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Brucker Dreikönigs-Hallenturnier: Fußball-Herzen im Ritual vereint

Rückblick

Jedes Kalenderjahr beginnt mit einem Budenzauber, der wirklich das ist, was Hallenfußball oft so abgedroschen verspricht: Das Brucker Dreikönigsturnier umgibt ein Zauber aus Tradition, Freundschaft und Heimatliebe. An diesem 6. Januar wären zum 29. Mal Spieler, Trainer, Helfer, Funktionäre und ihre Familien in die Emmy-Noether-Halle gekommen, sie hätten sich ein „Frohes neues Jahr“ gewünscht, sich die Hand gegeben und den Fußball gefeiert. In der Coronakrise ist das anders, auch die Amateursportler haben sich längst daran gewöhnt. Das Turnier ist abgesagt. Beteiligte wie Organisator Thomas Groß werden erstmals seit Jahrzehnten einen freien Feiertag erleben. Alles, was bleibt, ist in Erinnerung zu schwelgen – mit unseren Top fünf aus 29 Jahren Turniergeschichte:

Alle Jahre wieder: Feinster Erlanger Hallenfußball, dazu Folklore, Tradition, und ein großes Wiedersehen. Das Brucker Dreikönigsturnier ist eine Institution.

 / © Zink

Die größten Sieger

Keine Mannschaft hat das Brucker Dreikönigsturnier häufiger gewonnen als die Brucker selbst. Die heimische Halle, die Freude der Fans, das Engagement der Ehrenamtlichen – all das scheint die FSV-Fußballer zu beflügeln. 13-mal haben sie bereits gewonnen, erstmals im Jahr 1995, 2019 zum bislang letzten Mal. Ganz besonders verbunden mit der Dreikönigsturnier- Mannschaft ist ihr Trainer, Normann Wagner, der auch selbst schon als Aktiver dabei war: „Es fehlt etwas“, sagt der 47-Jährige, „weniger der Hallenfußball, das hat sich ja verändert, doch das Zusammenkommen mit den Spielern, der Kontakt.“ Schon generell merkt der Coach, dass sich im Lockdown die Teammitglieder voneinander distanzieren. „In unserer WhatsApp-Gruppe ist gar nichts mehr los, sonst hatten wir tagtäglich Kontakt.“ Und wenn es nur ein lustiger Spruch war. Doch momentan ist alles ruhig, wie am Mittwoch die Emmy-Noether-Halle. „Man lernt, damit zu leben“, sagt Wagner, „doch je länger das Feuer erloschen ist, umso mehr sieht man: Es geht auch ohne.“ An einen Jahresbeginn ohne Dreikönigsturnier aber kann man sich nicht gewöhnen: „Es ist immer eine Riesenstimmung, vom ersten Mal an war das so.“ Selbst im Jahr 2011, als ganz Erlangen wegen Blitzeis lahmgelegt schien. „Frühmorgens war es so glatt, dass man nicht mehr fahren konnte“, erinnert sich Wagner. „Trotzdem war die Halle um 10 Uhr voll, die Leute wollten kommen, zur Not noch auch auf allen Vieren.“ Selbst bei Glatteis.

Der Rekordspieler

Für viele Erlanger Fußballer ist es ein Privileg, am Dreikönigsturnier, der inoffiziellen Stadtmeisterschaft, dabei sein zu dürfen. Immer die gleichen Vereine werden eingeladen, unabhängig von ihrer Spielklasse. So kommt es, dass nicht etwa ein Bayernligafußballer der Rekordspieler des Turniers ist, sondern ein Spieler, der mit dem VdS Spardorf nie höher als in der A-Klasse angetreten ist. Jürgen Beer war 1993 bei der Premiere und 2020 zum 21. Mal als Aktiver beim Dreikönigsturnier dabei. Niemand hat öfter gespielt. Beer selbst wollte vor ein paar Jahren schon Schluss machen, selbst diese Zeitung hatte ihn damals in die Rente geschickt. „Dank der Überredungskunst ehemaliger Mitspieler habe ich dann doch wieder mitgemacht“, sagt der 47-Jährige, „andererseits braucht man dafür auch nicht viel Überredungskunst“, sagt Beer. „Es ist das schönste Turnier in Erlangen und Umgebung. Man trifft viele von früher, alte Freunde. Wobei in meinem Alter die meisten auf der Tribüne sitzen.“ Da hätte Beer in diesem Jahr nicht sitzen können, er wollte Skifahren gehen. „Doch auch das ist abgesagt.“ Mit dem Fußball aber hat er so oder so aufgehört: „Wenn, spiele ich noch mit meinen Kindern, vier und sechs Jahre alt, gegen die habe ich noch eine Chance.“ Es bleibt also bei 21 Teilnahmen. Andererseits ...

Die fairste Mannschaft

Wenn die Halle bebt, kochen die Emotionen hoch. Sport lebt davon. Und doch gibt es Grenzen, die mancher in der rauen Fußballwelt ab und an vergisst. Es ist deshalb zu würdigen, dass beim Brucker Dreikönigsturnier nicht nur die beste, sondern auch die fairste Mannschaft eine Auszeichnung erhält. Und diese ist – mit Abstand – der SV Tennenlohe. 2020 ging der Fairness-Pokal bereits zum siebten Mal an den Bezirksligisten. Abteilungsleiter Norbert Müller ist stolz auf diesen Rekord. „Wir versuchen immer, spielerisch zum Ziel zu kommen, wir sind keine Holzhacker.“ Sein erstes Turnier erlebte Müller 1998. „Ich war immer recht fasziniert von der Stimmung in der Halle. Man merkt den Spielern an, dass sie gern beim Dreikönigsturnier spielen wollen.“ Die „professionelle Organisation“ lobt Müller explizit. Jetzt, da das Turnier ausfällt, vermisst es der Tennenloher sehr: „Es ist ein Fixpunkt im ganzen Saisonkalender.“ Gern „erinnere ich mich daran, wie wir das Turnier im Endspiel gegen Eltersdorf gewonnen haben“, sagt Müller. „Eigentlich hatten wir keine Chance, doch hier hat auch ein Underdog einmal eine Chance.“ Und das auch noch sehr fair.

Der Rekordtorschütze

Die Halle ist das Mekka der Angreifer. Toreschießen kann man aus jeder Lage, die Bande hilft oft noch dabei, und am Ende feiern den Treffer Hunderte Zuschauer. Jochen Strobel kennt das Gefühl: Mit 50 Toren ist der 41-Jährige der erfolgreichste Torschütze der Turniergeschichte. Zehnmal war er als Aktiver dabei, 2014 auch Torschützenkönig, damals mit sieben Treffern. Bei der Premiere im Jahr 1993 hatten Wolfgang Wohlgemuth von der Spieli noch vier Tore für diese Auszeichnung gereicht. Doch seither ist viel passiert. Der amtierende Torschützenkönig Ferizi Labeat traf zehnmal. Doch nicht nur deshalb hat das Turnier einen „brutalen Stellenwert“, wie Strobel sagt. „Es waren immer 800 Zuschauer da, die Erlanger Fußballfamilie konnte sich treffen und miteinander messen. Es ist ein Ritual. Es gab Zeiten, da hat man sich geprügelt, um mitspielen zu dürfen.“ Als der Angreifer aus der Brucker Jugend ins Herrenteam wechselte, musste auch er warten, bis er am Dreikönigstag mitspielen durfte. „Das war das Privileg der ,Alten‘“, erinnert sich Strobel. „Früher haben wir uns immer gefreut, gegen Eltersdorf zu spielen.“ Besonders in Erinnerung blieben ihm die Finalspiele gegen den Rivalen aus der Nachbarschaft – und natürlich die Siege. „Wir haben alles in der Halle immer selbst mit auf- und abgebaut. Nach einem Turniersieg haben wir schon beim Abbau gefeiert, sind dann zurück zum FSV-Sportheim und waren dort mit allen Helfern zusammen.“ Mittlerweile spielt Strobel nicht mehr selbst, er ist Trainer beim Landesliga-Konkurrenten SC 04 Schwabach. „Als Zuschauer versuche ich aber immer, dabei zu sein, man sieht sehr viele alte Gesichter.“ Mit einigen ehemaligen Brucker Mitspielern hat Strobel zudem eine Stammtisch-Runde. „Normalerweise treffen wir uns einmal im Monat im ,Kaiser Wilhelm‘, jetzt eben zu einem Video-Call.“ Anders geht es im Lockdown nicht.

Die besten Fans

Zugegeben, diese Kategorie ist nicht auf die umfangreichen Statistiken des Turniers aufgebaut, sondern ein eher subjektives Empfinden. Fehlen aber dürfen sie nicht: die Fans. Sie machen das Turnier zu dem Wahnsinn, was es ist. Neben der Ballermann- Musik, die andauernd läuft, sorgen sie für das wohlige Dröhnen im Ohr, wenn man zum ersten Mal nach vielen Stunden die Halle verlässt. Sie singen und jubeln so frenetisch, als ginge es um eine Weltmeisterschaft. Die Anhänger der DJK Erlangen, als Nachrücker noch recht neu dabei, haben hier das Turnier besonders bereichert. Im ersten Jahr 2018 feierten sie ihre Mannschaft bis ins Halbfinale. Auch für sie wird es nun ein erstaunlich ruhiger Feiertag.

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