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Strobel: "Genau diese Spiele brauchen wir, um weiterzukommen"

Landesliga Nordost

Es hätte eine jener kleinen Heldengeschichten werden können, die man sich an der Nördlinger Straße noch lange erzählen würde. Als Trainer Jochen Strobel am Freitagabend in der 85. Minute seinen fünften und letzten Wechsel vollzog, schien der SC 04 Schwabach gegen den TSV Neudrossenfeld einen vermeintlich komfortablen 2:0-Vorsprung verspielt zu haben. Doch dann: Auftritt Marco Hennemann.

Eine Halbzeit lang war Schwabach kaum zu stoppen.

 / © Zink

Gerade mal eine Minute benötigte der im Sommer von der U19 der SG Quelle Fürth zum Sportclub gekommene Mittelfeldmann, um mit einem abgefälschten Schuss, das 3:2 zu erzielen und sich damit scheinbar zum umjubelten Matchwinner zu küren. Einmal mehr hatte die Schwabacher Bank ihr besonderes Jokerpotenzial bewiesen. Doch das turbulente Spitzenspiel in der Landesliga Nordost sollte noch eine finale Pointe bereithalten: Weil Timm Raumer in der Nachspielzeit eine Ecke unglücklich zum 3:3 ins eigene Tor abfälschte, blieb Hennemanns Heldenepos unvollendet.

Als „sehr, sehr bitter“ empfand Strobel das späte Missgeschick, prinzipiell aber konnte der Trainer mit dem Remis „gut leben“. Immerhin hatte der seit nunmehr sechs Spielen ungeschlagene Tabellenzweite im Rennenumden Aufstiegsrelegationsplatz seinen Sechs-Punkte-Vorsprung auf den direkten Verfolger aus Oberfranken gewahrt und mit einer engagierten und über weite Strecken auch fußballerisch furiosen Vorstellung nicht nur Strobel verzückt.

„Es macht total Spaß, wie die Jungs auftreten“, schwärmte der Coach. Vor allem in der ersten Hälfte sei seine Elf „total dominant“ gewesen und habe „geile Tore herausgespielt“. Etwa in der 24. Minute, als Jonas Winkler von der Strafraumkante aus das lange Eck anvisierte und den Ball via Innenpfosten ins Tor schlenzte. Noch schöner geriet das 2:0: Der agile Rechtsverteidiger Jakob Söder fand nach einem feinen Solo mit einem Pass in die Schnittstelle der Abwehr Florian Nisslein, der den Angriff mit einem eleganten Lupfer über Gästekeeper Tobias Grüner kongenial zum 2:0 abschloss (39.). Eine verdiente Pausenführung, die mit etwas mehr Zielstrebigkeit durchaus noch höher hätte ausfallen können.

Dass sich nach dem Wechsel das Blatt in kürzester Zeit wenden sollte, hätteda wohl keiner der 200 Zuschauer geahnt. Doch als in der 50. Minute plötzlich Mikel Seiter auf der linken Seite freistand, Keeper Dominik Brunnhübner umkurvte und zum 1:2 einschob, zeigte das Team aus der Goldschlägerstadt plötzlich Nerven. Neudrossenfeld drängte weiter und kam nur drei Minuten später durch einen vom früheren Fürther Stefan Kolb verwandelten Foulelfmeter zum Ausgleich. „Das waren vermeidbare Gegentore, da haben wir ein bisschen gepennt“, ärgerte sich Strobel. Seine Mannschaft brauchte einige Zeit, um sich von diesem Doppelschlag zu erholen, kämpfte sich dann aber wieder in die intensive, temporeiche Partie zurück. Schon in der 72. Minute hatte Grüner im letzten Moment gegen den ebenfalls eingewechselten Fatih Boynügrioglu gerettet, kurz vor dem 3:3 verpasste der SC bei einem reizvollen Konter die Entscheidung. Weil aber auch die anfangs harmlosen Oberfranken eine ansehnliche zweite Hälfte boten, ging die Punkteteilung nach rassigen 90 Minuten schon irgendwie in Ordnung.

„Natürlich wäre es geil gewesen, wenn wir das 3:2 über die Zeit bringen“, sagte Strobel, „aber jetzt schütteln wir uns kurz, und alles ist gut.“ Der 41-Jährige, im Hauptberuf Lehrer, setzt bei seinem jungen Team auch auf einen Lernprozess: „Genau diese Spiele brauchen wir, um weiterzukommen und den Sprung schaffen zu können.“ Und am Ende vielleicht sogar eine etwas größere Heldengeschichte zu schreiben.

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