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Uhsemann: "Das Problem ist die Überdachung"

Bayernliga Nord

Der Amateurfußball ruht, auch in der Bayernliga zwei Klassen unter dem Profibetrieb kann nicht trainiert werden. Joachim Uhsemann, der langjährige sportliche Leiter des SC Eltersdorf, lässt sich den Optimismus aber nicht nehmen: "Aus der ersten Pause sind wir auch gut rausgekommen." Immerhin bietet die fußballfreie Zeit Gelegenheit, um auf zwei verrückte Jahre beim SCE zurückzublicken: 2020 und die erste Regionalliga-Saison 2012/13.

Joachim Uhsemann muss selbst überlegen, seit wann er schon beim SC Eltersdorf ist. 1984 müsste es gewesen, da kam er als Spieler vom FC Bayern Kickers zu den "Quecken", die in der A-Klasse spielten. Uhsemann, ein gebürtiger Nürnberger, blieb hängen. 1995 stieg der SCE in die Bezirksliga auf, da war Uhsemann schon spielender Co-Trainer. Er wurde gefragt, ob er sich vorstellen könne, auch der Manager der Eltersdorfer zu sein. Er konnte - und ist es jetzt schon seit Mitte der Neunziger ohne Unterbrechung.

 / © Schreiter

Herr Uhsemann, wenn vor einem Jahr nicht dieses Virus ausgebrochen wäre, würden wir dann jetzt über die erste Saisonhälfte in der Regionalliga reden?

Schwierig. Man weiß natürlich nie, wie es ohne Pause gelaufen wäre. Wir haben schließlich mit Dickson Abiama einen ganz wichtigen Mann verloren. Wenn er da geblieben wäre, würde ich unterschreiben, dass wir aufsteigen. Das ist einfach so, wir haben uns gut entwickelt.

Abiama sollte zum Saisonende nach Fürth gehen. Durch die Pandemie wurde es doch mitten in der Spielzeit. Hadern Sie manchmal damit, dass er Ihnen in der entscheidenden Phase nun fehlt?

Freilich ist es schade, er war ja nur ein halbes Jahr da. Aber es ging nicht anders, wir haben das so mitverhandeln müssen. Sonst hätte Fürth sich vielleicht anders entschieden. Man muss einem jungen Spieler diese Chance geben. Und er ist aus unserer Sicht genau zum richtigen Verein gegangen. Er hätte auch nach Leipzig oder woanders hin wechseln können. Aber es ist wichtig, dass er nah bei der Familie ist.

Wenn man auf die Ergebnisse nach seinem Wechsel blickt, haben Sie den Verlust gut kompensieren können.

Das konnten wir aber vorher nicht wissen. Calvin Sengül, der Außenbahn spielt, war lange verletzt. Der Coach hat ihn dann für Abiama vorne in die Spitze reingestellt. Und es hat funktioniert. Das ganze Team hat es aufgefangen.

"Regionalliga? Es war anstrengend"

Wie sind die Erinnerungen an die erste Regionalliga-Saison 2012/13?

Es war anstrengend.

Und trotzdem würden Sie es wieder tun?

Natürlich. Wir können doch der Mannschaft, die die beste Erlanger Fußballmannschaft ist, nicht sagen, das geht nicht. Die Regionalliga hat immer noch einen großen Stellenwert, auch wenn die Bayern und 1860 München inzwischen fehlen.

Ist die Regionalliga da noch so viel attraktiver als die Bayernliga, in der es immerhin ein Erlanger Derby gibt?

Naja, das richtige Erlanger Derby ist Bruck gegen Eltersdorf. Und man hat dabei nicht mehr so viele Zuschauer wie früher, das ist das Traurige. In der Bayernliga gibt es natürlich Vereine wie Bamberg und Seligenporten, die Fans mitbringen. Aber vielleicht kann man ja den ein oder anderen Erlanger aus anderen Stadtteilen überzeugen, dass in Eltersdorf ein guter Fußball gespielt wird. Das würde das auffangen.

Was macht die Regionalliga so anstregend?

Das hängt mit allem Organisatorischen zusammen, von den Schiedsrichtern bis zu den Busfahrten. Man braucht da einen Stab von 20 Leuten an einem Spieltag. Momentan haben wir neun Busfahrten, in der Regionalliga wären es 16.

Kann Ihnen Abiama doch noch in die Regionalliga helfen – indem Sie mit dem Geld aus seinem Transfer die Auflagen finanzieren?

Es gibt klare Regelungen von der DFL. Wenn er es in Fürth schaffen würde, würden wir das Geld sowieso ins Gelände investieren. Das größte Problem in Bezug auf die Regionalliga wäre für uns die Überdachung von Sitzplätzen. Aber daran wird es nicht scheitern. Wenn wir es sportlich schaffen, kann es einfach nicht daran scheitern. Der Vorstand findet eine Lösung.

Eine Sondergenehmigung ist nicht mehr möglich?

Nein, die hatten wir schon vor acht Jahren. Und die haben sich das aufgeschrieben.

Das verjährt nicht?

Der BFV hat manchmal ein gutes Gedächtnis (lacht). Es sind nur gut 100 Plätze, aber die müssen überdacht sein. Wir müssen also irgendetwas drüber schweben lassen. Wir kriegen ein neues Flutlicht, da können wir locker darunter Regionalliga spielen lassen. Und den Gästekäfig müssen wir aufbauen.

"Was auch fehlt, sind emotionale Derbys"

Sie sind seit Mitte der Neunziger Manager in Eltersdorf. Wie hat sich der Amateurfußball seitdem verändert?

Heutzutage läuft viel mehr elektronisch ab. Früher haben wir die Spielerpässe noch im SPD-Haus ausgegeben. Es ist viel umfangreicher geworden. Aber man wächst da rein. Was auch fehlt, sind emotionale Derbys, bei denen es richtig rauscht. Heute wird alles gepfiffen.

Was ist Ihre prägnanteste Erinnerung an das Regionalliga-Jahr?

Natürlich das 3:1 gegen die Bayern. Dass Mehmet Scholl nicht zur Pressekonferenz kam.

Warum eigentlich?

Weil er verloren hatte. Dazu muss man sagen, dass ich Bayern-Fan bin. Aber der kommt mir nicht mehr her (lacht). Das war natürlich das Highlight der Saison. Auch, dass man mit dem Bus an Orte gefahren ist, wo man sonst nicht hingekommen ist. Nach Illertissen zum Beispiel. Es war ein Riesenaufwand, aber den würden wir wieder auf uns nehmen.

Also hat das die Anstrengung wieder wett gemacht?

Nur weil das Team in Eltersdorf passt. Wir hatten ja schon die ersten Gespräche mit Spielern für die kommende Saison. Da geht es wirklich ums Team, es gefällt ihnen in Eltersdorf. Das ist ganz wichtig,

Die wichtigste Personalie haben Sie mit dem Trainer geklärt?

Wir hatten mit Ludwig Preis ja schon einmal einen Über-Trainer. Aber ich würde sagen, dass Bernd Eigner mittlerweile den gleichen Stellenwert besitzt. Weil er ehrlich und ein Typ ist. Das passt einfach.

Wird das verschobene Spiel gegen Ihren Verfolger DJK Vilzing die vorentscheidende Partie um den Aufstieg?

Könnte sein. Schauen wir mal, wie sie ihre zwei Nachholspiele gestalten. Aber selbst wenn wir verlieren, ist die Runde noch nicht vorbei. Es sind ja noch fünf weitere Spiele zu spielen. Die anderen beiden Vereine wollen unbedingt rauf, wir müssen nicht. Wir haben keinen Druck.

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