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SV Seligenporten 03/04: Der Edeljoker rettete die Abschlussfahrt

Saison des Lebens

Jeder, der Fußball gespielt hat, kennt sie: Die "Saison des Lebens". Eine Spielzeit voller Erinnerungen an eine große Mannschaft, tolle Mitspieler, einen tollen Trainer; an Tore, die so niemand mehr schoss, an Spiele, die so niemals wieder gewonnen oder verloren wurden, an Tränen, die flossen – aus Freude oder Trauer. In einer Serie widmen wir uns genau diesen Spielzeiten und lassen diejenigen erzählen, die damals ihre "Saison des Lebens" erlebten. Wie Stefan Moosburger 2003/04 den Landesliga-Aufstieg mit dem SV Seligenporten.

Stefan Moosburger vom SV Seligenporten (weißes Trikot) wird von Daniel Güthlein vom FV Wendelstein hart gefoult.

 / © Sportfoto Zink

"Bis zum Frühjahr haben wir noch gar nicht so richtig an einen möglichen Aufstieg gedacht", erinnert sich Stefan Moosburger. Schon früh plante er mit den Teamkollegen um Kapitän Jürgen Brandl eine Abschlussfahrt in den Süden, um die Mannschaftskasse kurz nach Saisonende auf den Kopf zu hauen. Erst mit zunehmender Dauer der Rückrunde kam die Befürchtung auf, dass man diese aufgrund einer möglichen Relegationsteilnahme stornieren muss. Am Ende schrammten sie um einen Tag an diesem Szenario vorbei und konnten die Reise wie geplant antreten.

Es war die Zeit, in der die Ansprüche beim SV Seligenporten so langsam, aber sicher stiegen. "Wir wollten auch ein Aushängeschild im Landkreis werden", sagt Stefan Moosburger, der am Ende seiner "zweifelsohne" besten Saison des Lebens entscheidend dazu beitrug, dass die Klosterer dem ASV Neumarkt 2004 in Landesliga folgten und erstmals zwei Klubs aus dem Landkreis auf Verbandsebene spielten.

Moosburger ist ein Kind des FC Holzheim, spielte dort während seiner gesamten Jugend und daraufhin noch zwei Jahre in der Kreisliga. Bezirksligist SV Seligenporten mit dem damaligen Manager und Macher Carlo Wild wurde auf ihn aufmerksam. Der heutige Chefreporter des kicker befand sich gerade beruflich bei der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich, als er den 19-jährigen Verteidiger telefonisch darum bat, für den Wechsel nach Seligenporten die letzten Details mit Spielleiter Josef Bock abzuklären, der auch heute noch für den Verein Aufgaben übernimmt.

Weiterhin ging es sukzessive bergauf im Kloster, Moosburger und Co. schafften mit Torjäger Udo Rosinger und Spielertrainer Harald Distler 2001 den Aufstieg in die Bezirksoberliga, wo sie zunächst zwei Jahre lang einen schweren Stand hatten. Nach einer abermaligen Spielzeit im Abstiegskampf signalisierte man mit der Verpflichtung des 32-jährigen Spielertrainers und frühen Bayernliga-Torschützenkönigs Gerd Klaus – heutzutage an der Seitenlinie erneut beim SVS – eine Transferoffensive, die neue Ambitionen untermauern sollte. Neben gestandenen Kräften wie Christian Stark, Bernd Harfolk, Rainer Brückel und Markus Fürnschuss kamen mit Oliver Fuchs (SC Feucht) und Bernd Fuchsbauer (Quelle Fürth) auch höherklassig erfahrene Akteure in das zusammengewachsene Konstrukt aus Spielern der näheren Umgebung. Vor der goldenen Saison wollten sie zunächst eigentlich nur eine sorgenfreie Runde spielen, ein einstelliger Tabellenplatz war eigentlich das ausgegebene Ziel.

"Jeder neue Charakter hat wie die Faust aufs Auge gepasst, fast schon auf wundersame Weise hat sich ein einmaliger Teamgeist entwickelt. Der Mannschaftsetat war geringer als anderswo in der Liga, aber es gab Leute wie Spielleiter 'Sepp' Josef Bock und Betreuer Horst Rödel im Hintergrund, die sich darum gekümmert haben, dass einem als Spieler nichts fehlt. Es formte sich eine echte Einheit. Der Rest kam von allein", schwärmt Moosburger, der nach acht Jahren in Seligenporten von echten Männerfreundschaften spricht. Rainer Brückel wurde später sein Trauzeuge.

"Jeder Neue hat wie die Faust aufs Auge dazu gepasst"

Einen großen Anteil an der Entwicklung des eingeschworenen Haufens schreibt er auch Trainer Gerd Klaus zu: "Er hat es verstanden, die Spielerfrauen mit in das Drumherum einzubinden, sodass sich keiner mehr zu Hause dafür rechtfertigen musste, zu viel Zeit auf dem Fußballplatz zu verbringen. Durch die frühen Erfolgserlebnisse hat sich eine Eigendynamik entwickelt, die dazu geführt hat, dass jeder immer spielen wollte und dadurch auch im Training Feuer drin war. Es gab niemanden, der nicht stinksauer war, wenn er nicht gespielt hat und deswegen noch eine Schippe draufgelegt hat, um es dem Coach umso mehr zu zeigen." Der beim SV Seligenporten vom Verteidiger zum Rechtsaußen umfunktionierte Moosburger erinnert sich, wie er während seiner Zeit als Vermessungsingenieur unter hoher beruflicher Belastung nur noch zwischen Baustelle und Fußballplatz pendelte, um nicht wegen mangelnder Trainingsbeteiligung auf die Bank gesetzt zu werden.

Und dass man sich nach Abschlusstraining und Heimspielen noch auf mindestens ein Getränk unter die eigenen Zuschauer mischte, wurde ebenso eine Selbstverständlichkeit wie zahlreiche "legendäre" Mannschaftsabende und Feierlichkeiten im alten Sportheim. Während eines Trainingslagers über das Faschingswochenende vor der Aufstiegsrückrunde statteten sich alle mit beflockten Mönchskutten aus, um einen lokalen Faschingsball unsicher zu machen. Das erste Mal hatte die Hütte direkt am ersten Spieltag gebrannt, als Seligenporten die favorisierte Reserve des SC Feucht nach 0:2-Rückstand noch 3:2 bezwang. Nach sieben Spieltagen stand man gleichauf mit Topfavorit Erlangen-Bruck an der Tabellenspitze. Der Kontakt nach oben sollte nicht mehr abreißen.

Am letzten Spieltag hätte Seligenporten nur noch einen Sieg gegen Bad Windsheim im Fernduell mit Bruck um die Meisterschaft und den Direktaufstieg benötigt. Eine 3:1-Führung brachte man aber nicht ins Ziel: "Der Ärger war groß, weil uns zum Beispiel ein klarer Elfmeter verweigert wurde und wir unsere Chancen nicht reingemacht haben. Es war enttäuschend nach dem 3:3, in die beiden Relegationsspiele gehen zu müssen. Wären wir da gescheitert, wäre die Abschlussfahrt nicht zu dem geworden, was sie dann war", so Moosburger.

Für ihn persönlich dagegen sollte durch die Relegation alles noch viel besser kommen, denn nur so avancierte er in der Folge zum Aufstiegshelden in Seligenporten. In seinem Büro hängt von damals immer noch der Zeitungsbericht, der sein persönliches Karrierehighlight schildert. Wegen beruflicher Verpflichtungen mit der Joker-Rolle betraut, setzte Moosburger in der 62. Minute gegen den FV Wendelstein zum Alleingang an und erzielte den Siegtreffer zum 3:2.

In der entscheidenden Partie gegen die SpVgg Kirchdorf in Parkstetten vor 200 mitgereisten Klosterern mitsamt in Rot-Weiß gekleideten Spielerfrauen kam er wieder von der Bank und schob kurz vor dem Ende zum vorentscheidenden 2:0 ein. Alle Dämme brachen. Mit Zuschauern und Fans wurde im Sportheim ausgiebig gefeiert, bevor am nächsten Tag in Frankfurt der Flieger wartete.

Das SVS-Aufgebot: Carsten Hinrichsen, Rainer Brückel, Stefan Lutter, Alexander Samen, Bernd Müller, Kim Staufer, Oliver Fuchs, Jürgen Brandl, Bernd Fuchsbauer, Markus Fürnschuß, Markus Zilker, Christian Stark, Martin Brandl, Gerd Klaus, Rainer Meier, Stefan Moosburger, Rainer Raum, Bernd Harfolk.

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