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Jürgen Schmid: "Feucht war meine schönste Station"

Zukünftiger Neumarkt-Trainer blickt zurück

Trotz dreier Kreuzbandrisse schaffte Jürgen Schmid den Sprung in den Profifußball. Seine schönste Zeit hatte er jedoch beim SC Feucht, mit dem er 2003 in die Regionalliga aufgestiegen ist. Ab der Saison 2021/22 übernimmt der heutige Landwirt den ASV Neumarkt.

Schussstarkes Stehaufmännchen: Aufgeben kam für Jürgen Schmid (links) niemals in Frage, auch nach drei schweren Knieverletzungen im jungen Alter nicht.

 / © Sportfoto Zink

Jürgen Schmid ist mit 14 Treffern der erfolgreichste Torschütze des 1. SC Feucht in der Regionalliga. Der heute 38-Jährige ist dem SC Feucht nach wie vor verbunden, verfolgt dessen Weg und hat beste Erinnerungen an seine Zeit bei den Zeidlern. Von Jahresbeginn 2002 bis Sommer 2005 spielte der in Parsberg in der Oberpfalz geborene Stürmer für den SC und stieg mit ihm 2003 in die Regionalliga Süd auf. Seine einstige Verpflichtung jedoch war ein Wagnis, hatte der Angreifer im Alter von nur 19 Jahren doch bereits zwei Kreuzbandrisse hinter sich. Heute lebt Schmid mit seiner Familie in der Nähe von Breitenbrunn und betreibt mit seiner Frau eine Landwirtschaft. Aktuell trainiert der frühere Torjäger den Bezirksligisten TSV Greding.

Seine Karriere begann Schmid beim SV Breitenbrunn, wo er bis zum ersten Jahr D-Jugend spielte, ehe er für die kommenden drei Jahre zum SV Parsberg wechselte. Ab der B-Jugend stürmte Schmid dann für die SG Post/Süd Regensburg. Dort wurde schließlich auch der FC Bayern München auf den flinken Angreifer aufmerksam und holte das Talent letztlich an die Säbener Straße. "Da ist für mich natürlich ein Jugendtraum in Erfüllung gegangen", blickt Schmid zurück. Bei den Bayern spielte er erst die Jugendzeit zu Ende und kickte anschließend das erste halbe Jahr bei der Reserve in der Regionalliga Süd, damals dritte Liga.

Vom FC Bayern zum SC Feucht

Doch Jürgen Schmid war früh vom Pech verfolgt, binnen kurzer Zeit zog er sich zwei Kreuzbandrisse zu. Schmid kämpfte sich wieder heran und wechselte mit Jahresbeginn 2002 im Alter von 19 Jahren zum 1. SC Feucht. "Feucht war meine schönste Station, die werde ich nie vergessen. Wir hatten sehr viel Erfolg, was schön war. Die Menschen waren herzlich, und es herrschte eine familiäre Atmosphäre. Wir hatten tolle Fans, die zu jedem Auswärtsspiel mit einem Fanbus gefahren sind. Ob wir verloren oder gewonnen haben: Die Stimmung bei den Fans war immer positiv. Und nach den Heimspielen - das werde ich auch nie vergessen - war im Sportheim immer eine ganz tolle Stimmung. Das habe ich an meinen weiteren Stationen so nie mehr wieder erlebt. Zudem war es schon überragend, welche tolle Mannschaft Manfred Kreuzer da zusammengestellt hatte - und das doch eigentlich alles bei einem Dorfverein", fasst Schmid seine Feuchter Zeit in positive Worte. Die Verbundenheit zum Markt Feucht ist immer noch da, 2019 spielte er in der Feuchter Traditionself gegen Bayern Hof und möchte auch weiterhin ein Teil dieser Mannschaft sein.

Eine sehr erfolgreiche sollte die Saison 2002/03 werden. Mit einem Torrekord von 107 und 13 Punkten Vorsprung holte der 1. SC Feucht vor dem TSV 1860 München II den Meistertitel und stieg in die Regionalliga Süd auf. Schmid erzielte in 22 Spielen zwölf Treffer und hatte so einen erheblichen Anteil am Feuchter Erfolg.

Anfang 2003 zog er sich allerdings den dritten Riss des linken vorderen Kreuzbandes zu und musste den Aufstieg in Liga drei von der Tribüne aus verfolgen. Der Verein jedoch hielt an ihm fest und Schmid arbeitete wie versessen an seinem Comeback. Am 29. November 2003, rund acht Monate später, war es schließlich so weit: Beim Auswärtsspiel beim 1. FC Saarbrücken wurde Schmid in der 71. Minute eingewechselt. "Das war für mich schon eine ganz schwere Zeit des Leidens. Wenn man zwischen 18 und 21 Jahren dreimal im gleichen Knie das Kreuzband gerissen hat, dann denkt man schon ans Aufhören. Aber als ich wieder laufen konnte und die Kugel vor mir am Fuß sah, da habe ich alles gegeben, damit ich wieder zurückkomme", erinnert er sich an die schwere Zeit und ergänzt: "Normalerweise ist ja die Karriere dann ganz früh zu Ende. Daher betrachte ich das rückblickend mit sehr viel Dankbarkeit, dass ich noch einmal auf die Bühne zurückgekehrt bin. Vor allem auch, dass ich noch so viele Jahre auf so hohem Niveau spielen konnte."

Beeindruckende Statistik

Unterm Strich brachte es Schmid auf 202 Einsätze in der Regionalliga Süd und 3. Liga und erzielte dabei 48 Treffer. Hinzu kommen 58 Viertliga-Einsätze mit 29 Toren. Dreimal wurde Schmid zudem im DFB-Pokal eingesetzt. "Ich muss schon sagen, das mich das im Nachgang doch sehr stolz macht und das ich als junger Spieler nicht gedacht hätte, dass ich es einmal so weit bringen werde", gibt sich Schmid bodenständig.

Nach dem Abstieg aus der Regionalliga Süd im Jahr 2005 verließ Schmid seinen geliebten 1. SC Feucht und wechselte zum SSV Jahn Regensburg. 2007 feierte der Oberpfälzer mit dem Jahn – wie schon 2003 mit dem SC Feucht – den Aufstieg in die Regionalliga Süd. Zu Jahresbeginn 2008 nahm Schmid ein Engagement fernab der Heimat beim SV Sandhausen an. Mit dem heutigen Zweitligisten spielten Schmid & Co. lange um den Zweitliga-Aufstieg mit. "Am Ende passten bei uns aber die Ergebnisse nicht, wir sind dann Fünfter geworden", erinnert er sich. Immerhin reichte das für die Qualifikation zur neuen eingleisigen 3. Liga. "Das war also kein Aufstieg, sondern wir haben damit praktisch den Abstieg vermieden und sind Drittligist geblieben." In der 3. Liga erzielte Schmid zwei Tore und kam in Sandhausen auf insgesamt 26 Partien mit drei Treffern. Ende 2008 verließ der Mittelstürmer den Verein und ging zurück zum Jahn nach Regensburg.

Dreieinhalb Jahre spielte Schmid an seiner letzten Station Jahn Regensburg, noch einmal kamen 74 Einsätze und acht Tore hinzu. Im Sommer 2012, zum Abschluss seiner aktiven Laufbahn, wurde Schmid mit dem Jahn Dritter der 3. Liga und stieg nach zwei Relegationsspielen gegen den Karlsruher SC (1:1 und 2:2) aufgrund der Auswärtstorregelung in die 2. Liga auf. "Das war mein dritter richtiger Aufstieg und ein schönes Ende meiner Karriere", sagt er rückblickend.

Mit 30 Jahren musste er die Fußballschuhe schließlich an den Nagel hängen, das linke und mehrfach lädierte Knie bereitete zunehmend Probleme.

Vom Profi zum Landwirt

Zu Hause ist Jürgen Schmid heute mit seiner Familie in Matzlsberg bei Breitenbrunn, nur zehn Kilometer von seinem Geburtsort Parsberg entfernt. Dort betreibt er mit Frau Jana eine Landwirtschaft. Die Söhne Tim (6) und Leo (5) begeistern sich auch für den Fußball. Doch auch nach seiner aktiven Laufbahn ist Schmid dem Fußball treu geblieben. Sein Heimatverein SV Breitbrunn ermöglichte ihm den Einstieg ins Trainergeschäft.

Vier Jahre lang (2012 bis 2016) trainierte der frühere Rechtsfuß die erste Mannschaft in der Kreisliga, ehe er 2016 zum TSV 1906 Freystadt in die Kreisliga wechselte und gleich in der ersten Saison den Aufstieg in die Bezirksliga schaffte. "Das war, wie in Breitbrunn auch, eine schöne Zeit. Wir haben ja in Freystadt nicht nur den Bezirksliga-Aufstieg geschafft, wir haben uns auch zwei Jahre gehalten, was nicht einfach war", stellt er klar.

Seit dem vorigen Sommer ist Schmid Trainer beim Süd-Bezirksligisten TSV Greding, mit dem er aktuell den achten Platz belegt. "Wir haben zehn Punkte Vorsprung nach hinten, den Klassenerhalt sollten wir also packen können. In Greding bin ich zufrieden, es passt alles."

Was bleibt nach einer solchen Karriere hängen? "Das meiste ist positiv, aber es gibt auch negative Dinge. So zum Beispiel, dass viele in diesem Fußballprofi-Geschäft nicht nach links und nicht nach rechts schauen. Das war für mich immer schwer zu ertragen, und das hat mir nicht so gefallen", antwortet Schmid. Positiv in Erinnerung bleiben dagegen die drei Aufstiege, einer mit Feucht, zwei mit Regensburg.

Neben dem Platz war Jürgen Schmid auch stets das Zwischenmenschliche innerhalb der Mannschaft wichtig. Das, was beim SC Feucht so ausgeprägt war, an seinen anderen Stationen aber oft zu kurz kam. "Abschließend kann ich sagen, dass ich eine schöne Zeit hatte. Mein Jugendtraum, einmal für Bayern München zu spielen, hat sich erfüllt. Ich hatte trotz der Verletzungen schöne Jahre als Fußballer, die ich nicht missen möchte. Der Fußball begleitet mich heute auch noch als Trainer, und ich freue mich, dass auch meine Söhne sich für Mannschaftssport entschieden haben. Denn das ist auch wichtig für das Sozialverhalten. Dankbar bin ich persönlich, dass ich noch bis zum meinem 30. Lebensjahr spielen konnte, denn damit konnte ich nach meinen vielen schweren Verletzungen zum Karrierebeginn wirklich nicht rechnen."

So ganz loslassen will und kann Schmid noch immer nicht: Wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, wird er ab der Saison 2021/22 den ASV Neumarkt, aktuell Tabellenführer der Landesliga Mitte, als Cheftrainer übernehmen und künftig seine Erfahrungen an die ASV-Mannschaft weitergeben.

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