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FC Kalchreuth 2015/16: Aufstieg der Unaufsteigbaren

Saison des Lebens

Jeder, der Fußball gespielt hat, kennt sie: die "Saison des Lebens". Eine Spielzeit voller Erinnerungen an eine große Mannschaft, einen tollen Trainer, an Tore, die so niemand mehr schoss, an Spiele, die so niemals wieder gewonnen wurden. In einer Serie widmen wir uns genau diesen Geschichten und lassen diejenigen erzählen, die damals ihre "Saison des Lebens" feierten. Heute: Der langersehnte Aufstieg des FC Kalchreuth in die Bezirksliga.

Als endlich alle Anspannung abfällt: Sebastian Lutz (links) und Markus Giering feiern den Aufstieg in die Bezirksliga.

 / © Sportfoto Zink

Als seine Fußballer an diesem Sommertag lautstark vom Aufstieg singen, da kann Wolfgang Lutz nur den Kopf schütteln. Die neue Saison der Kreisliga ist gerade drei Spieltage alt – und aufsteigen wollen sie beim FC Kalchreuth schon seit Jahren. Immer wieder scheitern sie aber daran, diesen nächsten Schritt zu gehen, es endlich in die Bezirksliga zu schaffen.

16. August 2015. Zum Kirchweihspiel empfängt der FC Kalchreuth den SC Germania Nürnberg. Sebastian Lutz, der seinem Vater im Winter zuvor zum FCK gefolgt ist, sieht im Internet diese Umfrage eines Amateurfußballportals: Vor der Saison haben die meisten Trainer den SC Germania als klaren Aufstiegsfavoriten benannt, an die vermeintlich Unaufsteigbaren aus Kalchreuth glauben nur wenige. Also druckt Lutz die Umfrage aus und hängt sie zur Motivation in die Kabine. Dann erklingt der Anpfiff – und die Kalchreuther Fußballer spielen sich in einen Rausch. Zur Halbzeit führen sie, auch dank zweier Tore von Lutz, mit 4:0, am Ende gewinnen sie 8:1. Gegen Germania, den Aufstiegsfavoriten. Also ziehen sie los, im Überschwang der Gefühle singen sie am dritten Spieltag schon vom Aufstieg, mit jedem Bier werden die Gesänge ein bisschen lauter.

Fünfeinhalb Jahre später erinnert sich Sebastian Lutz immer noch gerne an dieses Spiel, das für ihn eines der prägendsten dieser so schönen Spielzeit 2015/16 war. Lutz lebt inzwischen in Lindau am Bodensee, wo er das zweite Jahr seines Referendariats verbringt und als Lehrer für Sport und Wirtschaft arbeitet. An die schönen Stunden, an die vielen Momente im Trikot des FC Kalchreuth denkt er aber gerne noch zurück. Auch an die Aufstiegslieder nach diesem 8:1, dem "geilsten Spiel der Saison" gegen den SC Germania – am dritten Spieltag. "Vielleicht war das damals unser Vorteil, dass wir uns nicht so ernst genommen haben", sagt Lutz heute.

Mit der neuen Leichtigkeit gewinnen sie Spiel um Spiel und kommen dem Aufstieg immer näher. Im Oktober verlieren sie plötzlich zweimal nacheinander, doch auch das kann die junge Mannschaft um Kapitän Markus Giering nicht aufhalten. Das nächste Spiel gegen den engsten Konkurrenten ASV Fürth gewinnen sie mit 3:0, nach einem 2:1 gegen Deutenbach ist der FCK Herbstmeister. Im Winter geht es zum zweiten Mal mit der gesamten Mannschaft nach Belek ins Trainingslager – ein normaler Kreisligist ist der FC Kalchreuth schon da nicht mehr. 

"Die Zuschauer haben erwartet, dass wir danach Tiki-Taka spielen", erinnert sich Giering, genauso wichtig wie die fußballerische Entwicklung ist aber auch das Zusammensein, die Gemeinschaft, die "Kameradschaft", die in diesen Tagen in der Türkei noch ein bisschen stärker wird. Alle Spieler haben sich für den Ausflug mehrere Tage Urlaub genommen und "einen erheblichen Beitrag" selbst bezahlt, "das zeigt den Charakter der Mannschaft", so der Kapitän. Diese Mannschaft verliert im neuen Jahr 13 Spiele in Folge nicht, der Aufstieg ist zum Greifen nah.

29. Mai 2016. Neun Monate nach den Aufstiegsgesängen auf der Kirchweih ist der FC Kalchreuth nur noch einen Sieg von der Bezirksliga entfernt. Die Menschen strömen auf die Alm, um dabei zu sein beim entscheidenden Spiel gegen den ASV Fürth. Doch dann verliert der FCK mit 1:2. "Da ist mir schon der Stift gegangen", gesteht Markus Giering. Sie geben aber nicht auf, die Mannschaft trainiert normal weiter, schlägt Deutenbach – und kann am letzten Spieltag mit einem Punkt gegen den SV Eyüp Sultan aufsteigen.

Mit der Kutsche durch den Ort

Den frühen Rückstand gleicht Sebastian Lutz mit seinem 23. Tor im 23. Spiel aus, Florian Müller schießt nach einer Stunde sogar das 2:1. Jetzt zweifelt niemand mehr daran, dass der FC Kalchreuth bald in der Bezirksliga spielt, dass der so oft verpasste Aufstieg endlich gelingt. "Dieser Titel der Unaufsteigbaren hing immer über uns", erinnert sich Sebastian Lutz, "ich selbst habe es aber nicht so wahrgenommen." Am Tag nach dem Triumph fahren sie mit einer Kutsche durch den Ort, die Kalchreuther jubeln ihnen zu. Die Erlösung feiern sie zusammen auf Mallorca – und selbst als die neue Bezirksligasaison für den FCK eher weniger gut beginnt und sich Niederlage an Niederlage reiht, "haben wir auf der Neunhofer Kerwa noch den Aufstieg gefeiert", sagt Markus Giering. "Da hat uns Wolfgang Lutz in die Realität zurückgeholt."

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