpedierte die weltweite Pandemie nicht nur den Spielbetrieb im Profi- sondern auch jenen im Amateurfußball. Ein Pflichtspiel absolvierte der Mittelfeld-Akteur für seinen Ausbildungsklub, für den er als 17-Jähriger erstmals in der Bayernliga auflief, seither nicht mehr, auch eine wirkliche Verabschiedung fand entsprechend nicht statt.

In Kontakt blieb man dennoch. Markert verfolgte mitunter die Trainingseinheiten seiner früheren Mitstreiter, eine enge Beziehung verbindet ihn besonders mit seinem einstigen Trainer, Shqipran Skeraj. Der 34-Jährige formte Lucas, den Sohn des ATSV-Fußballabteilungsleiters Jörg Markert, noch als Teenager zu einem der Stammspieler beim Bayernligisten – und leistete damit einen nicht unbeachtlichen Beitrag zum Karriereweg des Youngsters, der in diesem Sommer nach Unterhaching führen sollte: „Wir telefonieren ab und zu, er gibt mir viele Tipps“, erklärt Markert, der von der „jahrelangen Erfahrung“ seines früheren Übungsleiters in großem Maße profitiert. „Chipo“ war selbst Profi, lief für die kosovarische Nationalmannschaft auf und verbuchte für die TuS Koblenz und die SpVgg Greuther Fürth insgesamt 19 Einsätze in der zweiten Bundesliga. Zwei Spielklassen darunter möchte Markert auf Leihbasis bei den Rosenheim Sechzgern in der Regionalliga den „nächsten Schritt“ in seiner Entwicklung gehen und Spielpraxis sammeln, im Ligapokal durfte er schon einmal ran. Und - natürlich hofft der 20-Jährige, „dass ich Spaß habe“. Die Bedingungen hierfür scheinen zu stimmen: Privat lebt Lucas mit seinem fünf Jahre jüngeren Bruder Florian, der sich unlängst dem Unterhachinger Nachwuchsleistungszentrum anschloss, gemeinsam in einer Wohnung: „Er ist zwar deutlich jünger, aber wir haben die gleichen Interessen und können über alles miteinander sprechen“, beschreibt der 20-Jährige das Verhältnis zu seinem kleinen Bruder.

„Ein ganz anderes Tempo“

Und sportlich? Fühlt sich der Mittelfeldmann nicht nur in Rosenheim, sondern auch im rund 60 Kilometer entfernten Unterhaching „gut aufgenommen“, das Umfeld bei den Oberbayern sei „sehr familiär“. Bei jedem sei man herzlich willkommen. „Mir werden viele Tipps gegeben.“ Auch von Seiten des neuen Hachinger Trainers: Arie van Lent, der zuvor in Gladbach jahrelang diverse Nachwuchsteams betreut hat, soll bei der Spielvereinigung der Philosophie des Klubs getreu junge Spieler – und somit auch Markert – weiterentwickeln. „Er ist super nett, weiß wie er mit den Spielern umgehen muss und legt großen Wert auf das Fußballerische“, lobt der einstige ATSV-Akteur den zwischenzeitlichen, nun vorerst früheren und mutmaßlich ab Sommer 2021 zukünftigen Trainer.

Denn für ein Jahr wird die Entwicklung des technisch versierten Rohdiamanten in die Hände des Hachinger Kooperationspartners Rosenheim in Person von Chefcoach Thomas Kasperetti gegeben. Regionalliga also. Eine Klasse höher als Erlangen, eine unter der Spielvereinigung, bei der Markert schon im Winter, als er erstmals bei den Oberbayern mittrainierte, feststellte, dass „ein ganz anderes Tempo“ gespielt werde als noch in seiner fränkischen Heimat. Rosenheim ist demnach eher der nächste logische Schritt als der große Sprung nach Unterhaching – und eine vom Drittligisten gerne genutzte Möglichkeit, seinen Talenten Spielpraxis beim Partnerklub zu ermöglichen. Das, was – das betont Lucas’ Vater gerne junge Spieler in Markerts Alter in ihrer Entwicklungsstufe am meisten benötigen. Auch das ist eine der Lehren, die ihm seine fußballverrückte Familieauf den Weg in den Profi-Fußball mitgab. Neben dem Rat, „nie den Spaß zu verlieren und das zu machen, was ich liebe“.

Das macht Lucas Markert momentan, aber es war nicht immer so. Als Neunjähriger wechselte er einst zum Kleeblatt in das Nachwuchsleistungszentrum, das er in der U15 wieder verließ: „Ich bin ein Spieler, der den Spaß braucht. In Fürth hatte ich keinen Spaß mehr, ich hatte nicht das Gefühl, dass ich mich weiterentwickeln konnte“, blickt der 20-Jährige zurück. Hinzu kam, dass sein damaliger Trainer ihn für zu klein, für zu schmächtig hielt und ihm entsprechend kaum Spielpraxis in Aussicht stellen konnte. Markert kehrte zurück nach Eltersdorf, das Intermezzo bei der Spielvereinigung Greuther Fürth war somit beendet, der Traum vom Profifußball lebte noch immer. Aber eben auf einem anderen Weg.

Entgegen des Trends und des gegenwärtigen Fokus auf Nachwuchsleistungszentrum verfolgte Markert sein Ziel auf gehobenem Amateurfußball- Niveau. Mit viel Spielpraxis, der Möglichkeit mit den Freunden zusammenzuspielen und der Chance, schon in jungen Jahren in den Seniorenfußball einzusteigen. Der vermeintlich einfachere, angenehmere Weg führt den 20-Jährigen nun nach Unterhaching.

Dort freute sich beispielsweise Steffen Galm, der bei der Spielvereinigung die Entwicklung und Kaderplanung verantwortet, auf einen „spielintelligenten“ jungen Mann. Darin sieht auch der technisch versierte Markert neben dem Abschluss eine seiner Kernkompetenzen. An seinen Stärken versucht er ebenso wie an seinen Schwächen tagtäglich zu arbeiten, um „jeden Baustein zu verbessern“. Sein größtes Defizit erkennt er im Zweikampfverhalten: „Da bin ich noch ein paar Schritte hinten dran.“ Jene Leistungskomponente wird auch bei Thiago Alcantara, den Markert neben Philippe Coutinho als sein Vorbild bezeichnet, in der Öffentlichkeit gerne bemängelt. Der 20-Jährige bewundert zwar vor allem Cristiano Ronaldo, rein spielerisch orientiert er sich aber eher an den beiden kreativen Feinfüßen, die mit dem deutschen Rekordmeister in der abgelaufenen Spielzeit das Triple holten. Freilich,der Spanier, der Brasilianer und Lucas Markert spielen auf komplett unterschiedlichem Niveau, und die Spielweisen der drei ähneln sich in manchen Punkten, sind aber dennoch verschieden. Was das Trio eint? Sie können Fußball aussehen lassen als das, was es ist: ein Spiel.

Mehr zum Thema