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SV Seligenporten: Stimmungskrise in der Warteschleife

Bayernliga Nord

Sportlich sinnt der SV Seligenporten im neuen Jahr auf Wiedergutmachung, muss aber zuvor Differenzen über ausgesetzte Bezüge beilegen.

Auf dem Trainingsplatz vor dem alten Vereinsheim des SV Seligenporten würden die Verhältnisse aktuell, wie im Februar 2019, ohnehin kaum Fußball zulassen. 

 / © Franz Hable

Gerd Klaus übte sich zur körperlichen Ertüchtigung und geistigen Zerstreuung am vergangenen Sonntag im Langlauf. Normalerweise befasst sich der Trainer des SV Seligenporten zu dieser Jahreszeit fast ausschließlich mit Fußball, bittet seine Mannschaft in der Vorbereitung auf den Rundenstart im März mehrfach pro Woche zu schweißtreibenden Einheiten.

Doch mit Blick auf das Infektionsgeschehen habe sich „ja schon vor Weihnachten“ abgezeichnet, dass Lockerungen für den Vereinssport noch in weiter Ferne liegen und es sich nicht lohne, gedankliche Energie auf eine detaillierte Programmplanung zu verwenden. „Einen roten Faden hast du als Trainer natürlich im Hinterkopf, aber ohne eine zeitliche Schiene zu kennen, macht es keinen Sinn. Wir haben dann auch darauf verzichtet, den Jungs die üblichen sportlichen Hausaufgaben über den Jahreswechsel mitzugeben. Die laufen sich sonst in der Warteschleife tot.“ Bis am Ende des Tunnels ein Licht sichtbar wird, will Klaus seinen Spielern „Freiraum lassen“ und glaubt an jenen individuellen Tatendrang, den er auch bei sich selbst spürt. Schließlich sehen sie sich beim ambitionierten Bayernligisten der mentalen Geduldsprobe ausgesetzt, die durchwachsenen Eindrücke des Jahres 2020 weiterhin nicht geraderücken zu können.

Weil der SVS in drei Spitzenbegegnungen nur zwei Zähler holte, fiel er im Rennen um die Aufstiegsplätze auf Tabellenplatz drei mit mindestens drei Punkten hinter den Relegationsrang zurück. „Albträume plagen mich deswegen nicht gerade. Aber wir haben einfach keine Ergebnisse abgeliefert, trotz einer guten Vorbereitung. Das nagt irgendwo schon an einem“, konstatiert Gerd Klaus. Zwischenzeitlich keimte im Kloster sogar eine mittlere Stimmungskrise auf. Nachdem der Verein bereits im vergangenen Frühjahr auf den punktuellen Lohnverzicht seiner aktiven – seit 2018 in einer ausgegliederten Gmbh auf Minijob-Basis angestellten – Aushängeschilder angewiesen war, sorgte die neuerliche Aussetzung der im Sommer neujustierten Bezüge ab November für Unmut in der Mannschaft.

Rosinger erwägt Abschied

Unter anderem Ex-Profi Bernd Rosinger äußerte auf Nachfrage öffentlich sein Unverständnis über die unangekündigte Überraschung und stellte seinen Verbleib zur Disposition. Daran habe sich mehrere Wochen später nichts Wesentliches geändert, bestätigt Rosinger den NN . Demgegenüber pochen die Verantwortlichen darauf, die Ungereimtheiten intern aufzulösen. „Derzeit ist es leider nicht möglich, sich zusammensetzen. Ich halte nichts davon, solche persönlichen Dinge am Telefon zu besprechen“, sagt Geschäftsführer Karl-Heinz Tischer. Den Betroffenen sei jedoch signalisiert worden, dass man sich baldigst um eine Verständigung bemühen wolle. Von Spielerseite sei außerdem bislang kein akuter Trennungswunsch an ihn herangetragen worden, versichert Tischer. Die Wechselfrist endet am 31. Januar.

Mit dem Verweis auf eine in Corona- Zeiten „überfordernde Situation“ versucht derweil der ebenfalls honorarlose Übungsleiter Gerd Klaus die Wogen zu glätten und zeigt Verständnis für die Nöte des Klubs beziehungsweise die Verlegenheit der ehrenamtlichen Funktionäre. „Es kommen nunmal keine Zuschauereinnahmen rein, und die Sponsoren müssen auf die Wirtschaftslage schauen.“ Klaus indes weigert sich, in Tristesse zu verfallen und rechnet damit, die angebrochene Spielzeit ab April doch noch fortsetzen zu dürfen – inklusive Vorbereitung.

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