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Bernd Rosinger: Trotz allem verrückt nach Fußball

Bayernliga Nord

Eine Verletzung auf der Zielgerade einer denkwürdigen Sommervorbereitung kostete Bernd Rosinger einige Nerven. Nun wurde der Ex-Profi und Hoffnungsträger des SV Seligenporten durch die verfrühte Winterpause erneut ausgebremst.

Bernd Rosinger (re.) in Zivilkleidung im Gespräch mit SVS-Trainer Gerd Klaus. Auf dem Platz konnte der Ex-Profi den Kollegen seit August verletzungsbedingt nicht helfen.

 / © Zink

Weder ein Schlag noch gegnerischer Kontakt war im Spiel, dafür wohl zu viel eigener Ehrgeiz. „Ich bin unnötige Wege gegangen, wollte wieder fit werden“, erinnert sich Bernd Rosinger an jenen Samstagnachmittag Ende August, der für Seligenportens Bayernliga-Kicker beim 5:0-Testerfolg über die U23-Talente der SpVgg Greuther Fürth eigentlich überaus positiv verlaufen war. Doch für den 31-Jährigen, der nach seiner finalen höherklassigen Station in Homburg bei den Klosterern ab Sommer 2019 auf Anhieb eine tragende Rolle übernahm, begann eine persönliche Leidenszeit. Wohl aus einer „Überbelastung“ resultierten Beschwerden an der Achillessehne, die aber nicht, wie von der medizinischen Abteilung vermutet, nach zweiwöchiger Schonung abklangen. Die Comeback-Versuche im Pokal gegen Erlangen und im ersten Punktspiel nach der Sommerpause gegen Vilzing gerieten unrund.

Immer wieder zurückkehrende Schmerzen trotz physiotherapeutischer Behandlung zwangen Rosinger, sich aus dem Mannschaftstraining auszunehmen und individuelle Laufeinheiten zu absolvieren. „Irgendwann hast du Angst, die Verletzung könnte chronisch werden. Das war kein Spaß, frühmorgens schon mit Schmerzen aufzustehen“, berichtet der gebürtige Neumarkter, der den Gedanken an ein erzwungenes Karriereende dennoch verdrängte, sich für einen möglichen Einsatz im Eltersdorf-Heimspiel extra fit spritzen ließ.

Den Kollegen von der Tribüne oder Bank zusehen zu müssen, empfand der Stürmer, der aufgrund seines vorübergehenden Status als arbeitsloser Ex-Profi vor der Saisonfortsetzung einige Wochen nur als Gastspieler am Betrieb teilnehmen durfte, kaum angenehmer als die körperlichen Qualen. „Es gibt nichts Schlimmeres. Ich habe vor Nervosität permanent einen Puls von 180.“ Obwohl er den Mannschaftskollegen gute Trainingsleistungen attestiert, ging dem SVS in den Spitzenbegegnungen die Durchschlagskraft abhanden. Sowohl beim unglücklichen 0:2 in Vilzing als auch bei den Unentschieden gegen Eltersdorf und Großbardorf fehlte es an Präzision im Abschluss. „Wir haben die Punkte unnötig liegen gelassen“, konstatiert Rosinger, will aber keine generelle Offensivschwäche erkennen. „Wir sind auf den Flügeln brutal stark besetzt,haben eben viele junge Talente dabei. Nur wird manchmal zu wenig mit Hirn und zu hektisch gespielt“, weiß der Routinier.

Umso mehr brannten die Schützlinge von Trainer Gerd Klaus für Wiedergutmachung in den beiden ausstehenden Partien im Oktober gegen Konkurrenz aus dem hinteren Tabellenfeld. Derweil zeigte die dosierte Belastung bei Rosinger endlich Wirkung, so dass der Plan reifte, ihn in Abtswind oder spätestens im Duell mit Sand sogar von Beginn an aufzustellen. Allein das abermals um sich greifende Corona-Virus stellte sich in den Weg. Wut und Frustration wären ob dieses neuerlichen Dämpfers naheliegende Gefühlsreaktionen, jedoch blickt Bernd Rosinger entspannter in die Zukunft als noch im September. „Ich nutze die Zeit, um mich bis zum Frühjahr komplett auszukurieren.“ Langweilig dürfte es dem angehenden Vater zumindest nicht werden. Wiederum sei er noch nicht bereit, den bisherigen sportlichen Lebensmittelpunkt aufzugeben. „Dafür bin ich zu fußballverrückt. Es geht nicht ohne“, sagt der 31-Jährige, der sich mittelfristig im Amt eines Spielertrainers sieht.

Vorher soll mit Seligenporten im Idealfall noch einmal der Regionalliga- Aufstieg gelingen. Den will der Ex-Profi trotz der im kurzen Spieljahr 2020 verschlechterten Ausgangsposition – der Rückstand auf Relegationsrang 2 beträgt sechs Punkte, bei einem offenen Nachholspiel in der Hinterhand – nicht abschreiben. „Das Geschäft ist so schnelllebig. Wenn wir unsere eigenen Spiele gewinnen bin ich zuversichtlich, dass wir noch Chancen haben. Die anderen werden auch noch ausrutschen.“ Es braucht noch nicht mal die Verletzung eines Leistungsträgers.

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