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Méndez: "Amateurfußball nur leistungsorientiert - das geht nach hinten los"

Bezirksliga Süd

Im Lockdown bleibt auch dem Trainer der TSG 08 Roth, Alberto Méndez, in Sachen Fußball nur der Fernseher. Auch für einen Ex-Profi nicht schön.

Im Interview wird deutlich, dass sich Alberto Méndez mit seiner neuen Trainertätigkeit in Roth angefreundet hat. Der Ex-Profi, der mit dem FC Arsenal Champions-League-Luft geschnuppert hat, äußert sich aber auch über Geisterspiele in der Bundesliga und sorgt sich um den kickenden Nachwuchs. 

 / © Salvatore Giurdanella

Herr Méndez, Sie haben im Fußball einiges erlebt, er hat Ihr Leben immer begleitet, ob als Profi, Amateur oder aktuell als Trainer. Wie verbringen Sie die momentane Phase mehr oder weniger ohne Fußball?

Dass man nicht Fußball spielen kann, wenn man will, das habe ich noch nie erlebt. Privat bauen wir schon seit einiger Zeit unser Haus um, und wie es bei solchen Bauvorhaben vorkommt, läuft nicht alles reibungslos. Da habe ich also immer genügend zu tun. Für die Phase des Umbaus sind wir in den Nachbarort gezogen, der Mittelpunkt unserer beiden Kinder ist aber immer noch Katzwang. Ich bin also unentgeltlich momentan auch Taxifahrer. Neben Familie und Baustelle gucke ich auch wieder öfter Fußball im Fernsehen, was ich früher nicht so gemacht habe, weil ich selber auf dem Platz war.

Die Profifußballer dürfen ja, im Gegensatz zu den Amateuren, spielen. Was sagt der Ex-Profi und aktuelle Amateur-Trainer dazu?

Ich finde das absolut in Ordnung, weil man Profifußball und Amateurfußball nicht vergleichen kann. Das ist eine schöne Vorstellung, die die meisten Hobbyfußballer haben, aber es hat rein gar nichts miteinander zu tun. Profifußballer ist ein Beruf. Wie jeder Beruf sollte man den gerne machen, er soll dich begeistern. Und die Möglichkeiten, die ein Profiverein in der momentanen Phase bei Hygienevorschriften, Testkapazitäten und so weiter hat, die kann er mit dem vorhandenen Kapital auch ohne Probleme umsetzen. Es ist für einen Profifußballer auch möglich, sich ein paar Wochen abzuschotten. Es ist zwar nicht schön, aber es ist einfach der Job. Von daher finde ich es auch gut, dass gewisse Berufszweige nicht lahmgelegt werden, dass zumindest die noch weitermachen können.

Sie haben in vielen Ligen gespielt, von der Champions-League bis zur Landesliga. Wo verläuft denn die Grenze zwischen Profi- und Amateurbereich? Ab wann ist Fußball ein Beruf?

Als ich damals aus der 1. oder 2. Liga in die Regionalliga gewechselt bin (damals die 3. Liga, d. Red.), habe ich für mich gesagt, das hat mit Profi-Fußball nicht mehr viel zu tun, obwohl du nur Fußball gespielt hast. Letztendlich kannst du nur eine begrenzte Zeit Profi sein und Geld verdienen, und in der Regionalliga hattest du nicht mehr den Verdienst wie in der 1. oder 2. Liga. Das hat sich heute mit der Einführung der 3. Liga als Profiliga geändert. In den aktuellen Regionalligen gibt es schon ein paar Vereine, die unter Profi-Bedingungen trainieren und spielen, die aber ihre Spieler nicht wie Profis bezahlen. Und dann gibt es ja auch Vereine, die mit Profi-Niveau gar nichts zu tun haben. Ich glaube, Fußball in Eichstätt, Memmingen oder Garching hat mit Profi-Fußball nichts zu tun, da müssen alle arbeiten gehen, wenn sie überleben wollen. Deshalb ist die Grenze für mich ganz klar die 3.Liga.

Sie haben gesagt, Sie schauen derzeit wieder mehr Fußball im Fernsehen. Man hätte sich vor gar nicht allzu langer Zeit nicht vorstellen können, dass der FC Bayern nicht vor 70000 Zuschauern spielt. Wie kommen die Geisterspiele bei Ihnen an?

Am Anfang war es befremdlich, aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier, man gewöhnt sich sogar an ein Fußballstadion ohne Zuschauer. Aber es ist auch für Vereine und Spieler eine große Umstellung. Es gibt ja schon Statistiken, die zeigen, dass es weniger Heimsiege gibt. Für Fernsehzuschauer ist es glaube ich auch interessant, mitzubekommen, was so gesprochen und reingerufen wird. Ein Stück weit gewöhnt man sich also dran, es ist aber trotzdem ist nicht das Gleiche. Emotionen kommen auch über die Fans, das fehlt. Emotionen machen den Fußball aus.

Wechseln wir zum Amateurfußball, ihrem aktuellen Tätigkeitsfeld. Welche Auswirkungen könnte Corona da haben, gerade mit Blick auf den Nachwuchs?

Ich sehe das schon problematisch, dass die Kinder nicht zum Fußball dürfen. Ich habe mit meinem Sohn so einen Fall daheim, der vermisst das. Wir reden auch nicht über einen Zeitraum von vier Wochen, es geht schon länger so, und wer weiß, wie lange es noch gehen wird. Ich weiß auch nicht, was es mit Kindern macht, wenn sie teilweise so verängstigt sind. Ich glaube, die Folgen, die da auf uns zukommen, die können wir noch gar nicht absehen. Auch für den Fußball. Wenn ich daran denke, wie viele Jugendmannschaften es in Nürnberg gab, als ich noch ein Kind war. Jetzt braucht man immer mehr Spielgemeinschaften, um überhaupt noch spielen zu können. Kinder und Jugendliche werden im Lockdown daheim digital berieselt, rausgehen dürfen sie ja nicht. Ob da alle im Frühjahr wieder rausgehen und Fußball spielen wollen – ich kann es mir schwer vorstellen.

Wie halten Sie denn in der aktuellen Phase Kontakt? Innerhalb der Mannschaft, aber auch zu Betreuern, zum Team ums Team.

Mehr als telefonieren oder Nachrichten schreiben ist ja im Moment nicht drin. Bei Erwachsenen ist die Situation auch etwas anders, die kennen das Leben mit dem Fußball, dem Verein. Ich habe das hier in Roth erlebt, als wir im Herbst wieder aktiv sein durften. Da sind Leute wieder ins Training gekommen, mit denen keiner mehr gerechnet hatte, die nach der Zwangspause aber wieder Bock auf Fußball hatten. Die haben das alles vermisst. Wie sich solche langen Pausen auf 12-, 13-, 14- oder 15-Jährige auswirken, das wird sich zeigen. Ich hoffe, dass Kinder und Jugendliche sagen, „das hat mir richtig gefehlt“ – es kann aber auch das Gegenteil passieren.

Wie planen Sie als Trainer in solchen Zeiten?

Gar nicht, geht ja nicht. Spielen wir Ligapokal, wird der abgesagt, wann fangen wir überhaupt wieder an? Im Februar? Im März? Ich plane nur ganz grob: Sobald wir raus dürfen, gehen wir raus.

"Die nackten Zahlen hören sich nicht nach viel an"

Schauen wir konkret auf die TSG Roth. Sie haben im Sommer 2020 übernommen, die nackten Zahlen in der Bezirksliga sagen: Sechs Spiele, drei Siege, zwei Niederlagen, ein Unentschieden. Wie fällt Ihre persönliche Zwischenbilanz aus?

Die nackten Zahlen hören sich nicht nach großartig viel an, sie fühlen sich aber nach großartig viel an, weil eben unsere Konkurrenten im Vergleich fast gar nicht gepunktet haben. Dadurch stehen wir jetzt ja auch über dem Strich. Nach dem Sieg gegen Greding (das letzte Spiel vor der Pause, d. Red. ) hat man das auch der Mannschaft angemerkt, die Jungs waren richtig happy und haben gefeiert. Ich muss aber auch grundsätzlich sagen: Amateurfußball nur leistungsorientiert zu betreiben, da geht der Schuss mittelfristig immer nach hinten los. Man kann sich auch nichts erkaufen, das haben viele schon erlebt, auch die TSG. Da bin ich auch froh über meine Zeit als Profi, selbst da funktioniert es nicht immer. Klar brauchst du finanzielle Mittel, aber es funktioniert nur, wenn du eine homogene Mannschaft hast, die miteinander kann. In Spanien hatten wir eine Mannschaft mit lauter „No Names“ und wären fast in die 1. Liga aufgestiegen. Dann hat der Verein in der nächsten Saison gedacht, jetzt holen wir noch fünf Spieler mit viel Qualität – und wir sind abgestiegen. Im Amateurfußball ist es noch krasser: wenn eine Mannschaft zusammenwächst und zusammenhält, dann kannst du auch mit einer schwächeren Truppe gut abschneiden – und hast gar kein Geld investiert. Es braucht einfach Leute, die gerne hier sind, die gerne Fußball spielen und die eine Gemeinschaft bilden. Und was das angeht, habe ich das Gefühl, hat sich hier auch einiges verbessert. Ich kann und will zwar nicht beurteilen, was früher war, aber ich habe in den ersten Wochen und Monaten schon mitbekommen, dass sich Spieler geärgert haben, wenn sie nicht ins Training konnten. Nicht, weil das Training so super ist, sondern weil sie gerne Zeit mit den Jungs verbracht haben. Und dass sie nach dem Training auch gerne dageblieben sind und im Sportheim noch was gegessen oder getrunken oder einfach nur blöd dahergeredet haben. Dieser Zusammenhalt macht doch den Amateurfußball aus, dann bist du, finde ich, erfolgreich.

Wie sehen Sie die Perspektiven bei der TSG?

Grundsätzlich sehe sich schon, dass die erste Mannschaft in der Bezirksliga bleiben kann. Die Jungs nehmen viel an, setzen viel um, die Trainingsbeteiligung ist super. Es ist ein Kollektiv, mit dem es viel Spaß macht. Klar gibt es immer wieder einige, denen musst du Sachen fünf Mal erklären, damit es beim sechsten Mal klappt. Aber ich bin nicht der Typ, der sagt, „geht nicht“. Dann erkläre ich es eben sechs Mal. Und wenn es trotzdem nicht klappt, dann ist es halt so. Wir sind alle hier, weil wir gerne Fußball spielen. Ich habe lieber jemanden, der qualitativ nicht so gut ist, aber das Herz am rechten Fleck hat.

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