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TSV Freystadt 2016/17: Friedliche Taktik-Revolution der Kumpelbande

Saison des Lebens

Jeder, der Fußball gespielt hat, kennt sie: Die „Saison des Lebens“. Eine Spielzeit voller Erinnerungen an eine große Mannschaft, tolle Mitspieler, einen tollen Trainer; an Tore, die so niemand mehr schoss, an Spiele, die so niemals wieder gewonnen oder verloren wurden, an Tränen, die flossen – aus Freude oder Trauer. In einer Serie widmen wir uns genau diesen Spielzeiten und lassen diejenigen erzählen, die damals ihre „Saison des Lebens“ erlebten. So wie Mario Forster 2016/17 mit seinem TSV Freystadt.

Mit Anlauf ins Glück: Nach einer durchwachsenen Hinrunde starteten die Kicker des TSV Freystadt bis auf Platz zwei durch und bejubelten in der Relegation des Frühsommers 2017 den Bezirksliga-Aufstieg.

 / © Giulia Iannicelli

Diese Erfolgs-Zutaten könnten aus einem Lehrbuch für den Amateurfußball stammen. Man nehme eine eingespielte Gruppe, die sich seit Jugendtagen kennt, setze ihr ein frisches Trainergesicht mit neuen Ideen vor und bestaune eine zum wachsenden Selbstvertrauen synchrone Siegesserie. So schaffte die erste Mannschaft des TSV Freystadt, was ihr kaum einer zugetraut hätte. Nie war sie in den drei Spielzeiten des vorangegangenen Jahrzehnts, in denen sie der Kreisliga angehörte, über den achten Rang hinausgekommen, bevor im Sommer 2016 der aus Parsberg stammende Ex-Profi Jürgen Schmid das Zepter übernahm.

Der neue Übungsleiter lernte schnell, dass der Zusammenhalt unter seinen Schützlingen kein Problem darstellt. „Wir sind im Grunde ein großer Freundeskreis“, bestätigt Eigengewächs Mario Forster, der mit einem Treffer und zwei Vorlagen gehörige Anteile am perfekten Saisonstart mit sechs Zählern verbuchte. Doch in den Wochen danach trübte sich die Stimmung in der obligatorischen Bier-Runde ob der durchwachsenen Ergebnisse ein. Mit drei Pleiten aus vier Partien verabschiedete sich Freystadt auf Platz neun mit der Erkenntnis in die Winterpause, dass der von Schmid implementierte Konter-Stil nicht durchschlägt.

Wo derlei Krisenlagen andernorts mitunter schon dazu führten, dass sich eine verschworene Mannschaft komplett gegen den Trainer stellte, setzte der TSV-Freundeskreis auf den Dialog. „Wir haben gemerkt, dass es so nicht weitergeht, uns nach dem Training im kleinen Kreis zusammengesetzt und gesagt: alles oder nichts, lasst uns offensiver spielen. Man muss es Jürgen Schmid auch zugute halten, dass er uns diese Freiheiten gegeben hat“, berichtet Torjäger Forster. Die mannschaftliche Laufstärke sollte von nun an mit einem in der Winter-Vorbereitung einstudierten Pressing-System zur Geltung kommen. „Das war schon Risiko, aber wir wussten, dass wir die Qualität dazu haben“, erklärt der 26-Jährige. Wobei freilich kaum einer mit einem derart positiven Saisonausgang rechnete.

Was der TSV Freystadt in der Rückrunde ablieferte, war plötzlich einer Spitzenmannschaft würdig. Mit Ausnahme eines Derby-Patzers gegen die SG Forchheim/Sulzkirchen und einem weiteren Remis gab die Schmid-Elf in 13 Begegnungen keine Punktemehr ab,überflügelte die Konkurrenz und schwang sich auf der Zielgeraden zum Jäger des vormals enteilten Primus Wettelsheim auf. Final spitzte sich die Titel-Spannung zu, als Freystadt unter der Woche mit einem 2:0 über Hilpoltstein den sechsten Dreier in Folge einfuhr und den Druck erhöhte. Allein aufgrund des direkten Vergleichs zitterte sich Wettelsheim bei ausgeglichener Tordifferenz mit einem 0:0 gegen Heideck zur Meisterschaft.

Doch Zeit, um die unerwartete Entwicklung zu verarbeiten, blieb ihnen an der Grenze zwischen Mittelfranken und Oberpfalz nicht. Die furiose Saison erhielt mit der Relegation in Roth gegen den SV Rednitzhembach eine Zugabe. „Wir sind echt auf dem Zahnfleisch gekrochen, weil unsere Spielweise echt anstrengend war und wir viele englische Wochen hatten“, erinnert sich Mario Forster an die unangenehme Hitze jenes Juni-Tags. Vor knapp 1000 Zuschauern kam es zu einem intensiven Schlagabtausch, in dem Forster die finale Pointe für den TSV Freystadt einleitete. Mit seinem flachen Zuspiel nach einer im Verlauf der Rückrunde öfter praktizierten Eckenvariante fand er den freigeblockten Kollegen Matthias Sessler, der zum umjubelten 1:0 traf. „Uns hat es gezeigt: Hey, wir können‘ s doch und haben uns den Platz verdient auch wenn es uns vorher niemand zugetraut hat“, sagt Forster, der mit seinem Heimatverein zweimal den Klassenverbleib in der Bezirksliga geschafft und jeweils zweistellig getroffen hat. In der durch Corona unterbrochenen dritten Saison läuft der TSV der Musik hinterher, will aber Kampf und Zusammenhalt nicht aufgeben. Forster drückt dafür aus der Ferne die Daumen, trägt er doch inzwischen das Trikot des ASV Neumarkt und trifft demnächst wieder auf Jürgen Schmid. Die beiden hätten nichts dagegen, ein neuerliches Erfolgs-Kapitel aufzuschlagen.

Aufgebot: Endres Hocke, Hasan Özdemir; Lukas Dorr, Robin Forster, Tim Loskill, Tobias Meier, Matthias Sessler, Andreas Ulrich, Peter Bednar, René Bauer, Michael Ferstl, Martin Engelmann, Moritz Münch, Markus Forster, Andreas Forster, Andreas Stigler, Mario Forster, Patrick Meyer, Oliver Überall, Michael Hußendörfer, Patrick Pröbster.

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